Urban Farming: Warum Zukunft der Lebensmittel-Produktion in der Stadt liegt

Plantagon Vertical Farming Landwirtschaft der Zukunft

Urbane Landwirtschaft, also Urban Farming, ist auf dem Vormarsch. Entwickler klügeln immer intelligentere Technologien aus, um im urbanen Umfeld hoch effektiv Gemüse und Obst anzubauen. Und das Ganze auch noch umweltfreundlich. Illustration Plantagon/Sewco (Creative Commons Attribution)

Die Weltbevölkerung wächst, die Städte werden größer und gleichzeitig steht die konventionelle Landwirtschaft in der Kritik, stößt zumindest zukünftig an ihre Grenzen. Die Lösung: Urban Farming. Wo und warum immer mehr Obst und Gemüse frisch in der Stadt wächst und noch viel mehr wachsen wird.

Vom urbanen Gärtnern zum professionellen Obst- und Gemüseanbau in der Stadt

Urban Farming, Vertical Farming oder einfach nur urbane Landwirtschaft sind die professionellen Varianten des sehr beliebten Urban Gardenings. Urban Gardening gibt es strenggenommen schon lange. Spätestens mit dem Wachstum der Städte, insbesondere mit beginnender Industrialisierung, entstanden Bereiche mit Gärten, in denen sich die Bevölkerung für die Selbstverpflegung Obst, vor allem aber Gemüse anbaute. Und noch heute gibt es diese Gärten. Die wieder in mode kommenden Schrebergärten.

Das eigentliche Urban Gardening, also was man hinter dem englischen Begriff versteht, entwickelte sich in den 1970er Jahren in New York. Hier entstanden sogenannte ‚community gardens‘, ehemalige Brachflächen, die zu gemeinschaftlich bewirtschafteten Gärten wurden. New York hat hiervon allein 600 Stück und jährlich kommen etwa 10 hinzu. Was früher alles andere als legal war und allenfalls geduldet, findet heute unter städtischer Unterstützung sogar eine Ausweitung. Teilweise werden die hier produzierten Lebensmittel sogar in Greenmarkets im eigenen Viertel verkauft.

Die Professionalisierung dessen findet man im Urban Farming, der urbanen Landwirtschaft. Hier wird auf Industrie-, Bürogebäude- oder Wohnhausdächern weniger ohne, meistens eher mit Gewächshäusern Obst und Gemüse angebaut. Etwas abhängig von der Klimazone und den Bedingungen vor Ort, meist das ganze Jahr.

Getoppt wird dieses Urban Farming von vertikalen Farmen (engl. Vertical Farming). Dies sind Obst- und Gemüsebauanlagen inmitten der Stadt, die in die Höhe ihre „Feldfrucht“ anbauen. Das sind Hochbeete, die übereinander liegen, teils mit Motorantrieb, sodass die Pflanzen immer ausreichend Licht erhalten, teils terrassenförmig angelegt. Doch, es geht auch völlig ohne Tageslicht, wie ein Londoner Projekt, Growing Underground, im Verlauf des Textes noch zeigt.

Die Gesellschaft wächst, Lebensmittel werden knapp, das Klima benötigt Schonung

Urbane Landwirtschaft ist weit mehr als Anbau in einem Gewächshaus

Urbane Landwirtschaft ist weit mehr, als der Obst- und Gemüseanbau in einem Gewächshaus. Foto: pixabay.com/wiselywoven

Heute sind wir bereits an dem Punkt angelangt, dass die Hälfte aller 7,5 Milliarden Menschen auf der Erde in Städten leben. Und die Urbanisierung geht weiter. So schätzt die UNO, dass bis zum Jahre 2050 etwa 10 Milliarden Menschen auf diesem Planeten leben und bis zu 80 Prozent im urbanen Umfeld wohnen.

