Private Krankenversicherung: Beiträge steigen immens, im Alter noch zahlbar?

Die 2. größte private Krankenversicherung, die DKV, erhöht zum April seine Beitragssätze um 7,8 %. Selbst Rentner zahlen dann mindestens 79,90 mehr im Monat. Gut versichert aber Pleite?

Die zweitgrößte private Krankenversicherung, die DKV, erhöht zum April seine Beitragssätze um 7,8 %. So das Unternehmen. Auf der Facebookseite des Unternehems liest man von reelen Erhöhungen von 20 bis annähernd 50 %. Gut versichert aber Pleite? Foto: © Marko2811 – Fotolia.com

Die Private Krankenversicherung – ein Paradies für Versicherte im Krankheitsfall? Jedenfalls nicht, was die Beiträge angeht, denn diese steigen ab April für mehr als die Hälfte der Vollversicherten in einer PKV, der DKV, um laut Versicherer um satte 7,8 Prozent, in Realität noch viel mehr. Heute bereits für Rentner fast nicht zahlbar.

Patient 1. Klasse, die beste Versorgung, in jungen Jahren häufig noch billiger als die Gesetzliche – damit werben die Privaten Krankenversicherer nicht unbedingt direkt, aber man weiß es. Erst recht, wenn man mal in einer PKV war oder noch ist. Nur: Die Beiträge zur privaten Krankenversicherung steigen und steigen, so wie aktuell die Beiträge bei der zweitgrößten Privatkrankenversicherung DKV, der Deutschen Krankenversicherung.

In Zahlen ist die Erhöhung der DKV von 7,8 Prozent auf 129,90 Euro beziehungsweise auf 79,90 Euro begrenzt. Heißt es in der Unternehmensmeldung. Auf der Facebookseite der DKV berichten Versicherte, dass sie zwischen 20 und knapp 50 Prozent mehr zahlen, so laut neuem Bescheid.

Dies bedeutet nach moderaten Erhöhungen der beiden letzten Jahre – die regelmäßig kommen und bei gesetzlichen Krankenkassen vielleicht für Aufruhr unter den Versicherten sorgen würde – mit 2,3 und 1,1 Prozent, eine deutliche Mehrbelastung für 59 Prozent der fast 900.000 bei der DKV Versicherten.

Gut, nicht alle privaten Krankenversicherungen baten dieses Jahr derart zu Kasse. Aber: Die Beiträge erhöhen sich seit Jahren für Privatversicherte stetig. Durch alle Versicherungen hindurch. Und ein Ende ist nicht in Sicht. Ein Beispiel – gelesen am 3.3.2016 auf der Facebookseite: Ein User beschwert sich, dass sich sein Versichertenbeitrag in nur 5 Jahren verdoppelte. Sicher ein Extrembeispiel, aber wohl auch ein Richtungsanzeiger.

Private Krankenversicherung im Alter noch zahlbar?

Wenn man sich durch verschiedene Artikel im Netz und die darunter befindlichen Kommentare klickt oder in Foren nachliest: Viele heute Privatversicherte haben im Alter scheinbar echt Probleme, ihre Krankenversicherung zahlen zu können oder können aufgrund der Kosten gar nicht zum Arzt gehen. Ähnlich sieht es wohl bei jenen Privatversicherten aus, die Sozialleistungen erhalten.

Nach dem 55. Lebensjahr kommt man hier nahezu gar nicht mehr raus. Privatversicherte können einen internen Tarifwechsel vornehmen, um Kosten zu reduzieren, auf einen Basis- oder Standarttarif runterstufen. Der bietet dann in etwa jene Leistungen, die die Gesetzlichen bieten. In einem Alter, in dem man sich naturgemäß auf eine bessere ärztliche Versorgung freuen würde…

Was die Private im Alter etwas günstiger macht: Ab 60 Jahren bezahlt man in der Regel die 10 Prozent Altersrückstellung nicht mehr und üblicherweise ab dem Renteneintritt den mit ungefähr 5 Prozent bezifferten Versicherungsanteil an Krankentagegeld. Auch möglich: 7,3 Prozent – also die Hälfte der derzeitigen Kosten für die GKV –, von der Deutschen Rentenversicherung auf Antrag beigesteuert zu bekommen. Aber auch nur bis zu einem monatlichen Höchstbetrag von 122,50 €. In dem meisten Fällen wird man als Rentner dann trotzdem noch (wesentlich) mehr als Privatversicherter zahlen, als ein gesetzlich Versicherter.

Teurer ist die Private im Alter meist dennoch. Teils erheblich. Und dies muss man sich auch leisten können. Die Einsparungen, die man oft noch in jüngeren Jahren mit einem Wechsel zu Privaten macht, rechnen sich nicht immer.

Ich habe es selbst getestet… Bereits vor vielen Jahren stiegen die Beitragskosten für die private Krankenversicherung kontinuierlich. Durch den Wechsel aus der Selbständigkeit in ein Angestelltenverhältnis mit einem Einkommen unter der Bemessungsgrenze war der Wechsel in eine freiwillige Mitgliedschaft in einer GKV zum Glück möglich.

Jedenfalls werden die Beiträge für eine private Krankenversicherung auch in Zukunft steigen. Zinserträge für deren Investitionen sinken beim derzeitigen Zinstief, angeblich bekäme man nicht mehr so viele neue Mitglieder. Manche werden auch rechtzeitig noch aussteigen. Und wenn erst eine Großzahl der heute noch jungen und fitten Mitglieder in ein gewisses Alter kommen… Wie dann in Zukunft die privaten Krankenversicherungs-Beiträge im Alter aussehen?

Tipp: Die private Krankenversicherung wechseln bringt hier wohl auch nichts. Denn die meisten Beiträge für die Altersrückstellung sind dann weg.

Private Krankenversicherung zu teuer? Finanztip hat hier alle Möglichkeiten aufgelistet.

Und: Im Zweifelsfall sollten sich privat Versicherte dringend Rat von einem Fachmann einholen, wie etwa bei der Deutschen Gesellschaft für Privatpatienten.

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