Schadstoffe in den eigenen 4 Wänden machen krank

Schadstoffe im Haus, der Wohnung oder im alten Fertighaus oder Möbeln - eine Übersicht

Schadstoffe im Haus, der Wohnung, gleich, ob Altbau oder Neubau – in vielen Baustoffen, aber auch in Möbeln, Bodenbelägen oder Farben lauern unter Umständen krankmachende Stoffe. Ein Überblick. Foto: © Vadim Andrushchenko – Fotolia.com

Schadstoffe im Haus. Seit Jahrzehnten gibt es immer wieder neue Hiobsbotschaften in Sachen gesundheitsschädlicher Baustoffe oder Einrichtungsgegenstände. Angefangen hat es mit Teerölkleber für Parkettböden, Holzschutzmittel und den Baumaterialien von Fertighäusern ab den 60er Jahren. Und es geht bis in die Gegenwart weiter mit Krankmachendem und Umweltschädlichem in den eigenen 4 Wänden. Tipps, auch für Käufer von Gebrauchtimmobilien.

Im Rahmen des Hauskaufs – wir suchten eine Gebrauchtimmobilie, gepflegt und in für uns passende Lage – habe ich mich über so manche „Altlasten“ von älteren Häusern informiert. Was man da so lernt, auch von Fachleuten, das kann die Haare schon zu Berge stehen lassen. Denn: Früher hat man es nicht so genaugenommen oder wusste einfach nicht sonderlich viel über Schadstoffe im Haus, die auch heute noch, Jahrzehnte später, richtig schädlich sind.

Doch zunächst zu den „moderneren“ Schadstoffen im Haus und in der Wohnung.

Sondermüll in den eigenen 4 Wänden

Alte Fußbodenbeläge oder neue Möbel, Farben oder der schöne neue Teppich – unzählige, teils sehr gesundheitsschädliche Chemikalien können in vielen Inneneinrichtungsgegenständen und Baustoffen lauern.

Schadstoffe in Möbeln

Eine Gruppe unter den Schadstoffen in Möbeln: Flüchtige organische Verbindungen, kurz VOCs, in Möbeln, das bekannteste hierunter ist Formaldehyd, welches sich in Spanplatten befindet. Zwar haben viele Möbelhersteller heute den Formaldehydgehalt reduziert, doch, hat man entsprechend viele Möbel in der Wohnung stehen, dann können sich deren Ausdünstungen auf krankmachendem Niveau befinden. Hustenreiz, Atemwegsbeschwerden, gereizte Augen oder Ausschläge, Kopfschmerz, Schwindel und Schlafstörungen oder Müdigkeit sind oft die Folge. Formaldehyd gilt zudem als krebserregend.

Leider potenzieren „dichte“ oder gut isolierte Alt- und Neubauten das Problem. Denn: Während in einem zugigen Altbau die Luft gut ausgetauscht wird, und damit Chemikalien wie Formaldehyd „vom Winde verweht“ werden, halten sie sich in der Raumluft lange Zeit und in hoher Konzentration. Gutes Lüften ist hier das A und O.

Tipp: Bei Massivholzmöbeln kann man auch nicht immer 100-prozentig sicher sein; so dünsten beispielsweise Kiefernmöbel natürliche Aldehyde aus, die genauso schädlich sind. Und Eichen- oder Buchenholz sondern zum Beispiel Essigsäure ab, die die Atemwege reizen kann.

Schadstoffe in Polstern, Teppichen & Farben

Pestizide oder Insektizide wie Mottenschutzmittel sind gerne ich allerlei Stoffen wie Polstermöbel  oder Teppichen  – mit „Blauer Engel“-Auszeichnung weniger belastet – enthalten. Auch Farben und Lacke enthalten reizende Inhaltsstoffe, die trotz der Auszeichnung „Blauer Engel“ noch enthalten sein können. Genannte Symptome können auch bei den Anstrichen auftreten. Einen Hinweis geben beispielsweise brennende Augen bei der Verarbeitung.

Schadstoffe in PVC

Die praktischen PVC-Böden sind auch so eine Sache. Noch 2008, nicht mehr ganz so häufig 2012, hat Ökotest jede Menge giftige Weichmacher, sowie Schwermetalle wie Blei und Cadmium entdeckt. Uralt-PVC enthält auf der Unterseite unter Umständen sogar Asbest (vor 1979), das austreten kann, wenn er entfernt wird.

Leider sind auch heute noch in PVC-Böden Weichmacher, giftige Zinnverbindungen, die das Immunsystem und den Hormonhaushalt von Tier und Mensch angreifen und andere ätzende Stoffe enthalten. Mehr hierzu bei Ökotest.

