Berufsunfähigkeit: Warum wir die Gefahr unbedingt absichern sollten

Die Berufsunfähigkeitsversicherung, kurz BU, ist eine der wichtigsten Versicherungen überhaupt. Leider hat sie nur jeder 4, aber jeder 4. wird auch berufsunfähig.

Die Berufsunfähigkeitsversicherung, kurz BU, ist eine der wichtigsten Versicherungen überhaupt. Leider hat sie nur jeder 4, aber jeder 4. wird auch berufsunfähig. Dabei nehmen psychische Erkrankungen wie Burn-Out stark zu. Alles was man wissen muss zu einer der wichtigsten Versicherungen überhaupt. Foto: Fot: © karmasigns – fotolia.com

Eine Berufsunfähigkeitsversicherung zählt zu den wichtigsten Versicherungen, die jeder haben sollte, denn immerhin wird jeder 4. Arbeitnehmer vor Beginn seiner Rente arbeitsunfähig. Mit steigendem Renteneintritt wird das sicher noch mehr. Doch leider hat nur jeder 4. Deutsche eine Berufsunfähigkeitsversicherung. Und das kann existenzbedrohend werden. Ein Ratgeber.

Der Rücken macht nicht mehr mit, ein plötzlicher Unfall, Herzerkrankungen oder die immer häufiger werdenden psychischen Erkrankungen wie Burn-Out – es gibt zahlreiche Gründe, durch die man im (Berufs-)Leben irgendwann berufsunfähig werden kann. Nervenkrankheiten rangieren übrigens an Platz 1 der BU-Fälle. Und mit dem steigenden Renteneintrittsalter werden die Zahlen der Berufsunfähigen eher steigen, als sinken. Im Fall der Fälle ist dann eine Berufsunfähigkeitsversicherung, kurz BU, das A und O.

BU, weil Erwerbsminderungsrente nicht ausreicht

Viele Menschen unterschätzen das in ach so weiter Ferne liegende Risiko, sich irgendwann nicht mehr durch seinen Job versorgen zu können. Kommen dann noch Familie, gar die finanzierte Wohnung oder das Haus mit den monatlichen Raten hinzu, kann es finanziell schnell zum Desaster werden, ist keine absichernde Berufsunfähigkeitsversicherung vorhanden. Zumal es vom Staat bis zum Eintritt des Rentenalters nur eine vergleichbar geringe Erwerbsminderungsrente in Höhe eines „Taschengelds“ gibt. So werden etwa 1/3 des letzten Bruttogehaltes, immer abhängig von den Jahren der Berufstätigkeit und die man bereits in die Rentenkasse einzahlte. (Alle Fragen zur Erwerbsminderungsrente beantwortet eine Übersicht der Deutsche Rentenversicherung.)

Selbst wer aus gesundheitlichen Gründen irgendwann dann doch noch ein paar Stunden am Tag arbeiten könnte, ist mit dieser wichtigen Absicherung auf der sicheren Seite, wenn die Absicherung für den Fall der Berufsunfähigkeit ausreichend ist (siehe weiter unten). Abhängig von den Versicherungsbedingungen, zahlen die Versicherer ab über 50 % eingeschränkter Arbeitsleistung, also bei der sogenannten Erwerbsminderung. Sprich: Kann man weniger als die Hälfte der vorherigen Durchschnittsarbeitszeit in Zukunft arbeiten – zeitweise Kurzarbeit zählt hier nicht –, dann springt die BU mit der vereinbarten monatlichen Summe bis zum Rentenalter ein.

Wann einsteigen und wie hoch sollte eine BU sein?

Je früher, desto besser. Das sagen nicht nur die verkaufstüchtigen Versicherungsfachleute. Tatsächlich, so rät auch die Verbraucherzentrale, ist es in mehrerlei Hinsicht günstig, möglichst früh im Berufsleben eine BU abzuschließen. Das hat 2 entscheidende Vorteile: 1. sind die monatlichen Raten wesentlich günstiger als Jahre oder gar Jahrzehnte später abgeschlossen, und, 2. sind in jüngeren Jahren selten gesundheitliche Einschränkungen vorhanden. Diese sind aber nicht unwahrscheinlich, dass sie irgendwann kommen. Daher, im fortgeschrittenen Alter, jenseits der 40 oder gar 50, sind die monatlichen Versicherungsbeträge erheblich höher. Und gibt es bereits gesundheitliche Einschränkungen vorhanden, werden diese ausgeschlossen bei der Versicherung, die monatlichen Beiträge steigen exorbitant oder der Antragssteller wird gar abgelehnt.

