Unfälle im Alter: Risiko im Haushalt besonders hoch

Unfälle von Senioren: Unfall im Haushalt am häufigsten

Unfälle im Haushalt sind die zweithäufigste Unfallursache. Senioren sind häufig betroffen. Die Zahlen, Tipps zur Unfallprävention und zu Modernisierungsmaßnahmen. Foto: © Fotolia.com – WavebreakmediaMicro

Die meisten Unfälle passieren im Haushalt und besonders im Alter. Häufiger Grund: Die eigenen vier Wände sind nicht altersgerecht. Statistiken, erstaunliche Zahlen, einfache Tipps zur Vorbeugung und für Modernisierungsmaßnahmen, die der Unfallprävention von Senioren dienen.

Unfälle von Senioren im Straßenverkehr

Immer wieder heißt es, dass Senioren häufig Unfälle auf deutschen Straßen verursachen und regelmäßig wird diskutiert, ob man ihre Fahrtauglichkeit überprüfen sollte. Tatsächlich verursachten 2015 Verkehrsteilnehmer in der Altersgruppe 75-plus etwa 15.700 Unfälle. Dagegen wurden von der Altersgruppe der 18- bis 24-Jährigen über 41.300 Unfälle verursacht.

Allerdings sind Senioren stärker von Unfallfolgen betroffen. So verstarben über 1.000 Senioren 2015 bei einem Unfall, dagegen knapp 500 der jungen Verkehrsteilnehmer. Nicht ganz 3.500 Menschen ließen 2015 insgesamt im Straßenverkehr ihr Leben. Und diese Tendenz ist seit Jahren rückläufig. 2017 waren es 3.177 (Quelle: Destatis).

Insgesamt 388.219 Menschen wurden im gleichen Jahr auf Deutschlands Straßen verletzt. Dies ist allerdings nur ein Bruchteil derer, die sich rund um den Haushalt verletzen.

 

Unfall im Haushalt: Zahl der Verletzten hoch

Die Verletztenquote auf Deutschlands Straßen ist nichts im Vergleich zu den Unfallzahlen im Haushalt. So wird die Zahl der Verletzten durch Unfälle im Haushalt für 2015 auf jährlich 3,15 Mio. Menschen beziffert. Tendenz steigend. Haushaltsunfälle machen 39,9 % aller Unfälle in Deutschland mit Verletzungsfolge aus. Lediglich die Zahl der Verletzten bei Freizeitaktivitäten ist mit 3,89 Millionen Menschen höher. Bei Freizeitunfällen werden allerdings auch Verkehrsunfälle wie der Sturz vom Fahrrad einkalkuliert, der nicht von Unfallstatistiken erfasst sind.

Zwar passieren die meisten Haushaltsunfälle in der Küche, doch zum Glück gehen hier die Missgeschicke wie Verbrühungen oder Schnittwunden meist glimpflich aus.

Stürze gehören im Haushalt ebenfalls zu den häufigsten Unfallursachen im Haushalt. Allgemeine Unachtsamkeit, Hausschuhe mit wenig Halt, mit denen man etwa Treppen hinabstürzt, schlechte Beleuchtung bei denen man Stolperfallen übersieht, waghalsige Konstruktionen, um an schwer zugängliche Stellen im Haushalt zu kommen, oder glatte Böden und Badunfälle zählen hier zu den Ursachen.

Die überwiegende Mehrheit der Unfall- und Sturzopfer im Haushalt sind Senioren. Bei ihnen ist oft ein Mangel an Beweglichkeit und Gleichgewichtssinn und fehlende Muskel- und Sehkraft eine Ursache. Allerdings sind es auch die Mängel in der Wohnung oder dem direkten Umfeld, Stichwort „Barrierefreiheit“, dafür verantwortlich, dass ältere Menschen Haushaltsunfälle erleiden. Durch fehlendes Reaktionsvermögen und weniger stabile Knochen gehen die Unfälle von Senioren auch im Haushalt nicht immer glimpflich aus.

Sturzzahlen bei Senioren besonders hoch

Unabhängig vom Unfallort, sind die Zahlen gefallener Senioren sprichwörtlich bestürzend. Laut der Studie „Gesundheit und Krankheit im Alter“* sollen in der Altergruppe der 65- bis 79-Jährigen jährlich rund ein Drittel stürzen. Jeder Zweite über 80 stürze laut Statistik mindestens ein Mal im Jahr. Es wird geschätzt, dass es unter Senioren zu 5 Millionen Stürzen jährlich kommt. Weiter wird geschätzt, dass es bei jedem 5. – 10. Sturz zu ernsthafteren Verletzungen kommt. Man geht davon aus, dass 6 – 7 % der Gestürzten einen Bruch erleiden, 1 – 2 % hierunter den Klassiker: Einen Oberschenkelhalsbruch.

Insgesamt 300.000 Senioren haben nach einem Sturz einen Krankenhausaufenthalt.

90 Prozent der Unfälle von Senioren geschehen übrigens Zuhause und in der Freizeit. (Quelle: Öffentliches Gesundheitsportal Österreichs Gesundheit.gv.at).

