Mit der neuen Rentenerhöhung droht die Steuerpflicht

Rentenerhöhung birgt Risiko der Steuerpflicht 0

Ab 1. Juli 2020 ist es soweit: Die Renten steigen. Doch: Die Rentenerhöhung birgt das Risiko der Steuerpflicht. Foto: pixabay.com(wir_sind_klein

2005 führte der Staat mit der sogenannten „nachgelagerten Besteuerung“ ein Instrument ein, wonach die Altersrente besteuert wird. Zumindest besteuert werden kann. Von den gut 20 Millionen Rentnern in Deutschland werden immer mehr wieder steuerpflichtig. Auch und gerade nach Rentenerhöhungen, die Rentnerinnen und Rentner ab dem 1. Juli 2020 wieder erhalten. 5 Millionen sind bereits betroffen. Wann die Steuerpflicht droht und wie man diese umgeht oder die Steuerlast zumindest deutlich reduzieren kann.

Gute Nachrichten: Rentenerhöhung ab Juli 2020 deutlich

Viele Rentnerinnen und Rentner haben bereits die Ankündigung erhalten – die Renten werden zum 1. Juli 2020 erhöht. Konkret beläuft sich die Rentenerhöhung auf 3,45 (West) beziehungsweise 4,20 Prozent (Ost).

Das ist die gute Nachricht. Die Schlechte: Es werden Zehntausende Rentner nach Jahren der Steuerfreiheit wieder dazu verpflichtet, eine Steuererklärung auszufüllen und einzureichen.

Warum die Rente jetzt steuerpflichtig werden kann

Rentenerhöhung birgt Risiko der Steuerpflicht

Über eine Rentenerhöhung freut sich jeder. Doch mit der neuerlichen Rentenerhöhung könnte es dazu kommen, dass Sie als Rentner erstmalig wieder Steuern zahlen müssen. Foto: pixabay.com/falco

Da geht man in Rente, genießt den Unruhestand und freut sich vor allem darüber: Endlich nichts mehr mit Steuern und dem Finanzamt zu tun haben müssen. Leider ist das aber nicht ganz so und es kann sehr wohl der Fall sein, dass Rentnerinnen und Rentner vom Fiskus (wieder) zu Kasse gebeten werden. Dann, wenn die Einnahmen aus der Rentenkasse die Freibeträge übersteigen. Dies gilt selbst dann, wenn die Rente nicht sonderlich üppig ausfällt, aber weitere Einnahmen in den verschiedensten Bereichen entstehen. Das muss gar nicht unbedingt die attraktive Wohnung sein, die man sich als zusätzliche Absicherung während des Arbeitslebens als zusätzliche Absicherung im Alter zugelegt hat und mit der man monatliche Einnahmen erzielt.

Genauso einkalkuliert werden die kleine Betriebsrente und leider auch jene Rente aus der privaten Altersvorsorge. Gleiches gilt für Witwen- oder Waisenrente oder die Einnahmen aus Vermietungen oder der Photovoltaikanlage auf dem eigenen Dach, um (wieder) steuerpflichtig zu werden.

„Schuld“ daran ist die im Jahre 2005 eingeführte „nachgelagerte Besteuerung“.

Im Folgenden lesen Sie mehr zu

  • nachgelagerter Besteuerung
  • warum Rentnerinnen und Rentner durch Rentenerhöhung  steuerpflichtig werden
  • warum die Besteuerung durch den Eintrittszeitpunkt beeinflusst ist
  • wann Rentner eine Steuererklärung abgeben müssen
  • was aus der Witwenrente wird
  • was es mit dem Grundfreibetrag auf sich hat
  • was die Steuerlast erheblich drücken oder gar vermeiden kann

Was sagt die Rentenversicherung zur Einkommenssteuerpflicht für Rentner?

