10 Gesundheits- und Ernährungsmythen: Was stimmt, was nicht?

Ernährungsmythen und Gesundheitsmythen

Es gibt zahlreiche Gesundheits- und Ernährungsmythen. DIe einen stimmen dann doch, die anderen leider gar nicht. Foto: Skica911/Pixabay.com

Wer kennt sie nicht, jene Behauptungen, die sagen, dass diese oder jene Lebensmittel gesund sind, andere dagegen schlecht für die Gesundheit. Das wohl bekannteste Beispiel ist der ach so gesunde Spinat. Andere Behauptungen rund um bestimmte Ernährungsgewohnheiten sind, dass abends viel essen dick mache, Spiegeleier nichts bei hohem Cholesterinspiegel sind. Und: Verwirrte alte Menschen müssen nicht immer gleich an beginnender Demenz leiden. 10 Ernährungsmythen und Gesundheitsmythen und was wirklich stimmt.

Spinat und der Eisenmythos

Dieses Beispiel kennt vielleicht jeder. Spinat enthält wahnsinnig viel Eisen. Hieß es zumindest im Jahre 1890, als die Zahlen des Eisengehalts bekanntgegeben wurden. 35 Milligramm sollten es auf 100 Gramm Spinat sein. Das erweist sich heute als falsch und vermutlich wurde der Eisengehalt des stark wasserhaltigen Blattgemüses (92 %) bei getrocknetem Material gemessen.

Tatsächlich enthält Spinat 4,1 mg Eisen, was für Gemüse trotz allem einen sehr hohen Wert darstellt aber eben kein Alleinstellungsmerkmal ist. Zum Vergleich: Karotten haben nur etwas über 2 mg je 100 g. Bei einer vornehmlich pflanzlichen Ernährung muss erwähnt werden, dass der Körper sehr wenig des pflanzlichen Eisens – Nicht-Häm-Eisen – aufnehmen kann (2 – 5 %). Deutlich besser sei die Aufnahme über tierische Produkte. Dieses Eisen wird „Häm-Eisen“ genannt, da Eisen hier an den Blutfarbstoff Hämoglobin gebunden ist, was die Aufnahme begünstigt.

Tipp: Bei vegetarischer Ernährung andere eisenhaltige Produkte wie Vollkorngetreide regelmäßig Essen. Vitamin C fördert die Eisenaufnahme. Etwas Obst nach einer vegetarischen Mahlzeit zu essen, begünstigt daher die Aufnahme.

Karotten, gut für die Sehkraft?

Ernährungs Mythos Karotten und Augen

Karotten in jeglicher Form – und bitte mit etwas Öl – geniessen, das fördert die Sehkraft. Oder? Foto: Klimkin/Pixabay.com

Karotten helfen dabei, dass man gut sieht. Und das sogar nachts. Das ist ein Mythos, der auf der Tatsache beruht, dass Karotten vergleichsweise viel Betacarotin enthalten, die Vorstufe von Vitamin A, welches unser Körper daraus bildet. Dieses Vitamin A wiederum ist wichtig für zahlreiche Funktionen in menschlichen Körper, etwa unser Sehvermögen. Bei einem Mangel leidet tatsächlich unsere Sehkraft. Also: Wer viel Karotten isst, der sieht gut, oder?

Leider ist das ein Mythos und da Vitamin A, besser gesagt seine Vorstufe, in vielen Lebensmitteln – viele tierische Produkte, von der Leberwurst über Butter, Sahne, Joghurt, etc. und Gemüse wie Paprika, Kopfsalat, Gurken, Spinat, Broccoli, usw. – enthalten ist, würden Menschen in westlichen Ländern sehr, sehr selten an einem Mangel leiden. Es gibt Quellen die vermuten, dass der Mythos im Zweiten Weltkrieg entstand. Um zu verheimlichen, dass die Briten einen neuartigen Bordradar entwickelt hatten, mit dem sie bei Nacht Ziele aus Flugzeugen bombardieren konnten, ließen sie die Fakenews durchsickern, dass ihre Piloten besonders viele Karotten essen würden, um besser zu sehen. So wurde wohl ein Schwindel zu einem der vielen Ernährungsmythen.

Vitamin A kann der menschliche Körper übrigens in der Leber speichern und bei Bedarf abrufen.

Cola und Salzstangen bei Übelkeit und Durchfall

Wer kennt es nicht aus Kindertagen? Irgendwann hatte man sich den Magen verdorben, Übelkeit, Erbrechen und Durchfall plagten uns. Dann gab es Salzstangen und Cola. Das sollte helfen.

