Corona-Lockdown und Winterzeit: Vermehrt psychische Belastungen und was dagegen hilft

Psyche Corona Winterdepression Heilmittel Pflanzen und Vitamin DLaut der Krankenkasse AOK liegen psychische Erkrankung an 4. Stelle der krankheitsbedingten Fehlzeiten und die Deutsche Depressionshilfe schätzt, dass vier Millionen Menschen gar an Depressionen leiden. Fachleute vermuten, dass es durch Corona-Lockdown mehr Fälle geben wird. Die Pflanzenheilkunde hat einiges zu bieten, um Ängste und psychische Belastung erträglicher zu machen. Zudem: Auch weit verbreiteter Vitamin D-Mangel kann die Stimmung senken.

Steigender Zeit- und Leistungsdruck am Arbeitsplatz, Stress mit Kollegen, Chef und Kunden, Lärm und körperliche Anstrengung, neu hinzu gekommene Existenzängste und psychische Belastung auf grund des Corona-Lockdowns, all das kann auf Dauer krankmachen. Schlaflosigkeit, zu hoher Blutdruck, Verspannungen und psychische Probleme können die Folge sein.

Mehr psychische Erkrankungen durch Lockdown und neue Normalität erwartet

Ganz aktuell verursacht das Coronavirus laut einiger Studien bei sehr vielen Menschen einen mehr oder minder starken Angstzustand. Das Deutsche Psychotherapeuten Netzwerk befürchtet heute schon, dass die Zahl der psychisch Erkrankten stark zunehmen und es zu Versorgungsengpässen kommen könnte. Isolation, soziale Distanzierung, geschlossene Gastronomie- oder Freizeiteinrichtungen laden zudem zum Grübeln ein.

„Die zweite Welle der Corona-Pandemie führt für alle Menschen zu einer langen und schwierigen Zeit der Anpassung“, erwartet der Präsident der Bundespsychotherapeutenkammer, Dietrich Munz, laut Interview in der Apotheken Umschau. „Sie wird erneut zu mehr psychischen Krisen und depressiven Erkrankungen und Angststörungen führen.“ Kein Wunder, denn die neue Normalität ist weit entfernt von einem Normalzustand. Das belastet viele.

Und dann ist da noch die Winterdepression, die alljährlich 800.000 Menschen erleiden. Der Lockdown light wird da sein Übriges zu beitragen. Doch gerade in Sachen Winterdepression gibt es eine einfache, oft hilfreiche Lösung. Später dazu mehr.

Jedenfalls gibt es im Bereich der Pflanzenheilkunde einiges, dass lange Tradition hat und hilft, die Stimmung nachhaltig zu heben und das Leben trotz ständiger Unruhe und Unsicherheit, Ängsten und psychischer Belastung erträglicher zu machen. Das ist wissenschaftlich für folgende Stoffe belegt.

Baldrian macht mehr als nur müde

Psychische Belastung durch Corona und Winterdepression Heilmittel wie BaldrianPflanzen und Vitamin D

Baldrian ist das klassische Mittel aus der Naturapotheke für all jene mit Schlafstörungen und psychischer Belastung. Denn Baldrian hilft nicht nur zum Einschlafen, vielmehr macht es genauso am Morgen schneller fit und aufnahmefähig, legt bei Arbeits- oder Prüfungsstress einen „Schutzfilm“ über unser Nervenkostüm, da es nervöse Unruhe einbremst.

Der Grund hierfür sind die Inhaltsstoffe wie Valerensäure. Die aktiven Pflanzenstoffe docken an den sogenannten GABA-Rezeptoren an und verhindern, dass dort spezielle Reize weitergeleitet werden. Das sorgt für die beruhigende Wirkung bei Unruhe oder Schlaflosigkeit. Wichtig zu wissen: Tee, Tabletten oder Dragees wirken erst richtig 2, 3 Wochen nach der Ersteinnahme.

Mit Lavendel entspannt und aufmerksam

Wer liebt es nicht, an einem Beet mit Lavendel vorbeizulaufen, das bereits ohne Berührung einen magischen Duft verbreitet? Nicht umsonst ist Lavendel die Arzneipflanze 2020 in Österreich. Es ist belegt, dass Lavendelöl nicht nur eine krampflösende und entzündungshemmende Wirkung hat, sondern auch eine beruhigende und angstlösende Funktion besitzt, ähnlich der von Benzodiazepin Lorazepam. Das ergab eine Studie mit einem rein natürlichen Lavendelölextrakt (Silexan). Und dies sogar ohne den Absetzeffekt, Suchtpotenzial oder Beeinträchtigung der Verkehrssicherheit, heisst es in einer Pressemitteilung der Herbal Medicinal Products Platform Austria (HMPPA), ein Expertengremium verschiedener österreichischer Universitätsforscher, die die mediterrane Pflanze prämierte. Wie bedeutsam das Gewächs ist, wird von der Tatsache unterstrichen, dass der Lavendel auch in Deutschland 2020 zur Arzneipflanze durch die Universität Würzburg gekürt wurde.