Das sagt die Deutsche Rentenversicherung DRV zur 2005 eingeführten Besteuerung: „Entgegen weit verbreiteter Meinung sind Renten grundsätzlich einkommenssteuer- beziehungsweise lohnsteuerpflichtig. 2005 war der Startschuss für die sogenannte „nachgelagerte Besteuerung“. Das bedeutet: Alles das, was Sie für die Altersvorsorge aufwenden, wird zunehmend steuerfrei (Anmerkung: Private Altersvorsorge oder Riester-Rente etwa). Dafür werden aber später Ihre Renteneinkünfte besteuert. Das erfolgt Zug um Zug in einer langen Übergangszeit von 35 Jahren. In der Regel ist diese „nachgelagerte Besteuerung“ der Rente von Vorteil,“ heißt es bei der DRV.

Begründet wird dies damit, dass die Aufwendungen für die Altersvorsorge in der Zeit des Arbeitslebens die Steuerbelastung bis zur Rente reduziert, sprich, es bleibt monatlich mehr zum Leben übrig.

Vergessen wird hier allerdings, dass sich das Viele nicht leisten können oder wollen. Dies sind zwar oft die einkommensschwachen Arbeitnehmer, die später in der Rente bis dato vielleicht nicht steuerpflichtig werden. Aber auch gute Einkommensgruppen, die sich zeitlebens nicht noch zusätzlich privat abgesichert haben, könnten nun zu den Rentnern gehören, die zumindest eine Einkommenssteuererklärung abgeben müssen. Die Abgabe eines solchen Papiers hat zwar nicht zwangsläufig zur Folge, dass auch Steuern gezahlt werden müssen. Aber möglich ist es.

„Die Rentenbesteuerung betrifft übrigens neben den Altersrenten auch die Renten wegen verminderter Erwerbsfähigkeit und Hinterbliebenenrenten,“ erklärt die DRV.

Beispiele aus 2019 und 2020: Fast 100.000 Rentner nach Rentenerhöung  zusätzlich steuerpflichtig

Im Jahre 2019 konnten sich Rentner freuen. Es gab eine deutliche Rentenerhöhung von 3,2 Prozent (West) beziehungsweise 3,9 Prozent (Ost). Immerhin sind das bei einer Beispielrente von 100 Euro 32, respektive 39 Euro.

Und dieser angenehme Mehrbetrag von 384 oder 468 Euro im Jahr an Plus für die Bezieher hatte zur Folge, dass 48.000 Rentner in Deutschland auf einmal zu den einkommenssteuerpflichtigen Altersruheständlern gehörten.

Wenn die Rentenerhöhung 2020 im Juli kommen wird. dann gehen Fachleute davon aus, dass weitere 51.000 Rentner erstmals steuerpflichtig sind. Sie zumindest eine Steuererklärung ausfüllen müssen, denn es gibt Kosten, die sie abziehen können und so die Steuerlast reduzieren, im Idealfall eine Steuerzahlung sogar vermeiden. Gleich hierzu mehr.

Besteuerung hängt vom Eintrittszeitpunkt ab

Über eine Rentenerhöhung freut sich jeder. Doch mit der neuerlichen Rentenerhöhung könnte es dazu kommen, dass Sie als Rentner erstmalig wieder Steuern zahlen müssen.

Höhe der Besteuerung abhängig vom Renteneintrittsalter. Foto: Pixabay.com/wir_sind_klein

Die Höhe der Besteuerung hängt vom Renteneintrittszeitpunkt ab, bleibt dann aber zeitlebens bei dem gleichen prozentualen Anteil. Durch Rentenerhöhungen im Laufe der Jahre kann eine einstige Steuerfreiheit zu einer Steuerpflicht werden, siehe die Zahlen zu 2019 und 2020.

  • Wer 2005 oder früher in Rente ging, muss 50 Prozent der Rente versteuern. Die anderen 50 Prozent sind und bleiben steuerfrei.
  • 2006 waren es bereits 52 Prozent (jährliche Anhebung um zwei Prozent bis 2020).
  • 2016 in Rente? Dann sind 72 Prozent der monatlichen Einnahmen steuerpflichtig.
  • 2020 sind wir bei 80 Prozent.

Ab diesem Jahr steigt der Anteil der steuerpflichtigen Rente bis 2040 um nur noch ein Prozent pro Jahr an. Daraus ergibt sich: Wer 2040 in Rente geht, hat eine zu 100 Prozent steuerpflichtige Rente, gänzlich ohne Freibeträge.