Tatsächlich warnen Mediziner davor, da der viele Zucker den Effekt noch verstärken können. Und, richtig, man verliert zwar durch das vermehrte Ausscheiden auch jede Menge Mineralien, doch das Salz auf den Knabberstangen kann diesen Verlust nicht ersetzen. Es war und ist wohl eher ein psychologischer Effekt, anstatt ein positiver medizinischer Effekt.

Hausmittel gegen Übelkeit und Durchfall bringen dagegen schon etwas. Aktivkohle und Heilerde sind hier zwei althergebrachte Hausmittel, die es in der Apotheke gibt. Der Vorteil: Durch ihre große Oberfläche binden diese Stoffe eventuelle Krankheitserreger wie Bakterien auf dem Weg zum Ausgang.

Den gleichen Effekt haben Pektine, die vor allem in Äpfeln (mit Schale und gerieben), aber auch Bananen (als Brei) oder Karotten (gegart) enthalten sind. Auch Flohsamenschalen und Leinsamen binden mögliche Schadstoffe und Erreger.

Aber Vorsicht: Bei länger anhaltenden Beschwerden Apotheker oder Arzt um fachlichen Rat fragen! Zudem kann die Einnahme von Elektrolyten sinnvoll sein, um ausgeschiedene Mineralien zu ersetzen.

Eier sind schlecht für den Cholesterinspiegel und das Herz

Ernährungsmythen Eier sind ungesund

Ein Mythos, der sich hartnäckig hält: Eier sind schlecht für den Cholesterinspiegel. Foto: RitaE/Pixabay.com

Noch heute hält sich fest der Mythos, dass Eierkonsum schlecht für den Cholesterinspiegel ist und, weil so fetthaltig, auf Dauer der Herzgesundheit schaden. Es gibt zwar modernere US-amerikanische Ernährungsstudien, die das nach wie vor nahelegen, doch diese seien, so Experten, nicht auf den europäischen Konsumenten anwendbar. Zumal US-Amerikaner ihre Eier am liebsten mit Speck und anderen eher ungesunden Beigaben schätzen.

Dagegen sieht Dr. Philipp A. Gerber, Leiter des Fachbereichs Klinische Ernährung und Adipositas am Universitäts-Spital Zürich, Eier als völlig unbedenklich an. In einer schwedischen Studie wurde der Konsum von sechs Eiern in der Woche ebenso als unschädlich deklariert. Zwar stimmt es, dass so ein kleines Ei relativ viel Cholesterin, etwa 200 mg, enthält, doch dies ist dennoch vergleichsweise wenig und macht die Hälfte des Gehaltes beispielsweise in einem Steak oder Schnitzel aus.

Zumal die Aufnahme von Cholesterin über die Nahrung vergleichsweise gering sei, da zwei Drittel des Cholesterins im Blut vom Körper selbst gebildet werden. Andere Fachleute sagen sogar bis zu 85 %. Klar, eine stark und dauerhaft fetthaltige Ernährung mit gesättigten Fettsäuren (tierische Fette) und Transfettsäuren wirkt sich negativ auf den Cholesterinspiegel aus, denn dann bildet der Körper in der Leber auch irgendwann zu viel davon. Aber am Ei liegt es nicht wirklich. Zumal Eier zum Großteil gesunde, ungesättigte Fettsäuren enthalten, einen optimalen Mix aus den wertvollsten Aminosäuren und insgesamt 18 wichtige Vitamine und Mineralstoffe liefern. Darunter ein hoher Anteil an immunsystemstärkendem Vitamin D.

Hühnersuppe gut bei Erkältung und Grippe?

Ernährungs Mythen Hühnersuppe gegen Erkältung

Zu den Ernährungsmythen zählt auch und dies seit Omas Zeiten: Hühnersuppe hilft, Erkältungsbeschwerden zu lindern. Foto: cejoh/Pixabay.com

Hühnersuppe als empfohlene Mahlzeit bei Erkältungsbeschwerden? Davon haben sicher schon Viele gehört und manch böse Zunge sagt, dass dies helfen würde, weil konventionell gezüchtete Hühner viel zu viele Antibiotika in ihrem kurzen Leben erhalten. Doch diese flüssige Mahlzeit wirkt tatsächlich. Verantwortlich hierfür ist die enthaltene Aminosäure Cystein, die die Schleimhäute der oberen Atemwege abschwellen lässt und entzündungshemmend wirkt.

