Heizkosten sparen: Diese Maßnahmen helfen wirklich

Heizkosten sparen einfache MassnahmenGas, Öl, Fernwärme oder Strom, die Preise für Energie explodieren und insbesondere das Heizen wird deutlich teurer. Wieviel wir jetzt mehr zahlen werden, man ohne Komfortverluste die Heizkosten erstaunlich einfach reduzieren kann und was der Tausch einer in Deutschland oft veralteten Heiztechnik kostet und bringt.

So heizen die Deutschen

Annähernd drei Viertel der deutschen Haushalte heizen gemäß einer Studie des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) zufolge noch mit Gas oder Öl. So entfallen rund 48 Prozent auf Gas- und etwas über 25 Prozent auf Ölheizungen. Fernwärme ist in 14 Prozent der Haushalte erhältlich, 6 Prozent setzen laut einer weiteren Umfrage auf Holz oder Pellets und 5 Prozent auf eine Stromheizung. Lediglich etwa 6 Prozent setzen auf eine Solarthermie-Heizung oder eine Wärmepumpe.

Wobei es hier deutliche regionale Unterschiede gibt. So setzen Großstädte wie Hamburg und Berlin auf Fernwärme (>30 %) und auch die Bewohner ostdeutsche Bundesländer (ca. 30 %) heizen vermehrt mit Fernwärme. Dagegen werden die Haushalte in Niedersachsen zu über 60 Prozent mit Gas beheizt. Ein Umstand, der unter anderem an eigenen Gasvorkommen liegen könnte.

Das Problem alter Anlagen: Alleine der Umstieg auf Öl- oder Gaskessel mit sogenannter Brennwerttechnik, sofern noch nicht vorhanden, spart im Schnitt 10 bis 20 Prozent an Energiekosten. Im Einzelfall und mit steigendem Alter der vorhandenen Heiztechnik sogar noch mehr.

Großteil der Haushalte zahlt mehr

Vor allem die 73 Prozent an Öl- und Gasheizern bekommt dieses Jahr die deutliche Preiserhöhung im Vergleich zum Vorjahr zu spüren, denn die Preise für den Heizstoff zogen richtig schmerzlich an. Verstärkt wird die Kostensteigerung durch das Alter der Anlagen. So sind 30 Prozent der Anlagen zwischen 11 und 20 Jahren alt, 17 Prozent sogar älter.

Da Fernwärme oder der Strom für Wärmepumpen ebenfalls deutlich anzogen, zahlt praktisch jeder Haushalt mehr für eine warme Wohnung.

Energiepreise: Heizen wird deutlich teurer

Wie hoch steigen die Heizkosten im WInter

Die aktuellsten Vergleichszahlen und Prognosen stammen vom September 2021. Im Frühjahr 2022 sind sie durch die besonderen Umstände längst überholt. Foto: www.heizspiegel.de

(Anm. d. Red.: Die folgenden Zahlen sind Prognosen aus dem Herbst 2021. Die aktuellen Ereignisse werden die Kosten noch deutlich steigenlassen oder machen dies bereits. Aktuellere Überblicke sind noch nicht verfügbar.) Die gemeinnützige Beratungsgesellschaft CO2online hat im Herbst 2021 gerechnet, um die durchschnittlichen Preiserhöhungen der Energieträger zum Heizen zu ermitteln. Die Preise erhöhen sich laut Prognosen für diese Heizperiode zwischen 3 und 44 Prozent. So soll Fernwärme um 9 Prozent teurer werden. Für ein 70 m² Durchschnittswohnung seien das 78 Euro mehr und damit durchschnittlich 945 Euro im Jahr. Mit nur einem Prozent weniger, also einem Plus von 8 Prozent, würde die Wohnung mit einer Wärmepumpe aufgrund der gestiegenen Strompreise anwachsen; um knapp 51 Euro auf dann 780 Euro.

Gas steigt hier schon deutlicher mit erwarteten 13 Prozent. Die Musterwohnung würde dann anstatt für 775 Euro in 2020 für 868 Euro in 2021 beheizt. Am oberen Ende der Preisspirale steht Heizöl, das laut CO2online um 44 Prozent steigen könnte. Das würde die Heizkosten für die Musterwohnung im Jahre 2021 um 275 Euro auf 900 Euro erhöhen.

