Vitamin D: Alleskönner für die Gesundheit?

Vitamin D Mangel verantwortlich für viele Volkskrankheiten und Infektanfälligkeit

Vitamin D Mangel ist verantwortlich für viele Volkskrankheiten und Infektanfälligkeit. Und viele Menschen in unseren Breiten sind schlecht oder sehr schlecht damit versorgt. Ein Grund: Es fehlt ihnen Zeit in der Sonne. Foto: Pixabay.com/Innviertlerin

Vitamin D gilt als eines der wichtigsten Vitamine, um unser Immunsystem gegen Husten, Schnupfen, Heiserkeit zu stärken. Es sorgt aber auch dafür, dass wir so manche Volkskrankheit nicht bekommen, zumindest nicht in einem bedenklichen Ausmaß. Auch bei Covid-19 nimmt es eine sehr wichtige Rolle ein, die wissenschaftlich belegt ist. Was Viele nicht wissen und warum der Mangel weit verbreitet zu sein scheint.

Das „Sonnenvitamin“ Vitamin D₃

Vitamin D ist das „Sonnenvitamin“, genauer gesagt Vitamin D₃. Vitamin D₃ ist der wichtigste Vertreter unter den D-Vitaminen, den der Mensch selbst bilden kann. Unser Körper kann es bei Sonnenkontakt unserer Haut – ohne Lichtschutzfaktor darauf – selbst bilden und für die dunkle, kalte Jahreszeit sogar speichern. Und das ist auch gut so, denn es nimmt eine sehr wichtige Funktion im Körper ein. Sogar mehrere und ein Mangel macht uns nicht nur schlapp, müde und erkältungsanfällig, er kann auf Dauer sogar zu Depressionen führen. Deren kurzfristige Variante ist die Frühjahrsmüdigkeit und saisonale Depression im auslaufenden Winter. Dazu kommen weitere teils ernsthafte Symptome und Erkrankungen, die im weiteren Verlauf des Beitrags genannt werden. Eine davon, die wohl viele kennen ist die Osteoporose.

Doch Vitamin D erfüllt noch weitaus mehr Aufgaben. So sorgt es für die Produktion von Botenstoffen und Hormonen, spielt eine Rolle in der Blutdruckregulation oder ist an einer optimalen Muskel- und Nervenfunktion beteiligt.

Vitamin D durch Nahrung kaum ausreichend

Vitamin D ist nicht in vielen Lebensmitteln enthalten. Vor allem fette Fische wie Makrele, Hering oder Lachs enthalten eine vergleichsweise hohe Menge an Vitamin D, genauer eben das besagte Vitamin D₃. Weitere Lieferanten seien einige Speisepilze (nicht immer kultivierte Pilze), Eigelb und Margarine, als das einzige Lebensmittel in Deutschland dem dies zugesetzt wird.

Rein durch Lebensmittel wäre laut Deutscher Gesellschaft für Ernährung e.V. der Bedarf nicht zu decken.

Bilden wir in Mitteleuropa ausreichende Mengen des Sonnenvitamins?

Vitamin D Mangel verantwortlich für viele Volkskrankheiten und Infektanfälligkeit

Die meisten Menschen bekommen heutzutage nicht ausreichend viel Sonne ab, um das Sonnenvitamin in benötigten Mengen zu bilden. Foto: Pixabay.com/Silviarita

Laut einer Faustregel sollen 20 Prozent unserer Hautoberfläche (z. B. Gesicht, Arme und Hände) für 10, 12 (blasser Hauttyp) bis 120 Minuten täglich (sehr dunkler Hauttyp, alle mind. von April bis September) ungeschützt der natürlichen UV-Strahlung ausgesetzt werden. Dann würde man einen ausreichend hohe Vitamin D-Spiegel ganz natürlich erzielen.