Leider herrscht heute bereits ein globaler Mangel an Anbauflächen, es wird diskutiert, ob es nicht sinnvoller ist, dass Getreide und Gemüse auf Feldern  stehen sollten, anstatt Rinder, die auf Steppen stehen, die einst Wälder waren (so in Südamerika). Überdüngte Monokulturen bestimmen nicht nur hierzulande das Landschaftsbild und auf den Äckern werden üblicherweise mit Hybridsaatgut, jeder Menge Pestizide und Kunstdünger nicht selten zweifelhafte Lebensmittel angebaut. Dann wird mit dem Ergebnis nicht selten auf globalen Märkten spekuliert und Vieles davon wird um den halben Globus geschippert. Alles Verfahren und Maßnahmen, die nicht erst seit heute in der Kritik stehen. Mehr zum Thema lesen Sie hier: Status Quo und warum die Landwirtschaft sich ändern muss.

Wächst dann noch die Bevölkerung ziemlich sicher rasant, vergrößern sich Metropolen zu urbane Megacities und steigt hierfür der Flächenverbrauch, dann kann es eng werden. Klar, Lebensmittel könnten weiter aus fernen Ländern herbeigekarrt oder gar mit dem Flieger knackfrisch einfliegen, nur, da war dann noch das Klima.

Und dann wird global auch noch etwa ein Drittel der Lebensmittel irgendwo zwischen Acker und Teller und aus verschiedenen Gründen vernichtet oder weggeworfen. Und sei es einfach, weil es nach seiner langen Weltreise, einem tristen Dasein in der Gemüseauslage oder aufgrund von Vergesslichkeit im heimischen Gemüsefach des Kühlschranks einfach nicht mehr schön aussieht.

Eine Besserung all der Umstände scheint nicht wirklich in Sicht, also eine völlige Umkehr, wie es einige wenige fordern.

Wie war es denn vor gar nicht allzu langer Zeit? Es gab jede Menge kleiner Bauern, die mit viel Fleiß und Handarbeit auf durchschnittlich unter 2 Hektar Land ihre Parzellen bearbeiteten. 60 Prozent der Menschen gehörten damals zur Bauernschaft. Und wer selbst kein Bauer war, der baute sich doch meist noch etwas hinter dem Haus im schönen Gärtchen etwas an.

1975 waren es noch 905.000 landwirtschaftliche Betriebe, 2019 derer nur noch 266.000. Sie ackern auf immer größeren Flächen. Waren es 1949 lediglich 10 Leute, die ein angestellter auf einem Bauernhof ernährte, sind es heute 100 Personen. Sofern etwas Essbares angebaut wird. Und dennoch: Es reicht beileibe nicht, was die deutschen Bauern der Bevölkerung anbauen. Zumal der Konsum nur allzu selten regional und saisonal ist.

Mit dem Wachstum der Städte, sinkt allmählich die landwirtschaftliche Fläche. Und die verbliebene Fläche ist wertvoll, wie es nicht zuletzt Grundstückspreise in Citynähe heute schon belegen. Was darauf angebaut wird, wird nicht immer gegessen, sondern geht durchaus mal in die wachsende Tiermast. Und viele wollen heute die Lebensmittel aus konventioneller Landwirtschaft auch gar nicht mehr essen. Bio ist im Trend.

Doch, es gibt eine Lösung, die vor allem im urbanen Umfeld etwas bewirken kann. Die urbane oder vertikale Farm. Ihre Anbaumethode, ja, ihre schiere Existenz inmitten seiner Konsumenten birgt zahlreiche Vorteile.

Die Vorteile von Urban Farming

Die Versorgung der Menschen mit Lebensmitteln Urban Farming macht es möglich

Die Versorgung vor allem der Menschen in wachsenden städtischen Lebensräumen mit Lebensmitteln: Urban Farming macht es möglich. Foto: Pixabay.com/ElasticComputeFarm

Dicht bebaut und es wird nicht weniger. Städte wachsen und wachsen, Raum für essbares Grün ist hier Mangelware. Urban Farming, vor allem aber das Vertical Farming auf mehreren Ebenen, kann hier Abhilfe schaffen. Die Produktivität einer vertikalen Farm ist, je nach Anbauklima und System, bis zu 10-Mal höher als in der konventionellen Landwirtschaft. So wird der Flächenverbrauch minimiert. Mehr noch: Oft befindet sich die urbane Landwirtschaft auf Dächern von Bürogebäuden oder Industriebetrieben, die vorher nicht genutzt wurden. Auch und gerade, weil hier alles unter optimalen Bedingungen und viel, viel schnell wächst.