Unfall im Haushalt oft im Bad

Unfälle im Bad, die mit Verletzungen enden, stehen weit oben in der Liste der Haushaltsunfälle. So sollen jährlich 250.000 Menschen im Bad einen Unfall erleiden. Und diese können bei Stürzen schwerwiegend sein. Auch hier ist ein Mangel an Barrierefreiheit gerne der Grund für Unfälle. Glatte Fußböden, der rutschige Badteppich, Kletteraktionen in eine nicht bodengleiche Dusche oder in die Badewanne und fehlende Haltegriffe sind hier als Ursachen zu nennen.

Bedauerlicherweise enden viele Unfälle im Haushalt mit gravierenden Verletzungen und manchmal auch tödlich. Neben Freizeitunfällen zählen die Haushaltsunfälle zur Todesursache Nummer Zwei der Unfälle in Deutschland.

Mehr Tote durch Unfall im Haushalt, denn auf der Straße

Unfall im Haushalt – 9.818 Menschen starben 2015 bei Unglücken Zuhause, titelt die FAZ. Das ist annähernd das Dreifache der viel häufiger zitierten 3.459 Unfalltoten auf deutschen Straßen. Hauptursache sind laut Statistischem Bundesamt Stürze. 8.408 Menschen kamen in einem Jahr durch Stürze im Haushalt ums Leben.

Die Zahlen sind nach Altersgruppen erfasst und steigen ab der Gruppe der 55 – 65-Jährigen (362 Todesfälle) rapide an. In der nächsten Gruppe der bis 75-Jährigen waren es bereits 765 Fälle, alle tödlichen Stürze über dieser Altersgrenze werden mit 7.062 beziffert. 83 % der tödlichen Haushaltsunfälle entfallen damit auf Menschen jenseits der 55, alleine 72 % auf die Altersgruppe jenseits der 75 Jahre.

Während 5 % der tödlichen Unfälle von Senioren auf der Straße passieren, sind es 17 % im eigenen Garten. Und alleine 12 % der Unfälle von Senioren mit Todesfolge geschehen im Badezimmer.

Altersgerecht umbauen: Vorbeugen statt nachsehen

Auch wenn ein Sturz im Haushalt nicht gleich zum Tod führt, Präventivmaßnahmen mit einer barrierefreien Wohnung zu treffen, sind sinnvoll. Auch und gerade im Alter. Das Argument älterer Menschen „das lohnt sich nicht mehr“, ist, in Anbetracht der im Alter sinkenden Mobilität und damit der rapide steigenden Unfallgefahr, falsch.

Nicht nur, dass ältere Menschen schwerere Verletzungen durch einen Sturz davontragen können, auch die seelischen Folgen, wie Angst vor Aktivität und eine gesteigerte Unsicherheit sind Variablen, die das Sturzrisiko für die Zukunft erhöhen.

Einfache Maßnahmen können hier bereits viel bewirken. So sollten Stolperfallen wie Kabel oder Teppiche ohne rutschhemmende Unterlagen oder besonders dicke Bodenbeläge sollten entfernt werden.  Steig-, Steh- und Aufstehilfen – Beispiel Toilette –, Griffe in der Badewanne oder Dusche sind ebenso einfache wie schnell angebrachte Maßnahmen zur Unfallprävention. Auch die richtige Beleuchtung, am besten noch mit Bewegungsmelder, ist zur Unfallprävention wichtig. Und wenn das eine oder andere Möbelstück den Gang durch Räume zum waghalsigen Hindernislauf macht, dann sollte hier mal ein Schrank oder Sessel weichen.

Schwieriger und aufwändiger wird es, wenn bauliche Maßnahmen nötig sind. Treppengeländer – am besten auf jeder Seite eines anbringen, etwa im Einfamilienhaus –,  rutschhemmende Bodenbeläge, das Entfernen von Türschwellen, bis hin zu Umbauten von Bädern oder Wohnräumen sind hier in Betracht zu ziehen.

Hierzu gibt es Förderprogramme der bundeseigenen KfW-Bank. Das Programm „Altersgerecht Umbauen“ etwa bietet zinsgünstige Kredite. Aber auch Zuschüsse von bis zu 6.250 Euro werden für solche Vorhaben gewährt. Mehr hierzu in unserem Beitrag Altersgerecht Umbauen wird gefördert: Wohnung & Haus rechtzeitig barrierefrei. Nebenbei darf man die Tatsache der Wertsteigerung einer meist in die Jahre gekommenen Immobilie nicht vergessen und unterschätzen.

Zudem: Auch wenn sich viele Senioren dagegen sträuben, ein Hausnotruf kann bei einem Unfall im Haushalt lebensrettend sein. Ausführliche Informationen zu dem Thema gibt es hier.

Unfallversicherungen für Senioren

Zahlreiche Versicherer bieten eine Senioren-Unfallversicherung an, die unter Umständen eine wichtige, auch finanzielle, Absicherung im Alter bietet. Das Regelwerk zahlreicher Versicherer ist allerdings kompliziert. Und viele Stellen jede Menge Bedingungen, machen Ausschlüsse oder haben unterschiedliche Altersgrenzen.

Die Ratingagentur Franke und Bonberg hat die wichtigsten Versicherer unter die Lupe genommen. Hier schneidet beispielsweise der Vorsorgespezialist Stuttgarter Angeboten mit  „hervorragend“ ab.

*Quelle: Gesundheit und Krankheit im Alter. Herausgeber: Karin Böhm, Statistisches Bundesamt/ Clemens Tesch-Römer, Deutsches Zentrum für Altersfragen/ Thomas Ziese, Robert Koch-Institut

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