Heimisches Superfood, das hält was es verspricht

Heimisches Superfood schlägt und ersetzt Chia Goji Acerola und Co

Nicht nur gesundheitsbewusste Konsumenten kaufen angesagtes Superfood. Dabei kann man sich die weitgereisten Exoten in aller Regel wirklich sparen. Zumal es hierzulande Wachsendes gibt, dass wahre Superkräfte hat. So wie die Walnuss, die sogar Effekte des Älterwerdens reduziert. Foto CCO/Pixabay.com(MonikaP

Chia, Goji, Moringa , Yacon und Co. – die Liste der angesagten Superfoods wächst stetig und die Gesundheitsversprechen zu den Lebensmitteln scheinen sich zu überschlagen. Dabei muss der Konsument gar nicht in die Ferne schauen, wenn er sich gesund ernähren möchte. Denn es gibt genügend Heimisches, das es als Superfood mit den teuer vermarkteten Produkten aufnehmen kann.

Gesunde Ernährung ist mehr denn je angesagt. Jene, die sich bewusst gesund ernähren möchten, sind oftmals begeistert von den neuen Produkten. Mehr oder minder wahre Werbeversprechen von den sogenannten neuen Superfoods werden begeistert angenommen. Sei das Superfood noch so teuer, es wird gekauft.

Doch es geht auch einfacher. Denn heimische Lebensmittel können mit dem hippen, meist weitgereisten Superfood durchaus mithalten.

Sauerkraut: So old-school, so gut

Während Kimchi, das fermentierte Gemüse aus Korea, seinen Siegeszug nicht nur unter deutschen Hipstern und Food-Bloggern stetig fortsetzt, spaltet das gute alte Sauerkraut die Gemüter. Altmodisch, mit fetten Speisen in Verbindung gebracht und überhaupt, „Bäh“, finden es viele Menschen. Dabei ist es nichts anderes.

Zu Omas Zeiten war das selbst haltbargemachte Sauerkraut ein wichtiger Vitaminspender. Doch nicht nur Vitamin-C liefert Grossmutters Superfood, sondern auch A- und B-Vitamine. Hinzu kommen noch zahlreiche Mineralien. Das hitzeempfindliche Vitamin C geht zwar beim Erwärmen teilweise verloren, bei kurzer Zubereitungszeit ist dennoch einiges enthalten.

Doch, der Clou kommt durch seine Art der traditionellen Haltbarmachung. Ist das Sauerkraut mittels Milchsäurevergärung haltbar gemacht – übrigens ganz einfach mit einem Gärtopf selbst herzustellen –, dann ist das Sauerkraut ein wahres Wundermittel für die Darmflora. Die enthaltenen Milchsäurebakterien dienen wie eine Frischekur für die mehr oder minder geschundenen Darmbakterien und wirken sich sogar nach Antibiotikaeinnahme sehr positiv auf die Erholung des Verdauungstraktes aus.

Leinsamen ist viel besser als sein Ruf

Leinsamen gegen Verstopfung oder zumindest für eine optimierte Verdauung, diesen wenig rühmlichen Ruf hat das heimische Samenkorn. Dabei kann der Samen des einst in ganz Europa angebauten Flachs weitaus mehr.

Alleine der hohe Anteil an gesunden Omega-3-Fettsäuren macht es zum wahren Superfood, das das Herz schützt und sich positiv auf die Cholesterinwerte auswirkt. Enthaltene Folsäure und Pantothensäure sind gut für strahlend-schöne Haare, gesunde Haut sowie feste Nägel und was Chiasamen-Käufer so schätzen, den Glibber um den Samen, kann Leinsamen auch bieten. Und dieser enthält bei dem heimischen Gewächs Lignane. Lignane sind sekundäre Pflanzenstoffe, die unseren Körper vor Krebs schützen sollen.

Tipp: Die volle Superfood-Power des Leinsamens sichert man sich nicht nur mit den Samenkörnern, sondern auch durch die Verwendung von Leinsamenöl. Es wird nur kalt, beispielsweise für das Müsli oder den Salat verwendet, und am besten im Kühlschrank aufbewahrt.