Dabei werden zwischen 70 und 90 Prozent des Wasserverbrauchs eingespart, verglichen mit der normalen Landwirtschaft. Weniger Verdunstung, aber auch die geschlossenen Wasserkreisläufe, die in der Regel bei hydroponischem oder aquaponischem Anbau (Anbau ohne Erde, mit Pflanzmedium wie in Hydrokultur oder rein im Wasser mit Nährstoffen) zum Einsatz kommen.

Die Produktion geschieht in den überwiegenden Fällen unter Schutz. Entweder in Gewächshäusern oder sogar innerhalb von Gebäuden.

Transporte und energieintensive, lange Kühlketten entfallen praktisch. Die produzierte Ware wird zeitnah und Vorort gehandelt und konsumiert.

Durch die unvergleichliche Frische (mehr Mineralien und Vitamine inklusive) und die Nähe zum Verbraucher halten die Lebensmittel aus der Urban oder Vertical Farm vergleichsweise lange.

Pestizideinsatz ist hier, ebenso wenig, wie der Einsatz von umweltschädlichem Kunstdünger (in den wohl allermeisten Fällen) kein Thema.

Idealerweise wird mit Vertical Farming die Stadt ein wenig begrünt. Offene Betonflächen dagegen minimiert. Jene Flächen, die zusammen das Stadtklima laut den Forschern des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) mittels dem sogenannten Inseleffekt um 4 bis 6 Grad steigen lassen; verglichen mit dem Umland ringsherum.

Schließlich produzieren die Pflanzen Sauerstoff. Ein nicht zu unterschätzender Effekt für die städtische Luftqualität, hätte man hie Urban oder Vertical Farming-Anlagen. Ein im Folgenden beschriebenes Projekt sieht vor, dass der Gemüsesauerstoff nachhaltig ein Bürogebäude belüftet‘.

Ein Problem, gerade wenn wir auf mitteleuropäische Länder schauen, gibt es doch: Licht und Temperaturen sind nicht immer für den Ganzjahresanbau gegeben. Doch die Macher und jene, die die Urban Farms entwickeln, finden da auch Lösungen.

Ein paar Urban Farming-Projekte im Focus. Das erste steht gleich in Berlin.

Urban Farming in Berlin: Von Buntbarschen und Basilikum

ECF Farm in Berlin baut für eine Supermarktkette in ihrer Urban Farm jährlich 400.000 Töpfe Basilikum an

Ein junges Berliner Unternehmen, ECF Farm, baut mitten in der Stadt Unmengen an Basilikum für den Handel vor Ort an (nicht auf dem Bild: Es gibt auch Bereiche mit vertikalem Anbau). Foto: © ECF Farm

ECF Farmsystems ist Entwickler und Betreiber von Urban Farming-Projekten. Referenzen der Farmbauer gibt es bis dato in der Schweiz und in Belgien, doch auch eine eigene, 1.800 m² große Urban Farm betreiben die Macher in Berlin-Schöneberg. 2015 ginge s los mit dem Gemüseanbau mit Aquaponik. Aquaponik setzt auf ein geschlossenes Wasserkreislaufsystem, in dem Fische in großen Tanks, hier Buntbarsche, gezüchtet werden. Deren verunreinigtes Wasser (perfekte Düngewirkung) fließt durch die Pflanzenzucht, wird hierdurch gereinigt, da die Pflanzen die Nährstoffe aufnehmen.

Anfangs hat die Schöneberger Urban Farm noch allerlei Gemüse angebaut – bis zu 35 Tonnen im Jahr, bei der gleichzeitigen Produktion von 30 Tonnen Fisch –, heute ist es ausschließlich Basilikum. Die Jahresproduktion liegt bei 400.000 Töpfen mit Basilikum, die für den regionalen Einzelhandel im Jahr produziert werden.

Zudem hat jeden Donnerstagmittag der Hofladen für den Verkauf an Privatkunden geöffnet. Führungen auf Anmeldung gibt es am gleichen Tag. Infos unter: ECF Farmsystems.