Für ausdünstende Möbel hat das Umweltinstitut München e. V. einen leider wenig praktischen Tipp: Ein paar Wochen in einen separaten, gut gelüfteten Raum stellen. Mein Tipp: Alles was unangenehm riecht, erst gar nicht kaufen und bekommt man in einem Möbelhaus Kopfschmerzen oder ist der allgemeine Geruch arg unangenehm, dann besser den Laden ohne Einkauf verlassen.

Schadstoffe im schönen alten Parkett

Schadstoffe im Haus oder der Wohnung: Der schöne alte Parkett

Schadstoffe im Haus oder der Wohnung, hier der alte Parkett. Warum von diesem eine Gesundheitsgefahr ausgehen kann, mehr hierzu im Artikel. Foto: © Jürgen Rösemeier-Buhmann

Mieter einer Altbauwohnung oder Käufer eines älteren Hauses freuen sich, wenn noch so ein toller, massiver Parkettboden unter den Füßen liegt. Leider wurde in den 30er und bis in die 60er Jahre ein hochgiftiger Parkettkleber. Sogenannter Teerölkleber, verwendet. Hierin sind unter anderem PAK, polyaromatische Kohlenwasserstoffe, vor allem der Stoff Benzopyren für Teerkleber, sowie und PCB, polychlorierte Biphenyle enthalten. PAK taucht in Klebern von 1900 bis 1975 auf, PCB ab 1955.

Tipp der Stiftung Warentest: Knarzende, sich bewegende oder gar schadhafte Parkettböden können sehr oft die krebserregenden Schadstoffe freigeben. Im Zweifelsfall, so warnt die Stadt Berlin, sollten diese Böden von Fachleuten komplett entfernt werden. Ist dagegen eine nahtlose Lackschicht auf dem Parkett, dann wäre das wohl nicht bedenklich.

Das alte (Fertig-)haus und der Chemicocktail

Sie waren eine fast schon revolutionäre und schnell beliebte Erfindung, die ersten Fertighäuser ab Anfang der 60er. Sie waren schnell gebaut, kostengünstig aus Holz und vorgefertigten Elementen  und sind – leider oft schadstoffbelastet.

Nur ein kleiner Auszug dessen, was einem an Schadstoffen in alten Fertighäusern – teils bis in die neuere Zeit – erwarten kann. Verschiedene Stellen wie das Institut für Angewandte Umweltforschung e. V., kurz IfAU, haben in Untersuchungen von Fertighäusern, gebaut zwischen 1963 und 1998, unter anderem folgende, gesundheitsschädliche Farbstoffe nachgewiesen:

  • Formaldehyd, das sich in den Pressspannplatten (Wände, auch Decken) befinden kann,
  • Carbolineum (Holzanstrich, der erst 1978 verboten wurde).
  • Chloranisole, die zwar weniger gesundheitsschädlich sind, aber gerade in älteren Fertighäusern für einen muffigen, schimmeligen Geruch sorgen.
  • PCP oder Pentachlorphenol, ein erst 1989 verbotener Antischimmelschutz für das Holz, der Nerven- und Immunsystem schädigt, Lindan und DDT runden die Zutaten der alten giftigen Holzschutzmittel ab.
  • Asbest auf Dächern, als Fassade oder in Auskragungen.

Dies ist, neben geruchlosem Schimmel in den Wandkonstruktionen, nur ein Teil der in Fertighäusern vorkommenden, möglichen (ganz klar betont), Schadstoffe. Die komplette Liste und weitere Informationen zu „Schadstoffe Fertighäuser“ gibt es im Internet oder direkt auf der Seite des IfAU-Instituts. In ihren jahrelangen Tests waren 41 % der Fertighäuser mit Schadstoffen belastet.

Ach ja, noch ein Problem, das Fertighäuser der 60 er Jahre haben können: Ein Problem mit der Luftdichtheit. Ein Ökosanierer bestätigte mir, dass es häufig aus Steckdosen bei Wind und Sturm ziehen kann, mit dem Nebeneffekte kalte Füße und dem noch viel ungünstigeren Effekt, der Korrosion der Stromleitungen durch Kondensat. Schnell entstehen so aufwändige Sanierungsarbeiten am Stromleitungssystem. Laut ARD-Bericht kann eine Schadstoffsanierung eines Fertighauses bis zu 100.000 € kosten; letztlich muss es im schlimmsten fall entkernt werden. Ein Desaster für Hauskäufer.