Aktuellere Zahlen vom März 2022 besagen, dass Gaspreise bis zu 84 und Öl, je nach Region, um 70 – 100 Prozent anzogen. Mit den entsprechend hohen Mehrkosten für Verbraucher. Wer noch Öl im Tank hat, hält sich laut Heizoel24.de  derzeit mit Käufen zurück. Allenfalls kleine Mengen werden abwartend gekauft.

Am günstigsten heizen die Besitzer eines Holz- und Pelletkessel. Pellets erleben eine durchschnittliche Preissteigerung von moderaten 3 Prozent, was durchschnittlich etwa 17 Euro im Jahr ausmachen würde. Anmerkung: Auch hier zogen die Preise Anfang 2022 deutlich und um bis zu 58 Prozent an. Allerdings sind die Wintermonaten stets schlecht für den Pelletkauf. Deutlich günstigere Preise sind für die Sommermonate zu erwarten. Üblicherweise reagiert der Preis für Pellets nicht mit Öl- und Gaspreiserhöhungen und ist eher stabil geblieben über die letzten 10 Jahre.

Im bundesweiten Schnitt haben die Klimaspezialisten im Herbst 2021 90 Euro pro Haushalt an Heizkostensteigerung errechnet. Im März 2022 sind diese Steigerungen um ein vielfaches höher. Selbst wenn die Energieträgerpreise nicht weiter steigen, so wird sich dies in den nächsten Jahren durch die allmählich steigende CO2-Abgabe steigen.

Heizkosten sparen mit einfachen Maßnahmen

Was ein Grad weniger Raumtemperatur an Heizkosten spart

Viele drehen in jedem Raum einfach die Heizung möglichst stark auf, ohne sich über den Verbrauch Gedanken zu machen. Hauptsache es ist kuschelig warm. Dabei sorgt jedes Grad weniger für 6 Prozent niedrigere Energiekosten.

Daher nennt der Deutsche Mieterbund auch folgende Richtwerte für Raumtemperaturen, die bei vielen Verbrauchern bereits Heizkosten sparen könnten:

  • Für Wohnräume empfiehlt er 20 bis 22 Grad,
  • für das Bad maximal 23 Grad,
  • die Küche sollte nicht wärmer als 16 bis 20 Grad
  • und das Schlafzimmer auf 16 bis 18 Grad erwärmt werden.

Tipp: Bei modernen Thermostaten ist die mittlere Stellung gleichzusetzen mit 20 Grad.

Heizkörper nicht verbauen und Rollläden nutzen

Heizkosten sparen durch Rollladen schließen

Foto: Pixabay.com/Piro4D

Das Sofa steht direkt vor der Heizung oder schwere Vorhänge verhüllen ab dem frühen Abend die Fenster und den darunter befindlichen Heizkörper. Der zugestellte oder verhüllte Heizkörper kann bis zu 15 Prozent mehr Heizkosten bedeuten. Mehr noch macht die Nichtnutzung von Rollläden aus. Bleiben die Rollläden in kalten Nächten oben, dann kann das für eine Heizsaison ganze 25 Prozent mehr Energieverbrauch bedeuten, so eine Untersuchung des Fraunhofer Instituts für Bauphysik.

Programmierbare Thermostate: Gerade bei Abwesenheit

Tagsüber bei der Arbeit, da kann man ruhig die Heizungen abdrehen und abends dafür volle Pulle laufen lassen, oder? In Sachen Energieverbrauch wäre dies ebenso kontraproduktiv wie für die Gefahr der Schimmelbildung. Die Verbraucherzentrale empfiehlt bei regelmäßiger Abwesenheit eine Temperaturreduktion von 5 Grad. Mindestens aber 16 Grad, um erstens das Aufheizen nicht allzu lange dauern zu lassen und zweitens, um Schimmelbildung in den eigenen vier Wänden zu verhindern. Die Reduktion kann deutlich Energie einsparen.