Laut Gesundheitsmonitoring (2016) des Robert-Koch-Instituts besteht folgender Status Quo in der Gesellschaft: „Gemessen an ihren
Serumblutwerten sind 30,2 % der Erwachsenen (29,7 % der Frauen, 30,8 % der Männer) mangelhaft mit Vitamin D versorgt. Eine ausreichende Versorgung erreichen 38,4 % der Erwachsenen (38,6 % der Frauen, 38,3 % der Männer).“ Demnach sind weitere fast 32 % der Erwachsenen wohl gerade noch so mit dem wichtigen Vitamin D versorgt. Gut versorgt ist man 50 oder mehr nml/L (Nanomol pro Liter Blut). Als unterversorgt gilt man bei einem Wert unter 30 nml/L. Bei den 32 % lagen die Probanden auf den verbesserungswürdigen Werten dazwischen.

Zudem kommt der Faktor „Alter“ hinzu. Gerade ältere Frauen können kaum noch über die Haut Vitamin D bilden.

Bei Kindern sieht es nicht besser aus. In der EsKiMo-Studie mit Kindern zwischen den Jahren 2003 und 2006 wurde festgestellt, dass sie nur 30 Prozent der DGE-Empfehlung (siehe unten) aufnehmen, die neuere DONALD-Ernährungsstudie fand bei Kindern zwischen 1 und 12 Jahren heraus, dass 8 von 10 Kindern ein Defizit haben.

Generell ist ein Mangel aber kein Wunder. Gerade in der modernen Gesellschaft, die sich häufig in geschlossenen Räumen aufhält, etwa durch die vielen Arbeitnehmer, die tagtäglich im Büro oder anderen geschlossenen Räumlichkeiten arbeiten.

Viel Sonne und ein tägliches Sonnenbad sorgen für einen ausreichenden, einen gesunden Vitamin D-Spiegel. Und was kann ein Vitamin D-Mangel so alles auslösen?

Volkskrankheit Osteoporose durch Mangel an Vitamin D

Osteoporose ist eine Volkskrankheit. Jede vierte Frau (5,2 Mio.) über 50 und jeder 17 Mann (1,1 Mio.) in dieser Altersgruppe ist davon betroffen. Und 885.000 Menschen kommen laut Osteoporose.de jährlich hinzu. Warum? Um es einfach zu erklären: Die Dichte der Knochen nimmt ab, wodurch die Bruchgefahr steigt. Besonders betroffen ist hier der Lendenwirbelbereich, das Handgelenk und der Oberschenkelhals. Dies liegt grundsätzlich an Kalzium- und Vitamin D-Mangel.

Zum Kalzium: Die vom Körper benötigte Tagesdosis an Kalzium beträgt etwa 1.000 mg. Eine ausgewogene Ernährung kann in Sachen Kalzium sehr gut Abhilfe schaffen, doch nicht immer ist es einfach, dieses Niveau zu erreichen. Es wäre abgedeckt durch 5 Gläser Milch oder 300 Gramm Ölsardinen. Oder aber auch:

  • 1 Glas Milch
  • 1 Portion (40 g) Edamer
  • 4 Feigen
  • 6 Walnüsse

Dieses Kalzium kann der Körper aber nur aufnehmen, wenn ihm gleichzeitig ausreichend Vitamin D zur Verfügung steht. Bei Osteoporose-Patienten spricht man von täglich 800 – 1000 IE (Internationale Einheiten). Dies wäre eine ausreichende Menge. Aus den genannten Gründen – und die Zahlen der unter Osteoporose Leidenden bestätigen dies – ist spätestens in Sachen Vitamin D schnell ein Mangel vorhanden.

Mit Vitamin D seltener krank und gut durch die Pandemie

Erkältungskrankheiten sind durch schlechten Status schneller eingefangen als bei guten Werten. Regelmäßig mit Husten, Schnupfen und Heiserkeit geplagt zu sein, kann ein Indiz für einen Mangel sein.

Und auch bei Covid-19 wurden positive Effekte erkannt. Wichtig hierzu sind zwei Studien aus Israel, ein Land, in dem 80 Prozent der Bevölkerung laut einer Studie aus der Vor-Corona-Zeit – träfe für den ganzen Nahen Osten zu – einen Mangel an Vitamin D aufweisen. Diese Studie über Jahre wurde an 50.000 Menschen durchgeführt.