Wann muss ich als Rentner eine Steuererklärung abgeben?

Grundsätzlich gilt, dass Rentner zur Abgabe einer Steuererklärung verpflichtet sind – und dies zunächst unaufgefordert -, wenn der steuerpflichtige Teil der Jahresbruttorente den jeweiligen Grundfreibetrag übersteigt. Aktuell für das Jahr 2020 liegt der Grundfreibetrag bei 9.408 für Alleinstehende, für Paare bei 18.816 Euro. Auch und gerade mit einer weiteren Rentenerhöhung kann dies nun der Fall sein.

Eine Steuererklärung ist daneben grundsätzlich auch vonnöten, wenn Sie hierzu vom Finanzamt aufgefordert werden. Das heißt zwar nicht gleich, dass Sie auch Steuern zahlen müssen – siehe abzugsfähige Kosten -, den Antrag auszufüllen, sind Sie dann dennoch verpflichtet.

  • Tipp: Wer sich errechnet hat, dass er über den Freibetrag Einnahmen erzielt, dennoch schon Jahre keine Benachrichtigung vom Finanzamt erhält, nicht wundern. Das kann noch kommen und dann gibt es Nachforderungen. Die Deutsche Rentenversicherung übermittelt die Daten aller ausgezahlten Rentenbeträge an das Finanzamt. Da kann es durchaus sein, dass auch für mehrere Jahre die Steuererklärung für Rentner nachgefordert wird. Wird nicht reagiert, dann schätzt das Finanzamt die Nachforderungen. Dies ist in den seltensten Fällen zum Vorteil des Steuerpflichtigen.

Wie wird Witwenrente angerechnet oder besteuert?

Man war zu zweit und irgendwann ist der Partner leider verstorben. Was ändert sich dann, wenn die Witwenrente oder Witwerrente hinzukommt? Grundsätzlich ist hier zu unterscheiden, ob der Partner bereits Rente bezogen hat. War dies beispielsweise vor 2005 der Fall, dann wird die Witwenrente zu 50 Prozent steuerpflichtig unabhängig vom oben genannten Freibetrag für Einzelpersonen. Gleiches gilt, wenn Sie Witwerrente beziehen. 50 Prozent bleiben auch hier bis zum Lebensende des Beziehers frei.

Wäre der Partner dagegen im Jahr 2020 verstorben, dann bestünde lediglich für nur noch 20 Prozent der Bezüge Steuerfreiheit. 80 Prozent müssten gegebenenfalls versteuert werden.

Grundfreibetrag in 2020 am Beispiel

Die Vereinigte Lohnsteuerhilfe rechnet vor:

Bernhard ist Single. Bisher war es so, dass der steuerpflichtige Teil ganz knapp unter dem Grundfreibetrag lag. Somit musste er keine Steuern zahlen. Nach der letzten Rentenerhöhung in 2019 war es so, dass der steuerpflichtige Teil seiner Rente 50 Euro über dem Grundfreibetrag war.

Damit wurde Bernhard zunächst zur Abgabe einer Steuererklärung verpflichtet. Da aber alleine seine Krankenkassenbeiträge, Krankheitskosten oder Spenden über diesem Betrag liegen, muss er zunächst keine Steuern zahlen.

Ein weiteres Beispiel der DRV:

  • Maren K., die bereits im Jahr 2004 Rente in Rente ging, bekam in 2005 eine Jahresbruttorente von 12.000 Euro.
  • Hieraus errechnet sich ihr „Rentenfreibetrag“ in Höhe von 6.000 Euro (genannte 50 %). Dieser Betrag bleibt für die Zukunft fix.
  • Im Jahr 2019 erhält sie eine Jahresbruttorente aufgrund der bisherigen Rentenerhöhungen von 14.745 Euro.
  • Damit stieg ihr zu versteuerndes Renteneinkommen seit 2005 von 6.000 Euro auf 8.745 Euro.
  • Aufgrund des steuerlichen Grundfreibetrages, 9.168 Euro in 2019 beträgt muss sie trotzdem keine Steuern zahlen.