Mehr noch, ein anderes Präparat, Tavipec, ist in einer Studie positiv auf die Wirksamkeit bei Infekten und Bronchitis getestet, was die Bedeutung der Arzneipflanze unterstreicht.

Regelmäßig reines Lavendelöl – kein Duftlampenöl, sondern arzeneimitteltaugliches Öl aus z. B. der Apotheke – bewusst zu riechen oder ein paar Tropfen auf die Haut geben, kann die Stimmung aufhellen. Alternativ kann man mit 2 Teelöffeln Lavendelblüten (gibt es getrocknet in der Apotheke) je Tasse Waser bis zu drei Mal am Tag eine Tasse beruhigenden Tee genießen. Auch gut: In Massageöl. Hierzu etwas Mandelöl nehmen und zwei bis vier Tropfen Lavendelöl zugeben.

Passionsblume für Zappelphilipp und bei nervöser Unruhe

Psychische Belastung Corona Winterdepression Heilmittel wie Passionsblume und Vitamin D

Es ist das Kraut der sehr exotisch blühenden Kletterpflanze aus Südamerika, das Balsam für unsere Nerven darstellt. Nervöse Unruhe, depressive Verstimmung, Reizbarkeit, Angespanntheit und Angstzustände sowie die im Zusammenhang damit auftretenden Beschwerden wie Kopfschmerzen, Verspannungen oder Magen-Darm-Beschwerden sind gut mit einem Tee aus der Passionsblume behandelbar. Nebenwirkungen sind keine bekannt.

Je Tasse zwei Esslöffel Passionsblumenkraut mit kochendem Wasser übergießen und 10 min zugedeckt ziehen lassen.

Eine Studie der Universität Duisburg hat weiterhin die Wirksamkeit bei ADHS belegt.

Bei Erschöpfung und für Lernerfolg: Rosmarin

Bereits im Altertum wurde Rosmarin für eine bessere Gedächtnisleistung eingesetzt. Noch heute verbrennen griechische Studenten Rosmarinzweige auf ihrem Zimmer, um vor einer Prüfung besser lernen zu können. Rosmarin zur Unterstützung des Lernerfolgs in Corona-Zeiten? Vielleicht hilft es.

Ebenso soll das mediterrane Kraut Erschöpfungszustände lindern. Hierzu einen Tee wie folgt zubereiten: wird ein Teelöffel der Rosmarin-Nadeln mit 150 ml kochendem Wasser übergießen, abdecken und nach 15 min abseihen. Für ein Bad – Vorsicht: regt Kreislauf an – werden etwa 50 Gramm Rosmarin-Nadeln in einem Liter Wasser aufgekocht. 15 – 30 min abgedeckt ziehen lassen und dem Badewasser zugeben. Badedauer: 15 Minuten.

Klassiker, der beruhigt: Johanniskraut

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Johanniskraut ist die einzige heimische Pflanze, deren stimmungsaufhellende Wirkung in gleich mehreren Studien belegt wurde. Der Grund ist darin zu finden, dass wichtige Inhaltsstoffe wie Hypericin und Hyperforin drei Hirnbotenstoffe steigern, hierunter: Dopamin. Letztlich kurbelt Johanniskraut die Serotonin-Bildung an, fördert also die Bildung des Glückshormons. Bei diesem herrscht bei vielen Menschen mit depressiver Stimmung ein Mangel. Die psychische Belastung ist fast schon vorprogrammiert.

Angst, innere Unruhe, depressive Verstimmung, selbst bei diagnostizierter leichter bis mittelschwere Depression finden Johanniskraut-Präparate Einsatz. Früher wurde aus dem getrockneten Kraut ein Tee aufgebrüht, doch der Gehalt an genannten Pflanzen ist sehr gering. Präparate aus der Apotheke seien wirksamer.

Allerdings ist zu beachten, dass es Medikamente in ihrer Wirkung abschwächen kann. Das gilt für pharmazeutische Antidepressiva wie die Anti-Baby-Pille. Bei psychischer Belastung ist dann Baldrian (siehe unten) besser geeignet.

Helmkraut: Wirksam wie Cannabis, nur ohne Rausch

Das Helmkraut (Scutellaria lateriflora; es gibt auch noch andere Arten mit Heilwirkung) fand in der Heilkunde der Cherokee-Indianer Anwendung. In der Homöopathie wird es seit langem in Tablettenform oder als Globuli gegen Angstzustände und nervösen Schlafstörungen eingesetzt.

Es wird in der Pflanzenheilkunde verglichen mit der Wirkung von Baldrian, also wie ein pflanzliches Beruhigungsmittel. Mancher Hype entsteht aktuell darum, da es so beruhigend wirke wie Cannabis, nur ohne den berauschenden Effekt sowie ohne Suchtgefahr. Das Helmkraut gibt es als Extrakt und als getrocknetes Kraut für Tees. Schwangere, Stillende und Menschen mit Herzproblemen sollten es besser nicht anwenden.

