ETF-Sparen: Der erfolgreiche Königsweg für Altersvorsorge und Geldanlage?

ETF-Sparen: Der erfolgreiche Königsweg für Altersvorsorge und Geldanlage?

Lebensversicherungen oder private Rentenversicherungen sind auf Sinkflug und so mancher, der sie als Altersabsicherung abgeschlossen hat, ist besorgt. Zurecht, sagt auch die Stiftung Warentest oder Verbraucherzentralen. ETFs, die Lösung? Foto: Pixabay.com/PIX1861

ETFs werden als Anlageprodukt immer beliebter. Wer in den letzten 20 Jahren darauf setzte, profitierte von einer jährlichen Rendite von 10 Prozent und mehr. Das macht sie in Zeiten vom Dauerzinstief attraktiv. ETFs sind zudem beliebt, da sie transparent, kostengünstig und leicht auch für den Laien handelbar sind. Heute bezeichnen viele Fachleute einen ETF-Sparplan als die bessere Alternative zum Fondsparplan, etwa für die Altersvorsorge. Ein Überblick.

Im Folgenden soll eine interessante wie boomende Anlageform auch für Anfänger verständlich erklärt werden. Warum? Weil sich Lebensversicherungen und in aller Regel fondgebundenen Rentenversicherungen nicht mehr oder kaum noch rentieren. Die früher versprochenen Gewinne kann der Anleger damit nicht mehr erzielen. Im schlimmsten Fall drohen sogar Verluste und all jene, die mit Investmentfonds in der privaten Altersvorsorge darauf vertrauten, für das Alter vorzusorgen, schauen weniger optimistisch in die Zukunft, da sie sich seit Jahren nicht mehr rechnen.

Immerhin: In ETF-Fonds sind weltweit derzeit 5 Billionen US-Dollar investiert, Tendenz steigend. Kein Wunder, denn diese Indexfonds sind transparent und kostengünstig ohne das Risiko der Anlage in ein Einzelunternehmen oder einen gemanagten Fonds. Und die meisten hiervon eignen sich für einen Sparplan beziehungsweise sind hierfür freigegeben.

Gleich vorab: Die Stiftung Warentest hat ETF als „Königsweg des Fondsparens“ eingestuft.

Lebensversicherungen und fondgebundene Rentenversicherungen waren gestern?

Noch vor ein paar Jahren hatte praktisch jeder, der für das Alter vorsorgen wollte, mindestens eine (Kapital-)Lebensversicherung abgeschlossen. Die Versicherer lockten mit teils hohen Garantiezinsen und nicht wenige profitierten von einer lukrativen Überschussbeteiligung, die viele Versicherungsanbieter.

Das sieht nun anders aus, denn Lebensversicherungen dienen allenfalls noch der Absicherung der Angehörigen. Aktuell im Branchenschnitt mit 0,9 Prozent Verzinsung für die Altersvorsorge keine gute Idee mehr, zumal Provisionen, Gebühren und so weiter auch noch abgezogen werden. Bei der Allianz erhält der Versicherte sogar und lediglich noch eine Beitragsgarantie von 90, 80 oder gar nur 60 Prozent der eingezahlten Beträge am Ende der Laufzeit. Unter dem Kopfkissen läge da das Geld noch besser, schreibt die Verbraucherzentrale Hamburg (vzhh). Aber selbst das ist untertrieben. Sowohl von der klassischen Kapitallebensversicherung als auch der fondgebundenen Lebensversicherung und leider auch der privaten Rentenversicherung raten die Verbraucherschützer ab.

Zur privaten Rentenversicherung

Wer letztere in seinem Altersvorsorge-Portfolio hat, ob als Zusatz oder als hauptsächliche Absicherung fürs Alter, sieht im jährlichen Bericht der Versicherung, dass diese in den allermeisten Fällen allenfalls noch ein kleines Plus macht, wenn überhaupt. Dies liegt an den hohen Gebühren und der schlechten Verzinsung am Markt. Mehr noch bei der überwiegenden Zahl der als sicher eingestuften Investmentfonds, sofern die Rentenversicherung hierauf aufbaut.