Was mindert die Steuerlast?

Wie sie bei einer Rentenerhöhung der Steuer aus dem Weg gehen

Im Idealfall: Mit den richtigen Maßnahmen die Rentenzeit ohne Steuerzahlung genießen. Foto: Pixabay.com/PICNIC-Foto-Soest

Es ist wie im Arbeitsleben – zum Glück lässt sich die Steuerlast auch im Rentenalter senken. Mit ein wenig Geschick und der Angabe der abzugsfähigen Kosten wird vielleicht aus einer Steuerpflicht doch noch eine Steuerfreiheit, liegen Sie mit Ihrer Jahresbruttorente doch über der Höchstgrenze.

So können folgende Ausgaben geltend gemacht werden:

  • Kranken- (die Hälfte trägt der Rentenversicherungsträger) und Pflegeversicherung können geltend gemacht werden. Beispiel: Erhalten Sie 1000 Euro Rente, dann sind bei einem aktuellen Satz von 14,6 Prozent 146 Euro Krankenkassenbeitrag fällig. Da Sie die Hälfte selbst zahlen, zahlen Sie monatlich 73 Euro.
  • Behandlungs- und Pflegekosten – auch Aufwendungen für Medikamente, Hörgeräte, Gehhilfen, etc., daher Belege aufheben! – können Sie ebenso abziehen,
  • wie die Aufwendungen für Unfallversicherung.
  • Hinzu kommen Werbungskosten (102 Euro zieht das Finanzamt pauschal ab; Mehrkosten sind nachzuweisen) und
  • Spenden,
  • Handwerkerkosten,
  • haushaltsnahe Dienstleistungen (Putzfrau, Schornsteinfeger, z. B.),
  • Sterbegeldpolicen,
  • Gewerkschaftsbeiträge.

Altersentlastungsbetrag hilft minimal, mögliche Steuern zu minimieren

Wer über 64 und Rentner ist, sich etwas hinzuverdienen möchte, Kapitalerträge oder Mieteinnahmen hat, kann von dem sogenannten Altersentlastungsbetrag bei einer Steuererklärung profitieren. Dieser Beitrag wird automatisch bei einer fälligen Steuererklärung vom Finanzamt abgezogen. Die Höhe des Altersentlastungsbetrage ist abhängig vom Geburtsjahr. Zudem sinkt er seit seiner Einführung, wie die die nachgelagerte Besteuerung 2005, kontinuierlich.

Hat man Anspruch darauf, dann liegt der Betrag für 2019 bei 17,6 Prozent der Einkünfte, maximal 836 Euro. In 2020 schrumpft der mögliche Freibetrag auf 16 Prozent oder 760 Euro. Ursprünglich eingeführt wurde der Altersentlastungsbetrag, um die Besteuerung der Rentner gerechter zu machen. Ebenfalls 2005 eingeführt – damals lag er bei 40 Prozent der Einkünfte oder maximal 1.900 Euro -, sinkt der Altersentlastungsbetrag ebenfalls jährlich.

Guter Rat ist nicht teuer – und hilfreich

„Für ältere Menschen ist es meist eine Last, sich nochmal mit dem Finanzamt auseinandersetzen zu müssen“, sagt Sigurd Warschkow, Experte der Lohnsteuerhilfe in Gladbeck. Sein Tipp: Rentner können sich gerne an Lohnsteuerhilfevereine wenden, um sich bei der lästigen, aber wichtigen Arbeit in Sachen Lohnsteuererklärung helfen zu lassen. Auch und gerade, wenn mit der neuerlichen Rentenerhöhung die Steuerpflicht droht.

Abhängig von der Rentenhöhe kostet die jährliche Steuererklärung bei den Hilfevereinen zwischen 150 und 180 Euro. Weiterer Vorteil: Die Steuererklärung für das Jahr 2019 ist bis spätestens 31. Juli 2020 abzugeben. Übernimmt die Arbeit eine Lohnsteuerhilfe oder ein Steuerberater, dann verlängert sich die Frist auf Ende Februar 2021.

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