Hühnersuppen-Rezept:

  • Etwa 1,5 Kg Huhn (es können auch Hühnerbeine sein, es muss nicht unbedingt ein Suppenhuhn sein)
  • Ein großer Bund Suppengrün (Möhren, Knollensellerie, Lauch, Petersilie; Pastinake, Petersilienwurzel ebenfalls möglich)
  • 1 Zwiebel
  • Gewürze: 1 Lorbeerblatt, 2, 3 Pimentkörner, 4, 5 Pfefferkörner
  • Optional: Etwas Ingwer (ebenfalls entzündungshemmend)
  • 3 TL Salz

Zubereitung von Hühnersuppe gegen Erkältung:

Huhn in einen Topf legen, alle Zutaten und 3 Liter Wasser einfüllen. Einmalig aufkochen lassen und, je nach Qualität des Huhns, 1,5 – 3 Stunden köcheln. Ein Suppenhuhn benötigt länger als ein normales Brathähnchen. Hiernach abschmecken und entweder die Suppe abseihen und pur genießen oder mit Einlage. Hierzu werden Lorbeerblatt, Piment- und Pfefferkörner entfernt und das abgekühlte Fleisch – ohne Haut – in mundgerechte Stücke geschnitten.

Wer übrigens scharfe Speisen gut verträgt, kann eine Chilischote mitkochen (mit oder ohne Kerne). Der enthaltene Scharfmacher Capsaicin regt die Durchblutung der Schleimhäute an; Schleim löst sich so besser.

Tipp 1: Bei der Fleischmenge ist es vielen zu viel davon. Kann kalt, zum Beispiel auf Sandwiches, gegessen werden oder wird weiterverarbeitet, beispielsweise zu Hühnerfrikassee.

Tipp 2: Schneller und energiesparender gelingt die Hühnersuppe mit einem Schnellkochtopf. 35 – 40 Minuten auf Stufe 2 gekocht (siehe Ventil) und die Suppe ist fertig. Für Schnellkochtopfneulinge: Der Topf muss vor dem Öffnen richtig gut abkühlen (steht unter Druck!)

Kaffee entzieht dem Körper Flüssigkeit

Eine Aussage, deren Inhalt lange Zeit als wahr galt. Doch dies ist falsch, einer der vielen Ernährungsmythen, erst recht, wenn man an seinen täglichen Kaffeekonsum – nicht mehr als drei, vier Tassen – gewöhnt ist. Mit wenig Zucker und Milch zählt Kaffee durchaus zur täglichen Flüssigkeitsbilanz von empfohlenen 1,5 – 2 Litern am Tag.

Abends essen ungesund?

Abends essen ist gesund oder ungesund?

Abends essen. Ist das gesund? Oder gar ungesund und es macht dick? Foto: ailimder/Pixabay.com

Wer kennt ihn nicht den alten Spruch: „Morgens wie ein Kaiser, mittags wie ein König, abends wie ein Bettler“. Dieser Spruch bezieht sich auf die Größe der Mahlzeit zur jeweiligen Tageszeit und suggeriert, dass eine abendliche Hauptmahlzeit die Gewichtszunahme fördert. Damit ist abends essen ungesund. Oder doch nicht?

Eine Metastudie der Universität Cambridge aus dem Jahre 2017 ergab jedoch keinen eindeutigen Zusammenhang zwischen abendlicher Hauptmahlzeit und einer zwangsläufigen Gewichtszunahme.

Vielmehr ist diese abhängig von der Anzahl an Kalorien, die man über den Tag verteilt zu sich nimmt. Das beste Beispiel hier sind Südeuropäer, die insbesondere in der heißen Sommerzeit ihre Hauptmahlzeit auf die Abendstunden verlegen und tagsüber eher leichte Speisen für den kleinen Hunger zu sich nehmen. Also: Einer der gängigen Ernährungsmythen.

Wer dagegen tagsüber, etwa aufgrund von Heißhungerattacken oder schlicht aus Zeitmangel ständig ungesunde Kalorienbomben zu sich nimmt und mit dem abendlichen Mahl die Kalorienbilanz völlig überzieht, noch dazu vor dem Fernseher sitzend Naschereien nicht widerstehen kann, der neigt zur Gewichtszunahme. Denn schnell wird so die benötigte Kalorienzahl überschritten.