Von wegen Sonne: Vertical Farming im Londoner Luftschutzbunker

Urban Farming Growing Underground

30 Meter unter der Erde Gemüse anbauen, dass im Idealfall 4 Stunden nach der Ernte auf dem Teller liegt? Heute geht so vieles. Foto: © Zero Carbon Food ZCF/Growing Underground/Flickr

Bis zu 8.000 Menschen hätte der Luftschutzbunker im Londoner Stadtteil Clapham 33 Meter unter der Straße Schutz bieten können. Doch nun hat, zumindest ein Teil davon, eine ganz andere Aufgabe. Hier werden in einer kleinen vertikalen Farm unterirdisch Salate, Blattgemüse und Microgreens angebaut.

Die endlosen Reihen mit bepflanzen Regalen profitieren von dem ganzjährig angenehmen Klima unter der Erde, Regal und Regal, Beet um Beet werden mit energiesparenden LEDs mit Ökostrom befeuert. Die Produktion des Gemüses geschieht CO₂-neutral.

Das Grün aus dem Bunker gibt es in zahlreichen Geschäften in der Stadt, bis hinauf nach Nordengland und runter auf die Kanalinseln. Kunden in London können im Idealfall knackfrische Ware kaufen, die maximal vier Stunden vorher geerntet wurde. Mehr Infos unter Growing Underground.

Neueröffnung: Die größte vertikale Farm in Paris

Nur einen kurzen Fußmarsch vom berühmten Eifelturm entfernt eröffnet im Frühjahr 2020 in einer der am dichtesten bebauten Städte Europas das größte Vertical Farming-Projekt der Welt seine Gartentür.

Dieses Großprojekt für City-Gemüse (und Obst) entsteht auf dem riesigen Kongresszentrum Paris Expo Porte de Versailles. Aus einer großen Sortenvielfalt soll es dann täglich 1.000 Kilo frisches Obst und Gemüse geben. Es werden etwa 30 alte Obst- und Gemüsesorten in kleinen Pflanzöffnungen in hohen Türmen angebaut (eine Form des Vertical Farming) angebaut und für die Insekten wie Bienen gibt es Blühflächen.

Die Produkte, die insgesamt 20 Gärtner anbauen, werden an Gastronomiebetriebe verkauft. Aber auch die Pariser können sich die Frischeprodukte kaufen. Noch frischer kann die Ernte im eigenen Restaurant verspeist werden. 140 Kleingärten für Privatleute, Events, Führungen und Teambuilding-Maßnahmen runden das grüne Angebot. Der Betreiber Viparis, Spezialist für Events wie die Pariser Klimakonferenz, hat sich für die Eventsparte und den Anbau die Firmen Cultures en Ville und Agripolis, ein Spezialist für urbane Landwirtschaft, ins Boot geholt.

Man darf gespannt sein, wie lange diese Freiluftfarm die größte bleiben wird. Die Ideen gehen jedenfalls in eine andere Richtung wie die folgenden Projekte zeigen.

Paris Expo Porte de Versailles.

Singapur: Sky Greens, wo Vertical Farming fehlende Anbaufläche ersetzt

Sky Greens, Singapur, ist ein Vorreiter in Sachen Aquaponik-Anbau. In einer vier Hektar großen vertikalen Farm wird seit 2012 wiederum eine Fischzucht betrieben, die ein geschlossenes Gemüseanbausystem nährt.

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Design and Climate Change – 4. How would you design a clean, reliable source of fresh fruit and vegetables in a place like Singapore where land is so scarce that conventional methods of farming are impossible? After years of experiments, a Singaporean inventor Jack Ng devised a solution in the Sky Greens high rise vertical farming system, which grows nai bai, Chinese cabbage and other Asian vegetables in the troughs of huge rotating A-frame structures that occupy very little ground space but stretch up skyscrapingly high. A winner of this year’s INDEX: Design to Improve Life awards, Sky Greens already sells its produce – grown with minimal water and energy – to local supermarkets, thereby saving them from wasting fossil fuel by flying in imported vegetables. #design #climatechange #cop21 #unclimatechangeconference #skygreens #jackng #verticalfarming #indexaward2015

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Singapur ist ein Kleinstaat, der nicht sonderlich viel Fläche für Landwirtschaft hat. Die Konsequenz: Jede Menge Lebensmittel werden vornehmlich aus China importiert. Per Schiff oder, besonders frisch, mit dem Flieger.