  • Hintergrund: Oft legen die Anbieter das einbezahlte Geld in Garantie- und Wertsicherungsfonds an. Das sind Fonds mit wenig (kalkulierten) Risiken und, ehemals, moderaten Renditen, die stets reinvestiert werden. Nicht wenige hiervon, schaut man sich die Performance der gängigen Investmentsfonds an, sind beispielsweise vor 10 Jahren noch gut dagestanden, setzten teils aber bereits zu diesem Zeitpunkt kaum noch zu. Manche performen jährlich im niedrigen einstelligen Bereich oder machen gar moderate Verluste. Ein Problem, welches beispielhaft die Allianz für sich (und ihren eigenen Gewinn) erkannt hat. Mit für den Kunden schlechtem Ergebnis.
  • Tipp: Haben Sie auch eine fondgebundene Rentenversicherung, die keinen Ertrag über Jahre abwirft? Dann sprechen Sie mit ihrem Versicherungsmakler und fragen ihn nach anderen Fonds, mit denen das Unternehmen arbeitet. Es gibt da nämlich auch Fonds, die anstatt (Beispiel) 11,25 150 % auf die Vergleichsgröße 10 Jahre erwirtschaften. Diese werden allerdings oft als risikoreich eingestuft. Doch letztlich ist alles an der Börse Gehandelte einem gewissen Risiko unterlegen.
  • Besser fahren heute Anleger mit Aktienfonds, hier speziell: ETFs, am sichersten aus dem Bereich MSCI World Aktienindex. Natürlich sind DAX-ETFs genauso eine Alternative.

Was ist der Weltaktienindex MSCI World?

Im Gegensatz zum DAX, Deutschen Aktienindex, der die wichtigsten deutschen Unternehmen abbildet, zeigt der dem Weltaktienindex MSCI World die Wertentwicklung von mehr als 1.500 Unternehmen auf der Welt und den 23 wichtigsten Industriestaaten in einem ab. Damit ist es der am breitesten aufgestellte Aktienindex überhaupt. Zwar beherrschen mit etwa 60 Prozent US-Unternehmen, vornehmlich IT-Firmen, diesen Aktienindex – Beispiele sind: Apple, Facebook, Amazon, Alphabet oder Facebook – aber praktisch alle Wirtschaftsbereiche werden ebenso abgedeckt. Der Aktienindex listet so gleichsam Unternehmen aus Singapur, Japan, Großbritannien, Belgien, Irland, Frankreich und Deutschland.

Im Idealfall bildet ein MSCI World-Index den Weltaktiendindex 1:1 ab. Seine Entwicklung, in den letzten Jahrzehnten immer positiv, das ist das, wovon der Anleger profitiert.

Vielfalt der ETFs

Es gibt auch andere, mehr oder minder spezialisierte ETFs, die auch, aber nicht unbedingt aus dem MSCI World stammen, und beispielsweise bestimmte Werte abbilden. Es gibt an deutschen Unternehmen orientierte ETFs (Beispiel: Tech-Unternehmen) Europa-ETFs, in denen auf europäische Unternehmen der verschiedenen Branchen gesetzt wird, usw. Und die Zahl derer wächst. Was eben auch Chancen bietet, in renditestarke Produkte zu investieren.

Beliebt sind hier neuerdings grüne oder nachhaltige ETFs, denen beispielsweise erneuerbare Energien und/oder auch ethische Standards wichtig sind, die etwa Kinderarbeit oder Waffenproduktion als Tabu ansehen. Der Bereich der nachhaltigen ETF deckt heutzutage

Wer kann wie investieren?

ETF-Sparen: Der erfolgreiche Königsweg für Altersvorsorge und Geldanlage?

Sein Geld in ETFs anzulegen ist wirklich nicht schwer und geschieht meist bankenunabhängig üder neutrale Händler. Foto: Pixabay.com/MayoFi

Im Gegensatz also zum Dax streut der MSCI World Index nicht nur über Firmen, sondern auch über Länder, dadurch, einer seiner großen Vorteile, war er in den vergangenen zwei Jahrzehnten weniger von Marktschwankungen betroffen, was im Schnitt eine jährliche Rendite von den genannten zehn Prozent ergab Es gibt verschiedene, unterschiedlich ausgerichtete ETF-Fonds, die sich am MSCI World Index orientieren.

  • Gut zu wissen: Was für die Vergangenheit galt, muss nicht unbedingt auch und langfristig für die Zukunft gelten. Käme es zu globalen, massiven negativen Auswirkungen an den Börsen, dann ist auch der MSCI World-Index davon betroffen. Das zeigte etwa der Beginn der Corona-Pandemie. Wie der Wertpapierhandel an praktisch allen Börsen, so gingen auch die ETFs ein stückweit und nicht zu knapp nach unten. Wobei die Verluste schnell wieder ausgeglichen waren, eben mit dem Boom an den Börsen. Völlig risikolos sind diese börsennotierten Anlagen in Indizes damit nicht. Aber: Sie bieten vergleichsweise sehr gute Anlagechancen.