Die renommierte Bar Ilan University und das Galilee Medical Center veröffentlichen zudem Anfang 2022 im Magazin PLOS ONE eine von Fachleuten bestätigte Studie (Peer Reviewed), dass ein ausreichend hoher Spiegel an Vitamin D die Schwere einer Covid-19-Erkrankung deutlich mildern würden. Und dies unabhängig von Alter und Geschlecht. Hierzu wurden zum Beginn der Pandemie Daten erhoben, also zu einer Zeit, zu der es noch keinen Impfstoff gab.

„Was wir sehen, wenn Vitamin D Menschen mit COVID-Infektionen hilft, ist dies das Ergebnis seiner Wirksamkeit bei der Stärkung des Immunsystems im Kampf gegen virale Krankheitserreger, die die Atemwege angreifen“, sagte Studienleiter Dr. Amiel Dror gegenüber „The Times of Israel“.

Ergebnisse waren unter anderem, dass die Sterblichkeit um ein 13-faches höher war bei einer Infektion mit Covid und schlechtem Spiegel des Vitamin D. So verstarben lediglich 3 Prozent der Menschen, unabhängig vom Alter, bei guten Werten. 26 Prozent waren es bei schlechten Werten. Ähnlich sah es mit schweren Verläufen aus.

Herz-Kreislauf-Erkrankungen und andere Krankheiten begünstigt

Vitamin D Mangel verantwortlich für viele Volkskrankheiten und Infektanfälligkeit

So oft es geht Sonne tanken! Foto: Pixabay.com/52schnecke

Vitamin D hat wie erwähnt zahlreiche Funktionen im menschlichen Körper. Die Studienlage ist allerdings zweifelhaft beziehungsweise teilweise sehr schlecht, wie sehr ein Mangel manche Funktionen beeinflusst.

Laut der Wissensdatenbank Wikipedia kann ein Mangel an dem Sonnenvitamin folgende weitere Auswirkungen haben:

  • Muskelerkrankung/Myopathie
  • Bluthochdruck
  • Erkrankung an Diabetes Typ-1 und Typ-2
  • Autoimmunerkrankungen wie Schuppenflechte/Psoriasis
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • Schlafstörungen und Schlafapnoe
  • Haarausfall
  • Stimmungsschwankungen; in der kalten Jahreszeit die sog. „Winterdepression“
  • erhöhte Sturzgefahr älterer Menschen

Weiterhin, so große Kohortenstudien, geht ein Vitamin D-Mangel mit einem erhöhten Risiko einher, an Multipler Sklerose zu erkranken (Quelle: Ärztezeitung). Das Risiko sei, je nach Blutwert, um bis zu 60 % erhöht.

Daten belegen: Krebs und Vitamin D-Spiegel, ein Zusammenhang

Was hat ein niedriger Spiegel des Sonnenvitamins im Blut mit Krebs zu tun? Das wollte ein Team um Ben Schöttker, Epidemiologe im Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ), herausfinden. Hierzu wurden insgesamt 14 Studien mit zusammen 105.000 Teilnehmern gesichtet und analysiert. Zu den Ergebnissen dieser Metastudie heißt es in einer Mitteilung des DKFZ von Anfang Mai 2023: „Nach derzeitiger Studienlage schützt eine Vitamin D3-Einnahme wahrscheinlich nicht davor, an Krebs zu erkranken, könnte aber die Wahrscheinlichkeit senken, an einer Krebserkrankung zu versterben. Die bisherigen Studien zur Krebssterblichkeit haben jedoch sehr unterschiedliche Ergebnisse geliefert und uns interessierten die Gründe dafür“, so das Ergebnis der Untersuchung.

Der Grund für die getätigte Studie war darin begründet, dass den Forschern auffiel, dass der weltweit verbreitete Vitamin D-Mangel genannte Höhe hat, doch gerade bei Darmkrebspatienten war ein Mangel bei 59 Prozent der Probanden, die zudem eine ungünstige Prognose hatten, auffallen hoch.