Bei Walnüssen und Mandeln zugreifen

Walnüsse sind die Leistungssportler in Sachen heimisches Superfood. Sie glänzen durch ein optimales Verhältnis an gesättigten und ungesättigten Fettsäuren, sind damit verantwortlich für zahlreiche positive Effekte auf unsere Gesundheit, etwa für den Schutz des Herz-Kreislaufsystems, da die Fette wieder die Cholesterinwerte positiv beeinflussn. Am hohen Fettgehalt muss sich keiner stören, eher im Gegenteil.

Weiterhin liefert das Superfood die Vitamine E und B, Zink, Magnesium, Kalium, Kalzium und Alpha-Linolensäure. Unter anderem Haut, Haare und Nägel profitieren von diesen gesunden Inhaltsstoffen. Zudem liefern Walnüsse eine Extraportion Polyphenole, besser bekannt als Gerbsäuren, welche wirkungsvoll vor freien Radikalen schützen. Polyphenole gibt es in geringerer Konzentration auch noch in grünem Tee, naturbelassenem Apfelsaft, Schokolade und Rotwein.

In einer Studie wurde zudem belegt, dass der regelmäßige Verzehr von ein paar Walnüssen unsere Sinne merklich schärft. Unser Gehirn ist deutlich aktiver und leistungsfähiger. Es ist sogar erwiesen, dass der enthaltene Wirkstoffmix das altersbedingte Nachlassen der geistigen Fähigkeiten merklich nach hinten verschiebt. Schließlich sind Walnüsse auch noch ein Appetithemmer und machen aufgrund eines hohen Serotoningehaltes sogar glücklich.

Ähnlich positiv ist der Verzehr von Mandeln. Auch Mandeln gelten als Superfood, da der enthaltene Fettsäuremix wiederum herzschützend wirkt. Der Genuss von Mandeln beeinflusst den Blutzuckerspiegel positiv und enthaltene Radikalenfänger stärken das Immunsystem, fördern eine gesunde Darmflora und sollen vor Krebs schützen.

Heimisches Obst und Gemüse anstatt Açai

Der südamerikanischen Açai-Beere werden wahre Wunder nachgesagt und Studien würden belegen, dass man mit ihr abnimmt und Diabetes in den Griff bekommt. Ein Ernährungsexperte bezweifelt indes die Wunderwirkung in einem Interview in der Apotheken Umschau. Der Abnehmeffekt wäre nicht am Menschen getestet und der positive Einfluss auf die Zuckerkrankheit wird auf den Gehalt von Anthocyanen zurückgeführt. Dieser Stoff, eine Antioxidanz mit gleichzeitig zellschützender Funktion, ist jedoch in jedem anderen dunklen Obst genauso enthalten, beispielsweise in Brombeeren oder Heidelbeeren. Zu einem besseren Preis-Leistungsverhältnis.

Wer seiner Gesundheit genauso viel Gutes tun möchte wie mit der Açai-Beere,  kann bewusst auf frisches Obst und Gemüse setzen. Denn dann erhalte man genauso die vermeintlich vielen Vitamine und Mineralstoffe, die die gar nicht so wundersame Frucht enthalten soll.

Apropos Vitamine. Da gibt es eine weitere Superbeere, die Acerola-Kirsche.

Viel Vitamin C: Acerola und Buschpflaume unschlagbar?

Heimisches Superfood schlägt und ersetzt Chia Goji Acerola und Co

Foto: CCO/Pixaby.com/stux

Vitamin C ist ja bekanntlich gesund und sollte jeder idealerweise jeden Tag ausreichend zu sich nehmen.. Es stärkt das Immunsystem und wirkt als Radikalenfänger, lässt uns besser Eisen aufnehmen und ist gut für das Bindegewebe.

Früchte, die besonders viel des Vitamins enthalten, lassen sich dementsprechend besonders gut vermarkten.