Und hieran können Anleger teilhaben. Natürlich nicht, indem er oder sie sich von jedem gelisteten Unternehmen eine Aktie kauft, sondern in einem sogenannten börsengehandelten Indexfonds, einem ETF (Exchange Traded Funds).

„ETFs ermöglichen es Ihnen, mit einem Wertpapier kostengünstig in ganze Märkte zu investieren. Neben Aktien können Sie mit ETFs auch in viele andere Anlageklassen investieren. Aufgrund dieser Vielfalt sind ETFs perfekte Bausteine für die private Geldanlage. ETFs bilden einfach eins zu eins einen Marktindex nach und können – wie eine Aktie – jederzeit an der Börse gehandelt werden“, erklärt das Fachportal justetf.com die Anlageform.

Zwei Beispiele für erfolgreiche ETF-Anlagen

Die Abbildung des MSCI-Weltindex in einem ETF-Fonds ist wie erwähnt im Idealfall 1:1 abgebildet. Von vielen wie Finanzen.net daher einer der Favoriten ist der iShares Core MSCI World UCITS ETF. Dieser ETF wurde 2009 aufgelegt und beteiligt sich mit einem Fondvermögen an unzähligen Unternehmen wie Vorgenannte. Rendite seit Auflage: 211 Prozent (Stand Jan. 2021).

Jeder redet vom Klima, der Umwelt, dem Artensterben und dass sich hier einfach etwas tun muss. E-und nachhaltige Mobilität, umweltfreundlichere Stromversorgung, allgemein der Klimaschutz – „Öko“ ist einfach „in“. Und das ist richtig und wichtig und es wird sich mittelfristig hier einiges ändern. Diesem Trend folgt der Global Clean Energy UCITS ETF, ebenfalls von iShares. Dieser ETF ist einer von zahlreichen grünen oder nachhaltigen Indexfonds, der insbesondere auf saubere Energie setzt. Es gibt zwar noch bessere ETFs die höhere Renditen erwirtschaften, doch nicht alle bieten einen Sparplan für eine kontinuierliche Geldanlage an, sondern „nur“ Einlagen. Noch von 2016 bis 2018 dümpelte dieser Indexfonds vor sich hin. Doch ab 2018, mit zunehmenden globalen Forderungen nach nachhaltiger Energie stieg der ETF in nur 3 Jahren um 218 Prozent (47 % p.a.).

  • Es gibt Indexfonds, welche Dividende ausschütten und jene, die Gewinne wieder in den Sparplan investieren, sogenannte thesaurierende ETFs. Letzteres ist die günstigste Anlage oder Altersvorsorge.

Wer auf sein Sparvermögen oder auf seine Investmentfonds im Rentenportfolio schaut, weiß, wie gut diese Entwicklung ist.

„Passiver“ ETF vs. aktiv gemanagter Fond

Notiz: Im Gegensatz zum passiven ETF steht der aktive gemanagte Fond. Hier sitzen Spezialisten, die sich immer genau die Unternehmen für ihren Fond herauspicken, die sie am profitabelsten halten. Wohingegen der börsennotierte Index ETF die Entwicklung passiv verfolgt. Das hat Vor- und Nachteile, wobei die Kosten für aktiv gemanagte Fonds deutlich höher sind. Beispiel:

ETF                                                                                                                gemanagter Fond

Ausgabeaufschlag: Meist 0 %                                                                           5 – 7 %

Verwaltungsgebühr/a:

Im Schnitt 0,4 %                                                                                          im Schnitt 0,7 %

Performance Fee bei Top-Leistung:

Keine                                                                                                 variabel/mehrere Prozent

Diese Kosten muss ein gemanagter Fond erst Mal erwirtschaften. Laut dem Finanzdienstleister Scalable Capital blieben in den letzten Jahren die aktiven Fonds hinter den ETFs.

Eine Studie der Ratingagentur Morningstar ergab: Allenfalls 10 Prozent der aktiv gemanagten Fonds weltweit erzielen nach Abzug der Kosten bessere Renditen als die am Weltleitindex orientierten Indexfonds. Das heißt auch: 90 Prozent performen schlechter. Trotz des höheren Aufwandes.

Wie funktioniert die Anlage in ein oder mehrere ETF?

