Titan im Körper: Probleme nicht nur mit Implantaten vorprogrammiert?

Titan Implantat und Titanoxid mit Nebenwirkungen und negativen Effekten auf die Gesundheit

Titan-Unverträglichkeit ist gar nicht so selten. Und wer es nicht verträgt, kann mit einem Titan-Implantat heftige Nebenwirkungen erleiden. Doch es fängt bereits bei dem Lebensmittelzusatzstoff Titanoxid an… Wie giftig ist das Metall wirklich? Foto: CCO/pixabay.com/qimono

Titan gilt für Mediziner als der Superwerkstoff. Gleich, ob Zahn-, Hüft-, Knie- oder andere Gelenksimplantate und Schrauben für das Fixieren komplexer Brüche – Titan ist ein beliebtes Metall für die Fertigung von Implantaten. Auch die Lebensmittel- oder Kosmetikindustrie nutzt es fleißig. Doch nicht jeder verträgt es und Auswirkungen auf die Gesundheit können massive Folgen haben.

Titan gilt als gut verträglich und unbedenklich, wenn es dauerhaft im Körper für Implantate eingesetzt wird. Das Prädikat „gut verträglich“ erhält es, da es keine nachweisbaren Allergien auslöst.
Die DGUHT, Deutsche Gesellschaft für Umwelt- und Humantoxikologie, sieht das mit der Verträglichkeit aber anders. Und deren Auffassung ist auch belegbar. Dass Titan im Körper nicht gerade gut für die Gesundheit ist, fängt bereits bei der Verwendung in Lebensmitteln, Kosmetika oder Arzneien an. Hier finden winzig kleine Titanoxid-Partikel mehr und mehr Verwendung.

Titanoxid: Zusatzstoff mit Nebenwirkungen

Als Lebensmittel- und Kosmetikzusatzstoff wird gerne Titanoxid (E 171 bzw. CI 77891) verwendet. Der Stoff, gerne in Nanogröße, wird in vielen Produkten eingesetzt, um sie weißer zu machen. Dies reicht vom Kaugummi und –Dragees, über zahlreiche Backwaren und Süßigkeiten bis hin zur Zahnpasta, der Sonnencreme oder Arzneimittel. Als Zusatzstoff zwar zugelassen, doch es ist, vor allem in Nanogröße, erwiesen, dass es sich im Körper ablagert. Von Immunsystemschwächung bis zum Verdacht, Krebs zu erregen lauten die teils durch Studien belegten Theorien.

Im Tierversuch kamen zudem Darmentzündungen hinzu und eine Vorstufe von Karzinomen wurde in einer im Magazin Nature veröffentlichen Studie nachgewiesen.

Ein Umstand, laut dem es im Ärzteblatt heißt, dass Gesundheitsgefahren für Darmpatienten bestünden. Patienten mit chronischen Darm¬er¬krank¬ungen wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa sollten laut der Meinung von Gastroenterologen das darmgängige Titanoxid meiden. Denn aufgrund der Darmschädigung würden Titanpartikel in die Blutbahn gelangen und sich beispielsweise in der Milz ablagern.

Leider bewirkt Titan im Körper auch noch andere Symptome. Das haben die im November 2018 veröffentlichten Implant-Files ebenso belegt, wie auch die Untersuchungen des DGUHT.

Vom Zusatzstoff zum bedenklichen Implantat?

Und wie sieht es nun mit den Implantaten aus? Titanimplantate, aber auch Schrauben und Platten aus Titan, sind alles andere als unbedenklich. Aus medizinischer Sicht geht man davon aus, dass etwa 15 % der Deutschen Titan nicht vertragen. Man spricht hier von einer Titan-Unverträglichkeit, die genetisch bedingt ist. Diese Unverträglichkeit muss sich aber nicht unbedingt gleich, im Fall der Prothese, in einer direkten Abstoßungsreaktion des Implantates äußern. Folgen können auch erst nach Jahren und mit weitreichenden Auswirkungen für die Gesundheit auftreten.
Titan im Körper, nicht nur am künstlichen Gelenk

Schulmedizinisch belegt ist, dass Knochenmaterial rund um das Implantat und auch regionale Lymphknoten mit Titan angereichert sind. Es wird allerdings von Institutionen wie der DGUHT stark vermutet, dass sich das Titan der Prothese praktisch im ganzen Körper verteilt und dieser irgendwann auf das Metall mit Entzündungen reagiert.

Diese Ablagerungen waren gerade in der Vergangenheit verstärkt der Fall, als reine Titanprothesen eingesetzt wurden, die einen deutlichen Abrieb aufwiesen. Heute wird standardmäßig mit Titanprothesen gearbeitet, die einen Kunststoffkopf besitzen, in selteneren Fällen einen aus Keramik. Auch hier sei eine Zersetzung des Metalls nach wie vor gegeben.

Zudem wird diskutiert, ob Titan-Implantate auf Dauer – wie andere Metalle, etwa Aluminium im Körper – die vermehrte Bildung von Freien Radikalen fördern. Auch das Immunsystem soll so geschwächt werden und Titan soll die Blut-Hirnschranke überwinden können, nicht nur mit Auswirkungen auf die Psyche – Stichwort: Depressionen.

Weiterhin wird vermutet, dass zahlreiche Autoimmunerkrankungen wie Morbus Parkinson und Multiple Sklerose durch Titan im Körper gefördert werden. Bluthochdruck, Arteriosklerose, andere Herzerkrankungen oder Rheuma sind weitere, massive Beschwerden, die durch den entzündlichen Prozess ausgelöst werden können, schreiben die Fachleute des DGUHT.

Bei der eine Million jährlich gesetzten Zahnimplantaten sieht es nicht anders aus. 20 – 22 Prozent der Implantatträger sollen im Laufe der Jahre an einer sogenannten Periimplantitis erkranken. Dies ist eine Entzündung im Gewebe rund um das Implantat, dass zu Knochenschwund führt. Periimplantits ist schwer zu behandeln und die Kosten trägt ein gesetzlich Versicherter in der Regel selbst. (Mehr Informationen hierzu im unten aufgeführten Link.)

Test auf Titan-Unverträglichkeit möglich

Ob man Implantate aus Titan verträgt oder nicht, wird in der Medizin mit dem „Titan-Stimulationstest“ bewertet. Dieser wird mit einem Vollbluttest im Labor durchgeführt. Wer auf einer Skala von 0 – 4 mit 2 bis 4 im Test abschneidet, ist ein Patient, der ein Implantat abstoßen könnte. Der Test wird mit ein paar wenigen Millilitern Blut durchgeführt, die, im Labor mit Titan in Kontakt gebracht, sofort zeigen, ob ein Mensch Titan in seinem Körper „duldet“ oder darauf reagiert.

Dieser Test ist allerdings eine Privatleistung – Kosten um die 100 Euro –, die nicht standardmäßig vor dem Setzen eines Implantates, von Titanschrauben oder -Platten durchgeführt wird. Bei starken Entzündungen und Abstoßung wird oft erst im Nachhinein der Titan-Stimulationstest auf eine Unverträglichkeit durchgeführt. Nicht nur für den Laien unverständlich, denn, einmal abgesehen von der Gesundheit der Patienten, kostet beispielsweise eine Hüft-OP etwa 10.000 Euro.

Alles über Titan-Implantate, mögliche und nicht so seltene Nebenwirkungen, das von Gesundheitsminister Spahn geplante Implantat-Register und mehr lesen Sie in dem Beitrag „Mangelhafte Implantate & Register für humane Ersatzteile“.

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