Bei modernen Thermostaten mit 5 verschiedenen Stufen entspricht die erste Stufe in der Regel 12 oder 16 Grad. Jede weitere Stufe erhöht die Raumtemperatur um 4 Grad. Man kann jetzt etwas umständlich vor Verlassen der Wohnung alle Thermostate herunterdrehen oder aber programmierbare Thermostate einsetzen. So lässt sich die Temperatur bei Abwesenheit oder für das Wochenende optimal regeln. Auch und gerade in Mietwohnungen ohne Einfluss auf die Nachteinstellung des Heizkessels sind programmierbare Thermostate ideal.

Tipp: Thermostate mit Fensterkontakt regeln die Temperatur herunter, wenn gelüftet wird. So soll nicht unnötig Wärme sprichwörtlich zum Fenster hinausgeblasen werden. Gerade für Neubauten und bei Renovierungen optimal.

Wenn der Heizkörper nicht richtig warm wird

Voll aufgedreht, aber der Heizkörper wird nicht warm oder nur teilweise? Wenn alle Heizkörper zum Beispiel im ersten Obergeschoss nicht warm werden, dann kann das am Kesseldruck des Heizungssystems liegen. Hier muss dann Wasser nachgefüllt werden um – für ein Einfamilienhaus – den üblichen Druck von 1,5 bis 2 Bar zu erhalten.

Wenn der Heizkörper nicht warm wird, dann liegt das in der Regel eher daran, dass er entlüftet werden muss. Luft, die sich im Heizkreislauf bilden kann, verhindert dann eine gleichmäßige Verteilung von warmem Wasser im Heizkörper.

  • Heizkörper entlüften, so geht es: Jeder Heizkörper hat ein Ventil, das mit einem speziellen Schlüssel (vorsichtig) geöffnet werden kann. Man hält beispielsweise eine Tasse darunter und öffnet so langsam das Ventil. Luft entweicht zischend, Hört das Zischen auf und es kommt Wasser, dann Ventil wieder schließen.

Heizung im Einfamilienhaus programmieren und optimieren spart Heizkosten

Heizkosten sparen durch optimal eingestellte Heizungsanlage

Foto: Pixabay

Heizungsanlagen können (fast alle) auf die jeweiligen Bedürfnisse der Hausbewohner eingestellt werden. Früh- oder Spätaufsteher, Home Office-Arbeiter oder Arbeitsstelle, Sommer- oder Winterfunktion, Wochentags- und Wochenend-Funktion, all das ist zumindest bei moderneren Anlagen möglich und kann meistens vom Besitzer selbst angepasst werden.

Oft lässt sich auch die Wasser-Zirkulationspumpe individuell und nach Bedürfnissen einstellen, was zusammen mit der Programmierung des Kessels 150 bis 200 Kilowattstunden (kWh) Strom einspart.

Zudem kann der Fachmann eventuell die Heizkurve ohne Komfortverluste optimieren, um Heizkosten zu sparen. Noch effektiver mit 10 Prozent Energieeinsparung kann ein hydraulischer Abgleich sein. Hierbei stellt der Heizungsmonteur das System so ein, dass in jeden Raum die optimale Wärmeverteilung stattfindet.

DIY und kleine Maßnahmen treffen

Oft sitzen Heizkörper in Nischen zusammen mit Fenstern. Dort sind die Wände am dünnsten und Wärmeverlust ist vorprogrammiert. Zur besseren Isolierung gibt es spezielle Dämmplatten, deren Aluminiumoberfläche die Wärme zudem in den Raum abstrahlt.

Oft sind auch innen angebrachte Rollladenkästen ungedämmt. Und dies ist eine der großen Quellen für Wärmeverlust. So hat das Fraunhofer Institut für Bauphysik ermittelt, dass ein gut gedämmter Rollladenkasten den Wärmeverlust um bis zu 17 Prozent verringern kann. Dies kann ein etwas versierter Heimwerker recht einfach erledigen, in dem er:

  • Spezielles Dämmmaterial im Kasten anbringt,
  • wahlweise eine Dämmplatte im Rollladenkasten montiert,
  • Dichtband am Kasten aufklebt und
  • Eine Bürstendichtung auf den Gurtauslass montiert.