Ein besonderer Vertreter ist die Acerola-Kirsche. Gängiges Obst, wie die Klassiker Zitrone, Orange und Apfel würden ganz schön blass aussehen, wenn man sie mit der besonderen Frucht vergleicht. Schließlich enthält die aus Mittelamerika stammende Acerola-Kirsche ein Vielfaches an Vitamin C. Mindestens 1.700 Milligramm sollen 100 Gramm der Vitaminbombe enthalten, die man aufgrund ihrer kurzen Haltbarkeit hierzulande allerdings nur getrocknet, als Pulver oder Saft erhält.

Noch mehr Vitamin C enthalten die von Marketingfachleuten neuentdeckten Früchte des Camu-Camu-Strauches (2.000 mg) aus dem Amazonasgebiet und die australische Buschpflaume (3.000 mg). Leider kann unser Körper aber gar nicht so viel Vitamin C verarbeiten und bei etwa 100 Milligramm am Tag ist dann auch Schluss. Überschüsse werden ausgeschieden.

So kann der Vitamin-C-Suchende auf die Superfrüchte und nicht gerade günstige Produkte mit ihnen getrost verzichten. Es reicht völlig aus, wenn man genügend heimisches Obst und Gemüse in den Essensalltag integriert.

Wenn es schon die XXL-Packung an Vitamin C sein soll, dann greifen Sie doch lieber zu Vitaminbomben aus der heimischen Flora. So enthält die frische Hagebutte mehr als 1.200 mg Vitamin C, von dem getrocknet noch jede Menge enthalten ist. Zudem liefert die Scheinfrucht auch noch Flavonoide, Kalzium, B-Vitamine und Vitamin K. In der Heilpflanzenkunde wird das Superfood Hagebutte gerne bei Bronchitis oder Osteoporose eingesetzt und soll nach einem ungemütlichen Winter auch noch die Frühjahrsmüdigkeit vertreiben.

Wunderbarer Sanddorn

Ebenfalls sehr viel Vitamin C liefern mit etwa 200 bis 900 Milligramm – sortenabhängig –  die leuchtend-orangenen Früchte des Sanddorns. Nebenbei sind die Früchte ein weiteres Lebensmittel aus der Kategorie heimisches Superfood. Bereits im Mittelalter von Hildegard von Bingen angewandt, bietet Sanddorn weitere Vitamine wie E, K und Provitamin A, das als Schönheitsvitamin bekannt ist. Ja, praktisch alle Vitamine, die es gibt. Ungewöhnlich ist der hohe Gehalt an Vitamin B12, welches ansonsten praktisch nur tierische Lebensmittel liefern.

Zusammen mit enthaltenen, mehrfach ungesättigen Fettsäuren, Beta-Carotin und gesunden Gerbstoffen ist Sanddorn ein wahres Superfood.

Honig, das geheimnisvolle Superfood

Über 200 Inhaltsstoffe soll guter, unbehandelter Imkerhonig besitzen, die unter anderem entzündungshemmend – gut etwa bei Halsschmerzen, auf kleinen Wunden oder empfindlichen Lippen – und antibiotisch wirken, was an den enthaltenen Flavoniden liegen soll. Das Superfood Honig liefert auch Eisen und Mangan, was sich positiv auf die Blutbildung auswirkt, sowie Phosphor, ein Stoff, der beispielsweise beruhigend auf unsere angespannten Nerven auswirken soll. Schon täglich zwei Teelöffel hätten einen beruhigenden Effekt. Phosphor wirkt sich zudem positiv auf die Verdauung aus und ist ein wichtiger Baustein für den Zahn- und Knochenaufbau.

Selbst Pollenallergiker könnten mit regional gewonnenem Honig profitieren. Denn es besteht die Möglichkeit, dass der regelmäßige Genuss dieses Honigs wie eine Desensibilisierung wirkt und allergische Reaktionen spürbar lindert. Doch: Hier ist Vorsicht angesagt, denn es kann unter Umständen auch zu einer Überempflindlichkeitsreaktion kommen.