Erfinder und Gründer von Sky Greens, Herr Jack Ng, wollte das ändern. Und schaffte es mit seinem ausgeklügelten System aus A-förmig aufgebauten Türmen (9 m hoch) dessen Beete den ganzen Tag rotieren, um jedem Pflänzchen die gleiche Menge an wachstumsförderndem Tageslicht zu gönnen.

Und ein Vergleich begeistert: Dank dem optimalen Klima können die wenigen Bauern in Singapur 200 Tonnen Lebensmittel pro Hektar und Jahr produzieren. Die vertikale Farm Sky Greens toppt dies leicht, denn mehr als 1000 Tonnen Lebensmittel können hier jährlich auf einem Hektar wachsen.

Damit produziert eine einzige Anlage vier Prozent der im Kleinstaat benötigten Lebensmittel, der 5,6 Millionen (etwa wie New York) Einwohner zählt und als eine der dichtesten besiedelten Flächen der Welt gilt.

Sky Greens

Optimierte Pflanzenzucht in New Jersey

Bowery The Modern Farming Company wirkt wie eine Kreuzung aus Fabrik und Labor. In einer hoch automatisierten Vertical Farm vor den Toren New Yorks wächst erneut jede Menge Essbares auf kleinstem Raum und unter optimalen Bedingungen.

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We’re showing the air we care this #worldenvironmentday and joining @unenvironment to #beatairpollution 🤛🌍. Here’s what Bowery staffers are doing to celebrate Mother Earth: Buy local 🌱: Limit transport emissions by purchasing food grown close to home. Fight food waste ❌: From 2000 – 2012, waste generated in cities doubled.⁣ It’s expected to nearly double again to 2.2 billion tonnes by 2025. ⁣Waste contributes to air pollution through methane emissions from organic waste and from burning of waste 🔥. Be a clean transport champion 🏆: Move mindfully by cycling, walking, or taking public transportation to work. Support the preservation of #forests 🌲: We no longer have to tear down forests to plant crops! Let’s grow smarter (pun intended) and use existing spaces to preserve our forests, which store more than one trillion tonnes of carbon.

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100 Mal mehr Gemüse könnte in der Browery-Vertical Farm wachsen, als auf einem konventionellen Acker. Derzeit sind etwa 20 Gemüsesorten im Anbau, beispielsweise verschiedene Blattsalate und -Gemüse, Kräuter und Microgreens. Doch das Sortiment soll wachsen. Was alles hinzukommen soll, das wird in Tests mit 100 Pflanzenarten derzeit überprüft. New York ist übrigens so etwas wie ein Mekka für urbane Landwirtschaft. Mehrere größere Anlagen produzieren hier urbanes Gemüse.

Und bei einer urbanen Farm soll es nicht bleiben. Hierzu steht den Gründern dank zahlreicher Geldgeber ein dreistelliger Millionenbetrag zur Verfügung. Hiermit sollen verbrauchernah weitere Produktionsstätten in den USA entstehen.

Bowery The Modern Farm Company

Plantagon vereint Bürogebäude mit Vertical Farming

Urban Farming Plantagon Bürogebäude trifft Urban Agriculture

Urban Farming trifft auf Bürogebäude und das auch noch in Schweden? Der Entwickler Plantagon baut gerade sein Referenzgebäude mit einer hochtechnisierten urbanen Landwirtschaft auf 17 Stockwerken, die an Büroräume angrenzt. Illustration: Plantagon/Sewco (Creative Commons Attribution)

Das schwedische Unternehmen Plantagon könnte die Stadtarchitektur und gleichzeitig die Versorgung mit Nahrungsmittel nachhaltig verändern. Denn das Unternehmen hat einen anderen Denkansatz. Es will Gebäude bauen, in denen etwa Bürogebäude mit ebenfalls hochautomatisierten Gewächshäusern kombiniert werden. Aber auch bestehende Gebäude könnten mit solch einem System erweitert, freier Raum in Parkhäusern oder der Lobby könnten für die Pflanzenzucht umgewidmet werden.