Für eine Tasse-Helmkraut-Tee sollten nicht mehr als ein oder zwei Teelöffel Kraut verwendet werden. Laut Nutzerberichten kann ansonsten so etwas wie ein Rausch entstehen.

Depression und psychische Belastung: Therapieerfolge mit Vitamin D

Vitamin D, hier insbesondere D3, ist nachweislich nicht nur wichtig für das Immunsystem, schützt sogar von schweren Verläufen einer Grippe oder SARS-CoV-2-Infektion. Denn genauso essentiell ist es für die Regulation verschiedener Hirnbotenstoffe. So ist Vitamin D für die Regulation von Serotonin, die Synthese von Noradrenalin und die Verwertung von Dopamin verantwortlich, drei Stoffe, die einen grossen Einfluss auf unsere Stimmung und die psychische Verfassung haben. Zudem hat das Vitamin eine entscheidende Rolle beim Schutz der Nervenzellen. Ohne könnten diese sprichwörtlich auch mal „blank“ liegen.

Mehrere Studien legen daher die Zusammenhänge zwischen Vitamin D-Mangel und Depression, mindestens aber anhaltenden negativen Verstimmungen oder eben psychischer Belastung nahe. Mehr noch: So sagt Dr. Catri Tegtmeier, Chefärztin der Medizinisch-Psychosomatischen Abteilung der Kliniken Bad Wildungen: „Laut aktuellen Studien verdoppelt sich das Risiko, an einer Depression zu erkranken, bei niedrigem Vitamin-D-Spiegel fast“, erklärt Dr. Tegtmeier. „Je ausgeprägter der Vitamin-D-Mangel, desto ausgeprägter kann die depressive Symptomatik sein. Ein Ausgleich des Vitamin-D-Mangels kann zu einem Abklingen der Beschwerden führen.“

Die Klinik stellt in 90 Prozent der Fälle einer psychischen Erkrankung der Patienten einen deutlich zu niedrigen Vitamin D-Wert fest, weshalb die Vitamingabe ein Bestandteil der therapeutischen Maßnahmen ist. Zumal man den Vitamin D-Spiegel kaum durch die Nahrung erhöhen könne und der UV-Index in der kalten Jahreszeit nicht ausreicht, das Vitamin über die Haut zu bilden.

Deren Fähigkeit Vitamin D zu bilden, lasse übrigens um bis zu 75 Prozent mit dem Alter nach. Die Zeitung Welt schreibt bereits 2012, dass etwa 60 Prozent aller Bundesbürger einen Mangel an Vitamin D hätten, auch und gerade jene über 65. Doch auch Jugendliche und Erwachsene nehmen im Schnitt täglich lediglich 2 – 4 Mikrogramm durch die Nahrung auf. Die Empfehlung für den Tagesbedarf liegen laut Deutscher Gesellschaft für Ernährung bei 20 Mikrogramm. Die Gefahr der psychische Belastung und höhere Infektanfälligkeit steigt mit diesem Mangel.

Mensch und Sonne: Wir bilden zu wenig Vitamin D

Um ausreichend Vitamin D durch Sonnenlicht zu bilden, müsste man 20 Prozent der Hautoberfläche täglich für 30 Minuten ungeschützt der Sonne (von April bis Oktober) aussetzen. Da dies kaum jemand schafft, ist die hohe Mangelquote wohl zu erklären. Zudem können einige Medikamente wie Säureblocker den Vitamin D-Bedarf erhöhen.

Zur Infektanfälligkeit gesellen sich bei Vitamin D-Mangel gerade in der kalten Jahreszeit Müdigkeit, Antriebslosigkeit, im schlimmeren Fall die Winterdepression. Übrigens kann die vermehrte Lust auf Süßes oder Kohlenhydrate in der kalten Jahreszeit – und damit eine typische, winterliche Gewichtszunahme – auf den Mangel hindeuten. Der Grund: Der Körper will mit dieser Nahrung das Glückshormon Serotonin vermehrt bilden.

Über die Einnahmemenge sind sich verschiedene Behörden nicht einig. So hält die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) 4.000 IE (Einheit, angegeben auf den Packungen) für tolerierbar, die amerikanische Endokrinologische Gesellschaft hält eine Einnahme von 10.000 IE von Erwachsenen für unbedenklich. Letzteres sieht der Vitalstoffmediziner Heinz Lüscher genauso. Für ihn sind 3.000 IE in den Sommermonaten, 5.000 in den Wintermonaten die richtige Dosierung.

Wer es genauer wissen möchte, dem bietet der Hausarzt (IGeL-Leistung) einen Test über das Blut an.

Bei einer psychischer Belastung ist immer Vorsicht geboten und im Zweifelsfall ist ärztlicher Rat nötig. Bei Unruhe, Angespanntheit, Gereitztheit, Zukunftsängen oder temporären Schlafstörungen helfen genannte Heilpflanzen sehr gut.

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