Getoppt wird die Wirkung des Honigs, wenn er mit Kurkuma und etwas frischem Pfeffer vermengt wird. Diese Kombination, Golden Honey genannt, soll ein sehr wirkungsvolles Mittel, etwa bei Erkältungen und Infekten sein. Zur Zubereitung: Einfach auf 100 ml Honig einen Teelöffel Kurkuma und etwas frisch gemahlenen Pfeffer geben. Bei den ersten Anzeichen mehrmals täglich einen Teelöffel voll auf der Zunge zergehen lassen. Mehr zu dem natürlichwirksamen Superfood und Wundermittel gibt es hier.

Haferflocken voller Power

Heimisches Superfood schlägt und ersetzt Chia Goji Acerola und Co

Volle Power in der Schale: Haferflocken und heimische Beeren, im Winter auch gerne aus der Tiefkühltruhe, mit jeder Menge gesunder Inhaltsstoffe. Foto: CCO/Pixabay.com/Pexels

Geht es um ihren Mehrwert für die Gesundheit, dann können die einfachen Haferflocken durchaus zu der Kategorie Superfood gezählt werden.

Haferflocken enthalten 15 Prozent Eiweiß, 10 Prozent Ballaststoffe und komplexe Kohlenhydrate. In Verbindung mit den Vitaminen B1 und B6 liefern sich dem Körper und dem Gehirn jede Menge Energie.

Sie sind bekannt für ihren guten Sättigungseffekt, der praktischerweise lange anhält und nebenbei Heißhungerattacken vermeidet. Zudem wirkt ihr Genuss bei leichten Magen-Darm-Beschwerden lindernd. Doch auch weitere Inhaltsstoffe machen die Haferflocke zum wertvollen Lebensmittel. So freut sich unser Körper, besonders unsere Haut, über den Gehalt des Hautvitamins E, über Zink, Eisen, Kalzium, Selen, Kupfer und Mangan.

Marketing und Superfood

Superfood aus fernen Ländern – immer mehr solcher Produkte werden von Marketingstrategen entdeckt und mit wahren Wunderwirkungen gepriesen. Ein weiteres Beispiel hierfür ist die Goji-Beere, auch Wolfberry genannt. Sie soll ein wahres Wundermittel für unsere Gesundheit und gegen das Altern sein. Wer die Werbung liest, meint, dass es nichts Besseres für das Immunsystem gäbe. Sie spende unglaublich viel Energie, schütze das Herz und überhaupt jede Zelle im Körper, bekämpfe Bluthochdruck und Schlafprobleme.

Für getrocknete Früchte enthält die Goji-Beere zwar vergleichsweise viel Vitamin C auf 100 Gramm (48 mg/100 g), doch frisches Obst und Gemüse übertreffen dies, noch dazu bei den entsprechenden Verzehrmengen. Auch ihr gelobter Gehalt an Zeaxanthin, ein Carotin, das in zahlreichen orangefarbenem Obst- und Gemüsesorten vorkommt, sowie an Kalzium (leider dann doch nur 1,5 x mehr als bei der gleichen Menge Milch) ist nicht gerade besonders.

Erwiesen ist dagegen, dass es einige Blutgerinnungsmedikamente unwirksam macht und die europäische Lebensmittelsicherheitsbehörde, kurz EFSA, konnte keine der mit Studien vermeintlich belegten Gesundheitseffekte der Beeren bestätigen.

Wie die Verbraucherzentrale schreibt, waren dagegen sieben von sieben gekauften Proben der Beeren dafür mit durchschnittlich zehn Pestiziden teils erheblich belastet. Auch solche, die als wilde Goji-Beeren (zwei Proben) deklariert wurden.

Werbeversprechen sind stets mit Vorsicht zu genießen. Im wahrsten Sinne des Wortes und gerade in Sachen Superfood. Gleich in welchem Alter, möglichst abwechslungsreich zu essen, macht das exotische Superfood völlig verzichtbar. Und hier noch Tipps, wie ganz alltägliche Lebensmittel das Immunsystem nicht nur im Herbst stärken: Mit diesen Lebensmitteln stärken wir unsere Abwehrkräfte. Knoblauch oder Zwiebeln sind hier genauso mit von der Partie wie Chilischoten.

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