Dabei fiel auf, dass insbesondere Patienten mit der Einnahme täglich kleinerer Dosen – in den Studien wurden 400 – 4.000 Einheiten (IE) gegeben – eine um 12 Prozent verbesserte Prognose hatten. Weiter heißt es in der Mitteilung: „Bei einer detaillierteren Analyse der Studien mit täglicher Einnahme ergab sich weiterhin, dass Menschen ab dem Alter von 70 Jahren am meisten von der Vitamin-D3-Therapie profitierten. Außerdem zeigte sich der Effekt am deutlichsten, wenn die Vitamin D-Einnahme bereits vor der Krebsdiagnose begonnen wurde.“

Wie Vitamin D supplementieren?

Im Idealfall sollten Sie immer einen Vitamin D-Status über eine Blutuntersuchung feststellen lassen. Und da der Wert jahreszeitlich sehr schwanken kann, sind zwei Entnahmen zu verschiedenen Jahreszeiten ratsam. Diese Leistung ist allerdings kostenpflichtig und nicht wenige Ärzte halten dies, außer bei alten Menschen wegen dem Osteoporose-Risiko, für nicht nötig. Dabei zeigen die genannten Erkrankungen sehr wohl, dass ein guter Spiegel sehr wichtig ist. Und die Zahlen des RKI belegen, dass es flächendeckend schlechte bis sehr schlechte Ergebnisse gibt. Die Anzahl der Betroffenen mit Osteoporose gleichermaßen.

Die Angaben zur Einnahme des Vitamins sind unterschiedlich. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) spricht von einem täglichen Bedarf von 800 IE bei Kindern nach dem Säuglingsalter und für Erwachsene. Die Europäische Behörde spricht dagegen von 600 IE und bei diagnostizierter Osteoporose soll ein Bedarf von 800 – 1.000 IE bestehen. Und der Endokrinologe Dr. Stephan Scharla meint im Interview mit Netdoktor: „Die tägliche Dosis sollte bei 1000, 2000, maximal 3000 Einheiten liegen, aber nicht darüber hinausgehen“, sagt Scharla. Zudem könne der Bedarf bei entzündlichen Darmerkrankungen höher sein. Anhand der vom DKFZ genannten 4.000 IE sieht man, dass die Wissenschaft sich hier eindeutig nicht einig ist.

Tipp: Bei höheren Dosierungen könnte das einen negativen Effekt auf die Kalzium-Aufnahme haben, da sich so das Kalzium anstatt in den Knochen in Blutgefäßen ablagern könnte. Daher empfehlen Fachleute immer eine Vitamin D₃-Einnahme stets mit dem Vitamin K2 einzunehmen. Dies ist auch bei geringeren Mengen kein Fehler, denn K2 sorgt für eine normale Aufnahme von Kalzium, ohne das Vitamin D diese stört. Im Handel gibt es Kombipräparate. Aber, wie bei allen medizinischen Maßnahmen gilt: Fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker. Denn es können auch andere Nebenwirkungen bei zu hohen Einnahmemengen auftreten.

„Anreicherung von Lebensmitteln würde Vitamin D-Spiegel normalisieren“

In den USA und Kanada etwa werden Lebensmittel mit dem Vitamin angereichert. Doch auch in Europa gibt es ein paar Länder, die dies machen: Großbritannien, Schweden und Finnland. In Finnland gab es 2000 eine Studie, der zufolge 44 % der Finnen einen zu niedrigen Spiegel aufwiesen. Nach dieser Studie wurden ab 2003 Grundnahrungsmittel mit dem Sonnenvitamin angereichert. Geeignet hierfür sind beispielsweise Brot, Milch und Pflanzenmilch, Joghurt, Cerealien oder Orangensaft.

2011 wurde erneut in einer Studie der Vitamin D-Status der Bevölkerung gemessen. Das Ergebnis laut DKFZ: 90 Prozent der Bürger hatten einen guten Status.

Fazit: Ein Vitamin D-Mangel kann massive Folgen für die Gesundheit haben. Seinen Wert im Blut und ein paar wichtige Begleitwerte kann sich daher sehr lohnen. Auch wenn viele Hausärzte bei der Frage nach dem Wert des eigenen Spiegels an Vitamin D dies oftmals abtun. Aus welchen Gründen auch immer.

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