Einer der gängigen Ernährungsmythen: Fettes Essen macht dick

Auch dies ist ein Ernährungsmythos in einer figurbewussten Gesellschaft. Zwar liefern Fette deutlich mehr Kalorien als Eiweiße und Kohlenhydrate, doch das man mit Magerkost rank und schlank bleibt ist ein Irrglaube. Vielmehr kommt es auf die Art der Fette an.

Gesättigte Fettsäuren und Transfette, genauer, Transfettsäuren, die durch hohe Hitze entstehen, sind jene Fette, die sich schlecht auf den Cholesterinspiegel auswirken und auf Dauer Herzerkrankungen auslösen können. Transfette tauchen vor allem in Fertigprodukten wie Pizzen, Pommes Frites oder Chips und Croissants auf. Gesättigte Fettsäuren finden sich vornehmlich in Sahne, Butter oder Schweinefleisch.

Doch es gibt auch die Guten. Das sind ungesättigte Fettsäuren, die in Pflanzenölen, Nüssen, Samen oder Fisch. Sie übernehmen zahlreiche wichtige Funktionen im Körper, beispielsweise bei Denkprozessen, und schützen den Menschen etwa vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Daher gilt: Fett ist per se nicht ungesund. Es kommt nur einerseits auf die Art der Fette an und andererseits auf die Menge. Alles andere sind Ernährungsmythen.

Gedächtnisstörungen im Alter = beginnende Demenz?

Gesundheitsmythos: Beginnende Demenz im Alter

„Du, Oma war heute ganz seltsam, oder?! Hoffentlich ist das keine beginnende Demenz“ Foto: sabineevanep/Pixabay.com

Wenn das Gedächtnis bei älteren Menschen auf einmal nicht mehr so ganz funktioniert, befürchten viele, dass das eine gefürchtete beginnende Demenz ist. Das ist aber häufig nicht der Fall. Vielmehr kann es einfach daran liegen, dass die betreffende Person zu wenig trinkt. Denn oft ist es so, dass aufgrund des mangelnden Durstgefühls – nicht unüblich im Alter – einfach zu wenig getrunken wird. Dies kann zu Gedächtnis- und Konzentrationsproblemen und sogar bis zur Verwirrtheit führen.

Tipp: In der Regel ist der Wassermangel insbesondere bei alten Menschen daran zu erkennen: Mit zwei Fingern die Haut am Handrücken leicht zusammendrücken. Löst sich diese Erhebung nicht sofort, dann kann ein Wassermangel die Verwirrtheit erklären. Ärztlicher Rat ist hier dringend ratsam.

Light-Produkte gesund oder ungesund?

Weniger, Fett oder weniger bis gar kein Zucker, das ist doch gut, oder? Nehmen wir den Light-Joghurt. Zahlreiche Tests haben ergeben, dass diese und andere fettreduzierte Lebensmittel dann deutlich mehr Zucker enthalten. Light-Produkte hätten oftmals mehr Kalorien als ein vergleichbares, ursprünglicheres Produkt mit beispielsweise normalem Zucker- oder Fettgehalt. Zumal: Geht es bei „Light“ um zuckerreduziert oder gar zuckerfrei, dann wird auf chemische Zutaten gesetzt, die nicht wirklich gesund sind.

Eine große französische Studie mit 120.000 Probanden ergab, dass es keinerlei Zusammenhang zwischen Light-Produkten und Gewichtsreduktion gebe und eine weitere große Studie belegte, dass die verstärkte Verwendung von Süßstoffen insbesondere bei Frauen das Risiko, an Diabetes zu erkranken, stark erhöhte.

Wer vermehrt auf Light-Produkte setzt, riskiert zudem Heißhungerattacken.

Fazit: Ernährungsmythen oder Gesundheitsmythen halten sich teils hartnäckig. Gerne halten sie sich, Beispiel Spinat, um etwa den Nachwuchs mehr oder minder von gesunden Lebensmitteln zu überzeugen. Oder aber, nimmt man das Beispiel Light-Produkte, sind es Gesundheitsversprechen, die geschickt von der Lebensmittelindustrie vermarktet werden.

Dagegen spricht nichts gegen eine ausgewogene Ernährung, um die Gesundheit zu fördern. Kleine gelegentliche Sünden kann man da ohne schlechtes Gewissen verschmerzen.

Hinweis: Dieser Artikel enthält allgemeine Hinweise zu Ernährungsmythen und Gesundheitsmythen und spiegelt die heutigen Erkenntnisse dar. Er dient nicht der Selbstdiagnose oder -behandlung und kann im nötigen Fall keinen Arztbesuch ersetzen.

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