Derzeit befindet sich im schwedischen Linköpping solch ein Gebäude in der Umsetzung. Quasi angedockt an ein 17-stöckiges Bürogebäude wird hier ein ebenso hohes Gewächshaus, dass ganzjährige jede Menge Gemüse liefern soll. Bis zu 1,1 Millionen Pfund hiervon.

Da Schweden alles andere als ideale Kulturbedingungen bietet, vor allem, was die Temperaturen angeht, wird auf eine nachhaltige Energiegewinnung gesetzt. So wird beispielsweise Abwärme von Industriekomplexen das Vertical Farming-Gebäude ebenso erwärmen, wie Biogas aus einer nahegelegenen Anlage. Diese wird mit Pflanzenabfällen befüllt, die beim Anbau anfallen.

Und da ist noch der Faktor Sauerstoff. Davon produzieren die Pflanzen jede Menge. Dieser soll gezielt genutzt werden, um das Bürogebäude damit zu fluten. Das sorgt definitiv für ein gesundes Raumklima und hebt vielleicht sogar noch die Denkleistung der Mitarbeiter.

Plantagon

Vertical Farming gehört die Zukunft

95 Prozent des Wasserverbrauchs eingespart, 10 Mal mehr auf gleicher Fläche ernten, als die konventionelle Landwirtschaft, Luftverbesserung inklusive. Und das ohne im Labor optimiertes Saatgut, ohne jeder Menge Pestizid- und Kunstdüngereinsatz und all den anderen Problemen – mit dabei der Klimawandel –, die die Landwirtschaft heute hat.

Vertical Farming und die urbane Landwirtschaft sind längst keine Zukunftsmusik mehr und könnte für die Nahversorgung in der (nahen) Zukunft mehr als eine Alternative bieten. Das Know-how und die Technik sind bereits da und existierende Anlagen – gleich welches Konzept hier erfolgreich umgesetzt wurde – ebenso.

Zumal man zwei Dinge nicht vergessen darf… es geht nicht frischer und damit auch nicht gesünder. So wie die Gärtner in ihren einst üblichen Hausgärten, so wird auch hier verbrauchernah frisches Grünzeug geerntet und landet schnell auf einer steigenden Zahl von begeisterten Gaumen und gesättigten Mägen. Ohne zuvor umweltbelastende Fernreisen zu unternehmen.

Die andere Seite ist die der Bezahlbarkeit von gutem Essen. Nicht erst seit der Diskussion um die Billigprodukte in Deutschlands Supermärkten heißt es immer: Nicht jeder kann sich die wirklich guten, in jede Richtung verantwortungsvoll produzierten Lebensmittel leisten. Verbrauchernah produziert hat weitere Vorteile: Transportkosten entfallen praktisch und eine neue Form der (fast) Direktvermarktung mit den dann nicht mehr den Preis bestimmenden Zwischenhändlern. Das könnte die gesunden Lebensmittel der Vertical Farmer für jeden erschwinglicher machen.

Das alles macht die konventionelle Landwirtschaft nicht verzichtbar. Aber vielleicht hat der so arg gescholtene Ackerbau so auch eine Chance sich auf die Werte vergangener Tage zurückzubesinnen. In Sachen Turboerzeugung ohne Angst vor Verluste könnte so ein, dank der existierenden Entlastung durch Urban Farmer, ein Umdenken stattfinden, von dem auch wieder die Artenvielfalt profitiert.

Eines der Hauptprobleme: Die Anfangsfinanzierung der mehr oder minder hochtechnisierten urbanen Landwirtschaftsprojekte. Allerdings gibt es hier wohl jede Menge Geldgeber. So kassierte beispielsweise 90 Millionen Dollar über Fundraising. Weitere Millionen kamen durch namhafte Geldgeber und Kapitalgesellschaften (CEO von Uber, Alphabet, u.a.) hinzu. Auch und gerade, weil das Ganze ein großes Potenzial hat. Potenzial für eine eingreifende Veränderung.

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