Glyphosat: Der Unkrautvernichter, der unsere Gesundheit gefährdet

Glyphosat: Schädlichkeit laut Studien bewiesen und in Bier, Brot, Nudeln und Hülsenfrüchten

Glyphosat im Bier, im Brot, Nudeln, Mehl und Hülsenfrüchten – was es bewirkt, warum es als krebserregend gilt und im Urin oder der Muttermilch zu finden ist. Foto: © Dusan Kostic – Fotolia.com

Glyphosat ist nicht nur im Bier, sondern auch anderen Getreideprodukten nachzuweisen. Und dies scheinbar nicht zu knapp. Nahezu alle Getreideprodukte enthalten den Unkrautvernichter, der weltweit am meisten gesprüht wird. Warum er selbst kurz vor der Ernte auf den Acker kommt, wo Glyphosat überall enthalten ist und was das für unsere Gesundheit bedeutet. Ein Überblick.

Einfach gesagt, macht Glyphosat alles platt, was man, neben dem Getreide, nicht auf seinem Acker haben will. Übrigens auch im Garten oder am Gehweg, denn Glyphosat ist in Baumarktprodukten wie RoundUp enthalten.

Glyphosat ist der auf der Welt am meisten genutzte Unkrautvernichter, der seit den 1970er Jahren zum Einsatz kommt. In Deutschland wurde hiervon alleine 2012 annähernd 6.000 Tonnen verkauft. Die überwiegende Menge wird von dem weniger beliebten Saatgut- und Chemiekonzern Monsanto hergestellt. Dieser war so clever, im Profianbau genutztes Saatgut gentechnisch so zu verändern, dass die daraus entstehenden Pflanzen resistent gegen das zerstörerische Gift sind. So kann der Bauer wie folgt vorgehen: Säen, wässern, Glyphosat sprühen – nicht nur einmal – und sich trotzdem über eine große Ernte auf den stets in der Größe wachsenden Feldern erfreuen.

Heute ist es wohl so, dass der Agrarkonzern 80 Prozent des gentechnisch veränderten Saatgutes auf der Welt verkauft. Zudem, was man als recht clever bezeichnen kann, liefert er gleichzeitig das passende Gift mit, also den Unkrautvernichter Glyphosat. Auch hier ist er der weltgrößte Hersteller.

Nun wird wohl seit Jahrzehnten diskutiert, wie schädlich Glyphosat ist. Doch, selbst wenn die Weltgesundheitsorganisation WHO sagt: Glyphosat ist schädlich laut unserer Studie für den Menschen und „wahrscheinlich krebserregend“, so verhindert dies erst einmal nicht, dass das Gift weiter und mit weltweit steigender Tendenz weiterversprüht werden darf.

Jetzt ist der Aufschrei in Deutschland auf einmal dennoch groß: Bier, das frühere Grundnahrungsmittel der Mönche – heute noch teilweise in Bayern – und das Lebensmittel mit dem 500-jährigen Reinheitsgebot enthält Glyphosat? Ist giftig?! Mal abgesehen von der Tatsache, dass bis zu 66 Hilfsstoffe in dem Brauprozess verwendet werden dürfen, die trotzdem nicht auf der Flasche stehen müssen, ist das Bier lediglich eines von unzähligen Beispielen von Lebensmitteln, die Glyphosatreste, Spuren, wie man auch immer das nennen mag, enthalten.

Glyphosat Fakten & Studien legen Schädlichkeit nahe

Strenggenommen müsste man keine Studie darüber machen, ob Glyphosat schädlich ist oder nicht. Und dass es das ist, legt vielleicht auch die deutsche Trinkwasserverordnung nahe, die fordert, dass nicht mehr als 0,1 Mikrogramm des Pflanzengiftes im Liter Trinkwasser sein darf.