ETF-Sparen: Der erfolgreiche Königsweg für Altersvorsorge und Geldanlage?

Vor der Auswahl heißt es Einmalbeträge und Sparplanumfang genau festzulegen und sich die ETFs genau anzuschauen. Foto: Pixabay.com/ds_30

In Indexfonds kann jeder mit Einmalbeträgen Geld anlegen oder, sofern angeboten (die meisten bieten das), einen monatlichen Sparplan festlegen.

Hierzu ist ein kostengünstiges Wertpapierdepot nötig. Meist sind diese kostenlos oder mit nur geringen Kosten schnell eröffnet. Viele sogenannten Neo-Broker-Firmen bieten so eine Möglichkeit. Banken bieten den ETF-Handel zwar auch an, doch der Privatinvestor kann auch völlig unabhängig von Banken handeln, eben über einen Neo-Broker. Mittlerwiele gibt es sogar App-Anbieter wie Oskar. Über solche Angebote kann ein User ein Portfolio anlegen, das er selbst ganz einfach über die App pflegt.

Kaufen oder verkaufen ist jederzeit möglich, auch hier, oft ohne Gebühren oder zum Beispiel mit fixen 0.99 Euro pro Transaktion. Da aber der Indexfond eher selten als kurzfristige Anlage genutzt wird, ist hier längst nicht so viel Bewegung (nötig) wie beim Aktienhandel. Wobei die kurzfristige Anlage von vorhandenen Geldbeträgen (Erbe, Tantiemen, Weihnachtsgeld, usw.), etwa für die Weltreise in ein paar Jahren oder den Autokauf in absehbarer Zeit durchaus attraktiv sein kann bei genannten Renditen.

Jeder Sparer kann jederzeit Indexfonds austauschen oder hinzunehmen, kann lediglich einen oder mehrere wählen, auch nach Risiko oder eigenen Interessen. Fachleute raten immer einen der Welt-Indexfonds als Basis nach der Gewichtung 30, 50 oder 70 Prozent zu wählen. Drumherum kann man auf andere ETFs setzen.

Beispiel:

  • 50 % in einen MSCI World Index
  • 30 % in Grüne Energien-ETF
  • 20 in ein deutsches Tech-ETF

Es gibt unzählige Kombinationsmöglichkeiten. Auch in Sachen Risiko. Wer auf den Weltindex setzt, geht das geringste Risiko ein.

Übrigens: Nach wie vor ist es üblich für Kinder zu sparen. War es früher das attraktive Sparbuch, etwa für den Führerschein, so sind heute Indexfonds eine interessante Alternative.

Podcast nachhaltige ETFs

Manuela von Ditfurth, Portfolio-Managerin von einem der weltweit größten ETF-Anbietern, Invesco, erklärt im Podcast was genau nachhaltige ETF – sie machen immerhin 10 Prozent des aktuell in ETFs investiertes Geld aus, Tendenz steigend – sind und was sie ausmachen. Zumal man eines wissen sollte: Steigen die Bemühungen in Sachen Klimaschutz, was definitiv die nächsten Jahre, vielleicht Generationen der Fall sein wird, sind nachhaltige ETFs und jene Unternehmen, die in diesen aufgenommen sind, gefragt.

Fazit

Lebensversicherungen, viele Investmentfonds in fondsgebundenen Rentenversicherungen liefern nicht mehr das, für die man sie einst lobte: Rendite und Sicherheit fürs Alter. Die börsennotierten Indexfonds versprechen da mehr. Weitaus mehr. Ein Wechsel von der alten fondgebundenen, freiwilligen Rentenversicherung auf das neue Anlageobjekt ist übrigens recht einfach möglich. Alte Verträge kündigen, Restwert in ETFs anlegen und dort neuen Sparplan festlegen. Wahlweise und um Verluste zu minimieren, alte Anlagen stilllegen. Die Chance auf eine bessere Altersrente sind so größer als mit dem Investmentfonds-System.

Weiterführende Links zum Thema ETF

ETF-Lexikon

justetf.com hat einen aktuellen (Januar 2021) Überblick mit Ranking zu Anbietern von ETF-Sparplänen

Hier geht es zu den von Finanzen.net empfohlenen MSCI World-ETFs

Und justetf.com listet die 50 aktuell besten Indizes auf. Das Gute an solchen Seiten: Man kann nach eigenen Kriterien suchen und die Performance über Monate, besser Jahre vergleichen.

Das folgende Video-Seminar erklärt Indexfonds im Detail für Anfänger.

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