Übrigens: Auch in Massivbauten können diese Schadstoffe im Haus über Jahrzehnte ausdünstenden und giftigen Holzschutzmittel wiederfinden. Etwa in Deckenanstrichen oder in der Dachkonstruktion. Die Stiftung Warentest hat im Jahr 1998 640 Holzproben aus Altbauten untersucht. 1998 waren 60 Prozent der Holzproben mit Schadstoffen belastet. Spätere Tests und insgesamt 5.000 ergaben ein ähnliches Bild.

Wenn dieses Holz nicht entfernt werden kann, dann rät das Umweltinstitut München zumindest zu einem dicken Schutzanstrich. Dieser würde die Schadstoffe in Holz „maskieren“ wie der Fachmann sagt.

Neu auf der Liste: Styropor-Dämmung wird Sondermüll

Schadstoff HBCD in Fassadendämmung

Diese eh sehr schlampig und lückenhaft angebrachte Dämmung kann, vor August 2015 auf die Fassade beklebt, zum wahren Sondermüll avancieren. So können heute bereits Sanierungsarbeiten sündhaft teuer werden. Foto: © maho – Fotolia.com

Laut einer Gesetzesänderung sind heute auch die sogenannten Polystyrol-Dämmstoffe der ersten Generationen Sondermüll. Sie sind besser unter dem Markennamen Styropor oder als EPS-Dämmstoffe bekannt. Der Grund: Die Dämmplatten sind mit der Chemikalie HBCD,  Hexabromcyclododecan, behandelt worden, die flammhemmend wirkt. Diese ist nun aber als umweltgefährdend eingestuft worden.

Polystyrole, die mit einer bestimmten, aber wohl handelsüblichen Menge HBCD behandelt wurden, gelten nun als Sondermüll. Paradox ist, dass das Material aber mit einer Übergangsfrist weiterhin verbaut werden darf. Zudem muss es gesondert gesammelt und seit September 2016 in Verbrennungsanlagen entsorgt werden. Reste der HBCD belasteten Dämmstoffe dürfen nicht wie bisher üblich, zusammen mit anderen anfallenden Abfallstoffen, in einen gemeinsamen Container landen. Doch das hat einen Haken wie der Dachdeckerverband warnt.

„Aus dem Markt werden uns … ganz andere Hinweise gegeben. So wird aus zahlreichen Bundesländern gemeldet, dass derzeit so gut wie keine Möglichkeit besteht, HBCD-haltige Polystyrol-Dämmstoffe zu entsorgen, da den Müllverbrennungsanlagen entweder die rechtliche Genehmigung für die Entsorgung des jetzt gefährlichen Mülls fehlt oder weil die Anlagen ausgelastet sind“, beschreibt Josef Rühle, Geschäftsführer Technik beim Zentralverband des Deutschen Dachdeckerhandwerks (ZVDH), die Situation zu diesem Schadstoff im Haus.

Stand November 2016 sind laut einer Umfrage 90 % der Müllverbrennungsanlagen nicht bereit, Kunststoffe mit einer entsprechenden Behandlung anzunehmen und zu verbrennen. Dachdecker-Verbandsmitglieder warnen hier bereits vor einem Entsorgungsnotstand und sie befürchten, dass die Entsorgungskosten für dieses Material in Zukunft dramatisch steigen werden. Die Entsorgungskosten könnten sich in naher Zukunft verzehnfachen. Branchenkenner wie Dachdecker Karl-Heinz Winterbauer im Interview mit der Rhein-Neckar-Zeitung befürchten, dass die Neueindeckung eines Daches aufgrund der Müllproblematik anstatt wie bisher unter 20.000 € schon sehr bald das Doppelte kosten könnte. Der Grund: Alle Gewerke werfen in der Regel den ganzen anfallenden Abfall in einen Container. Bei zahlreichen Dackdeckern sollen sich bereits unzählige Container mit dem Sondermüll auf dem Firmengelände angesammelt haben.

Schadstoffe im Haus oder der Wohnung: Was tun?

Wer den Verdacht hat, dass er in den eigenen vier Wänden Schadstoffe hat und vielleicht daher unter wiederkehrenden Gesundheitsbeschwerden leidet, kann einen Baubiologen zurate ziehen. Die Kosten sind allerdings nicht unerheblich und liegen bei 1.200 € und mehr. Alternativ gibt es einzelne Tester zu kaufen, etwa für den Nachweis von Formaldehyd in Wohnräumen.

Wir haben hoffentlich bald ein Haus ohne Schadstoffe gefunden. Was bei einer Finanzierung eines Hauses oder einer Wohnung wichtig ist, einige Praxistipps gibt es hier.

Quellen: Umweltbundesamt.de, Wikipedia, Ökotest, Stiftung Warentest, Rhein-Neckar-Zeitung, IfAU-Institut,

 

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