Jetzt wogen die Wellen hoch, Glyphosat im Bier, bis weit über 200 Mikrogramm pro Liter. „Glyphosat nicht schädlich“ wird hier gleich abgewunken. Man müsse 1.000 Liter am Tag trinken, dass die Menge schädlich ist. Dann wäre man nicht nur bereits längst am Alkoholpegel, sondern auch an der Flüssigkeitsmenge gestorben… So die derzeitige Abwiegelungsargumente in Sachen Glyphosat und Schädlichkeit.

Okay, warum sagt dann die Weltgesundheitsorganisation, Glyphosat ist „wahrscheinlich krebserregend“, und, wenn das gesagt wird, warum wird es nicht einfach verboten?

Schaut man bei diversen Gesundheits- und Umweltschutzorganisation wie dem BUND vorbei, dann findet man geschmacklose Fakten zu Glyphosat, Schädlichkeit, Studien und Nachweisen. Kurz aufgelistet:

  • Glyphosatnachweis in Brot & Brötchen, andere Backwaren und Müsli, Hülsenfrüchte und Nudeln; ¾ der in einer Ökotest untersuchten Probe enthielten Glyphosat, 3 von 4 Mehlen, 8 von 10 Körnerbrötchen
  • Laut Bundesamt für Risikobewertung (BfR) können auch geringe Spuren von Glyphosat in Milch und Milchprodukten enthalten sein
  • Bei einer Studie vom BUND wurden bei 70 % der deutschen Probanden Glyphosat im Urin nachgewiesen
  • Eine Zufallsstudie mit 11 Menschen des Bayrischen Rundfunks ergab: 9 von 11 Menschen hatten Glyphosat im Urin
  • Glyphosat wurde auch in Muttermilch nachgewiesen (Im Auftrag Bündnis90/die Grünen, 2015)
  • Im Tierversuch laut Global 2000 ist eine hormonelle Wirkung nachgewiesen; Helmut Burtscher, Umweltchemiker von GLOBAL 2000: Kleinste Dosierungen hormonell wirksamer Substanzen stellen ein gesundheitliches Risiko dar.
  • Mehrere Studien legen nahe, dass Glyphosat die embryonale Entwicklung stört.
  • Es gibt ausländische Studien, die nahelegen, dass Glyphosat und generell Pestizide in Lebensmittel Brustkrebs auslösen
  • 1999 lag der Grenzwert bei Weizen bei 5 mg/Kg, heute liegt er bei 10 mg/Kg. Da stellt sich die Frage: Warum wurde dieser angehoben?
  • Gängige Praxis: eine Woche vor der Ernte dürfen Landwirte so viel Glyphosat sprühen, dass die Pflanzen absterben. Grund der Maßnahme: Dies erleichtert die Ernte.

In einem Beitrag des Bayrischen Rundfunks sagt Wolfgang Hoppe, Medizinisches Labor Bremen: „Es gibt neue Studien, die deutliche Hinweise darauf geben, dass Glyphosat zellschädigend ist, dass Keimzellen geschädigt werden können, und dass Glyphosat Krebs auslösen kann.“ Und weiter sagt er: „Im Durchschnitt sind die Werte niedrig, erscheinen erstmal unbedenklich. Falls sich herausstellt, dass Glyphosat krebserzeugend wirkt, dann sind die Werte schon als bedenklich einzustufen.“

Glyphosat kann man demnach nur umgehen, indem man auf alles aus Getreide auf Bio-Produkte setzt. Nebenbei: Glyphosat ist nicht das einzige Gift in unseren Lebensmitteln. Oft sind Obst und Gemüse von Herbiziden, Pestiziden und Fungiziden belastet, die man weder abwaschen noch sonstwie beseitigen kann.

Wem jetzt noch nicht der Appetit vergangen ist, hier der ganze Beitrag des Bayrischen Rundfunks, über Glyphosat, Schädlichkeit, Studien und Fachmeinungen:

„Krebsgefahr: Wie gefährlich ist Glyphosat?“

„Ganz nebenbei“ wird Glyphosat als einer der vielen Gründe für das Bienensterben verantwortlich gemacht. Mehr hierzu lesen Sie bei der Albert Schweizer Stiftung.

Quellen: BUND.net, gesund.co.at, BfR, BR.de

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