Zu den wichtigen Maßnahmen gehört auch das richtige Lüften. Hier kann jeder jede Menge Energie einsparen. So ist eine 2-minütige Stoßlüftung – je nachdem wie oft der Raum genutzt wird auch öfter – am besten noch mit Durchzug, die energiesparendste Variante des Lüftens. Hierbei wird im Optimalfall die komplette Luft eines bis zu 30 m² großen Raumes entsorgt.

Dagegen ist ein dauerhaft gekipptes Fenster die schlechteste Lüftungsform. Pro Heizsaison entspricht so ein fenster dem Verbrauch von etwa 100 Litern Heizöl.

Anbieterwechsel?

Ein Anbieterwechsel, um Heizkosten zu sparen? Das kann sich sehr wohl lohnen. Hier sollte man zunächst seinen aktuellen Anbieter nach günstigeren Tarifen fragen.

Auch eine Möglichkeit: Bei Vergleichsportalen nach den Wunschkriterien Tarife vergleichen. Allerdings warnt die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz davor, dass durch die Preisspirale die aufgeführten Angebote veraltet seien und diese damit die aktuelle Preissituation nicht widerspiegeln.

Vielmehr raten die Verbraucherschützer dazu:

  • Versorger vor Ort oder im Umkreis nach Grundtarifen fragen
  • Kein günstigeres Angebot gefunden? Dann auf jeden Fall auf kurze Laufzeiten (12 Monate) bei Neuverträgen und danach auf kurze Kündigungsfristen (1 Monat) achten.

Heizkosten sparen mit einer neuen Heizung

Heizkosten sparen mit neuer Heizungsanlage mit Pellets

Pellets aus heimischen Holzabfällen sind seit Jahren sehr preisstabil. Foto: Pixabay/Mrdidg

Wer einen alten Kessel im Heizungskeller hat, denkt mehr und mehr über eine Modernisierung nach. Gerade in Zeiten deutlicher Energiepreissteigerungen amortisiert sich der Kesseltausch merklich schneller. Nebeneffekt: Die Umwelt hat auch etwas davon.

Zumal attraktive Fördergelder winken oder besonders günstige Kredite der KfW-Bank für die Modernisierung der Heizungsanlage gewährt werden. Ohne Abzug der Fördermöglichkeiten gelten folgende Durchschnittspreise für die verschiedenen Heizsysteme:

  • Neue Gas- oder Öl-Brennwertkessel: 5.000 – 10.000 Euro
  • Wärmepumpe (Preis abhängig von ausgewählter Technik): 8.000 – 25.000 Euro
  • Scheitholzvergaserkessel: 6.000 – 12.000 Euro
  • Pelletkessel (oder Hackschnitzelkessel, der eher für Mehrfamilienhäuser geeignet): 12.000 – 18.000 Euro
  • Hybridsystem aus z. B. zwei Heizsystemen. Typische Kombinationen sind Öl- oder Gasheizung mit Wärmepumpe oder Solarthermie. Preis je nach Größe.

Ob alt oder neu, jedes Heizsystem profitiert von einer zusätzlichen Solarthermieanlage, die die Heizungs-/oder Trinkwassererwärmung unterstützen kann. Je nach Größe und Ausstattung – etwa in Verbindung mit sehr sinnvollem Pufferspeicher – belaufen sich die Kosten auf 3.500 – 12.000 Euro.

Tipps zum richtigen System beim Heizungstausch

Wer überlegt aus ökonomischen und auch ökologischen Gründen auf eine neue Heizung zu setzen, der findet hier die verschiedenen Heizsysteme im Vergleich. Als Faustregel gilt: Ab 15 Jahren gilt ein Heizsystem als veraltet.

Bei den oben genannten Mehrverbräuchen amortisiert sich der Tausch im Idealfall nach 5 bis 10 Jahren.

Fazit: Ein Ende der Preisspirale ist derzeit nicht in Sicht und die deutliche Inflation leistet hier ebenfalls einen merklichen Beitrag. Heizkosten auf einfache Weise zu sparen oder gar durch Kessel- oder Heizsystemtausch deutlich zu verringern, macht sich bei den Verbrauchskosten nicht nur in diesem Jahr sehr deutlich bemerkbar.

Weitere Tipps, um Heizkosten zu sparen und warum die komplette Abschaltung bei Abwesenheit nichts bringt.

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