Generell gilt bei der BU: Je früher man einsteigt, desto besser. Tipp: In jungen Jahren vielleicht eine monatliche Steigerung von beispielsweise 3 % vertraglich festlegen. So steigen die Bezüge in der Zukunft mit dem fortschreitenden Alter.

BU und gesundheitliche Einschränkungen

Angegeben werden mögliche gesundheitliche Einschränkungen in einem Fragebogen. Wird dieser nicht korrekt ausgefüllt, mögliche Erkrankungen zum Zeitpunkt des Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung verschwiegen, dann kann das später erhebliche Probleme mit deren Fälligkeit geben. Nicht selten werden Zahlungen verweigert. Tipp: Nicht schnell den Fragebogen mit dem Versicherungsmakler ausfüllen, sondern ernsthaft über eventuelle Erkrankungen der Vergangenheit Gedanken machen. So könnten alte Sportverletzungen durchaus ein Ausschlusskriterium sein, wurden diese alten Verletzungen allerdings ein paar Jahre nicht mehr behandelt, dann besteht Hoffnung. Verschwiegen werden sollten sie im Zweifelsfall nicht.

Berufsunfähigkeitsversicherung und der Beruf

Die Versicherungsanbieter stufen ihr Risiko nicht nur nach dem Alter, sondern auch nach Berufsgruppe ein, zu der Sie zugeordnet werden. So wird der übliche Schreibtischarbeiter eine weitaus geringere monatliche Belastung haben, wie beispielsweise ein Dachdecker. Das wirkt sich teils erheblich auf die monatlichen Versicherungsbeiträge aus.

Die meisten Versicherer stufen den zu Versicherten in eine von 6 Kategorien ein, je nach statistisch ermitteltem Berufsunfähigkeitsrisiko. Manche Versicherung hat aber auch lediglich drei, andere mehr Kategorien, in die bestimmte Berufe eingeordnet werden. Alleine dies kann den dringend angeratenen Vergleich der verschiedenen Angebote erheblich erschweren.

Berufsunfähigkeitsversicherungen: Angebote vergleichen wichtig

So etwa 100 Anbieter gibt es auf dem deutschen Markt und ihre Angebote, vor allem aber die Prämien und späteren Leistungen können sich erheblich unterscheiden. Sich hier von mehreren Anbietern mal ein Angebot machen zu lassen ist lästig und zeitraubend, aber mehr als sinnvoll.

So hatte ich beispielsweise mehrere Angebote für eine Berufsunfähigkeitsversicherung eingeholt, damals, noch in der Ausbildung. Die Prämien waren teilweise doppelt so hoch, dabei leistete die günstigste Versicherung mehr als die anderen.

Auf ein ähnliches Ergebnis kommt die Verbraucherzentrale. Sie ermittelte für einen 30-Jährigen, der sich mit 1.000 Euro monatlicher BU absichern will, Jahresbeiträge zwischen 400 und bis zu 1.300 Euro Jahresbeiträge. Und die Stiftung Warentest hat vor nicht allzu langer Zeit 70 Policen unter die Lupe genommen.

Versichert, aber Versicherung zahlt nicht?

Laut Statistik des Gesamtverbands der Deutschen Versicherer wurden im Jahre 2014  mehr als 40.200 Anträge auf die Zahlung einer Berufsunfähigkeitsrente gestellt. 77 % der Anträge wurden anfänglich genehmigt. Das heißt aber auch, dass jeder 4. zumindest anfänglich leer ausgeht. Wie krank diejenigen wirklich waren, hierüber gibt es keine Zahlen. Aber laut einem Spiegel-Artikel könnte dies durchaus Programm haben. So gäbe es Versicherer, die in 9 von 10 Antragsfällen die Rente auszahlen, dagegen auch welche, die lediglich in 4 von 10 Fällen Leistungen stattgeben. Im obigen Link sind Versicherungen genannt und die prozentualen Zahlen, wie oft sie einem Antrag stattgeben.

Im Zweifelsfall hilft nur eines: Anwaltlich vorgehen. Mittlerweile ist hier der Markt so groß, dass es hierfür spezialisierte Fachanwälte gibt. Nichtsdestotrotz: Eine Berufsunfähigkeitsversicherung ist eine der wichtigsten Versicherungen überhaupt. 9,6 % der bewilligten Renten gehen übrigens an Versicherungsnehmer nach einem unerwarteten Unfall. Gegen einen solchen können sich übrigens Menschen jenseits der 50 auch noch vergleichsweise günstig absichern.

Eine sinnvolle Ergänzung zur BU ist übrigens eine Risikolebensversicherung.

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