Riester-Rente, ein Verlustgeschäft?

Riester Rente am Ende kündigen oder stilllegen

Was machen mit der Riester-Rente? Viele Vertragsnehmer haben sie bereits stillgelegt. Warum die Riester-Rente für die meisten so schlecht ist und Alternativen. Foto: pixabay.com/wir_sind_klein

Im Jahre 2002 wurde die Rieser-Rente als Lösung gegen Altersarmut und ideal für die Absicherung im Alter eingeführt. Selbst bei kleinen Sparbeträgen sollte die staatlich geförderte private Altersvorsorge die Rente gut aufbessern können. Nun fordert eine namhafte Verbraucherallianz ihren Stopp und stattdessen eine staatlich organisierte Altersversorgung ohne Gewinninteresse. Warum die Riester-Rente so schlecht ist und Schweden eine gute Alternative anbietet.

16,4 Millionen staatlich geförderte Rieser-Verträge wurden in beinahe 20 Jahren abgeschlossen. Als sie eingeführt wurde, wurde sie von der Bundesregierung als optimale Möglichkeit gepriesen, die gesetzliche Rente später einmal durch Kapitalmarkterträge aufzustocken.

Der Hintergrund ist ernst, denn der Staat hat spätestens mit der Einführung der Riester-Rente eingestanden, dass die Altersvorsorge von Millionen von Bundesbürgern einst nicht ausreichen würde. Auf der Seite Die Versicherer des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft heißt es „Die gesetzliche Rente reicht in Zukunft nicht mehr aus, den gewohnten Lebensstandard im Alter zu halten. Eigenverantwortliches Handeln bei der Altersvorsorge ist gefragt. Der Staat hat aus diesem Grund die Riester-Rente entwickelt.“ Und weiter heißt es „Die Riester-Rente unterstützt die Menschen dabei, sich eine private Altersvorsorge aufzubauen und so Einschnitte in der gesetzlichen Rentenversicherung auszugleichen. Entscheidender Vorteil: Diese private Rente wird staatlich gefördert.“

Einkommens- und Altersarmut längst der Fall

Mit dieser staatlichen Förderung wurden Versicherungsnehmer gelockt, die ‚den gewohnten Lebensstandard im Alter‘ aufrechterhalten wollten. Tatsächlich sieht es jetzt schon sehr prekär aus, denn bereits heute leben ein Drittel der Deutschen trotz Einkünften in Armut, darunter 56 Prozent der Alleinerziehenden. Minijobs, Teilzeitjobs und ein zu geringer Mindestlohn sind hierfür verantwortlich.

Zudem sind aktuell ein Viertel der Rentner von Altersarmut betroffen. Kein Wunder bei einem im internationalen Vergleich niedrigem Rentenniveau, das mit der Zunahme des zu versteuernden Anteils weiter sinken wird.

Verbraucherschützer gegen Riester

Die Verbraucherallianz aus dem Bund der Versicherten (BdV), der Bürgerbewegung Finanzwende und dem Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) machen seit einigen Monaten mobil gegen Riester-Rente, demonstrierten unter anderem im Mai vor dem Bundeskanzleramt für eine Abschaffung dieser Rente und riefen eine Petition ins Leben. Mit mäßigem Erfolg.

Was ist die Kritik an der Riester-Rente?

Kurz gesagt: Die fehlende Rentabilität. Die Wirtschaftswoche hat bei Musterverträgen nachgerechnet. So bekäme ein 30-jähriger Riester-Sparer mit einem jährlichen Bruttoeinkommen von 40.000 Euro beim Erreichen des 90. Lebensjahres nach monatlichem Einzahlen in die Riester-Rente bis zum Rentenalter 1,7 Prozent Zinsen auf seinen Vertrag. Würde er lediglich 85, dann wären es noch 1 Prozent. Würde der gewissenhafte Altersvorsorgende lediglich 80 Jahre alt, dann wären da lediglich noch 0,1 Prozent Verzinsung drin. Die Inflation noch nicht eingerechnet. Ein Verlustgeschäft.

Die Verbraucherallianz hat sich gleich 65 Riester-Versicherungen genauer angeschaut, um die Gründe für diese Misere genauer zu untersuchen.

Daten von angebotenen Verträgen erhoben: Warum sie so ineffizient sind

Finanzwende hat einen 37-jährigen Muster-Kunden ohne Kinder genommen und die Verträge dahingehend berechnet, was nach 30 Jahren zum Renteneintritt übrigbleibt, wenn rund 1.200 Euro jährlich inklusive Zulagen in ein Riester-Produkt fließen. Die Bürgerbewegung schaute genau nach und wollte wissen, warum Riester-Verträge so wenig abwerfen.

Das erste Ergebnis war, dass bei jeder dritten Riester-Police rund 30 Prozent der eingezahlten Beiträge in Gebühren verpuffen. Fast alle Angebote lagen über 25 Prozent. Die Bundesregierung ermittelte in ihren Modellrechnungen bei der Einführung von Riester lediglich Kosten von 10 Prozent. Eine Fehlkalkulation

Weiterhin wurde errechnet, dass nach Abzug der Kosten die Kundenrendite bei unter 0,5 Prozent läge. In einem Fall lag die jährliche Rendite sogar 0 Prozent.

Als Effektivrendite (= Gesamtrendite, inklusive Zinseszins) am Ende der Laufzeit ermittelten die Finanzspezialisten durchschnittlich 1,6 Prozent. Immerhin könnte man sagen. Doch, rechnet man die Inflation mit ein, die jährlich seit 30 Jahren bei 1,8 Prozent liegt, dann zeigt sich, dass man mit der Riester-Rente letztlich Geld verliert.

Allenfalls bei besonders hohen Zulagen, vornehmlich bei hoher Kinderzahl, könne sich eine Riester-Rentenpolice noch rechnen.

Es wird nicht besser…

Riester Rente am Ende kündigen oder stilllegen

Es bleibt allenfalls eine kleine Rendite zum Rentenantritt bei Riester übrig. Und am 2022 wird es noch weniger. Foto: Pixabay.com/WFranz

Ein Ende der ehedem kaum oder nicht vorhandenen Rentabilität wurde vielleicht vom Finanzministerium unter Minister Olaf Scholz im Januar 2020 eingeläutet. Man legte nun fest, dass der Höchstrechnungszins – man nennt ihn auch nicht ganz korrekt Garantiezins – für alle Lebensversicherungen mit dem 1. Januar 2022 von 0,9 auf 0,25 Prozent absenkt; dies gilt auch für bestehende Verträge und die Riester-Verträge. Anfänglich betrug der Mindestzins noch 2,25 Prozent. Der Versicherungs-Mathematiker Axel Kleinlein sagt im Manager-Magazin, das hierdurch nicht nur die Riesterrenten deutlich sinken werden. Er rechnet mit 10 Prozent.

Bereits im Jahre 2011 hatte Ökotest bemängelt, dass die Versicherungen zahlreicher Anbieter mehr Gebühren kosten würden, als es staatliche Zulagen gäbe.

Was fordert die Verbraucherallianz als Alternative?

In einer Pressemitteilung vom September 2021 schreibt die Bürgerbewegung Finanzwende: „Die Riester-Rente ist zu teuer, zu renditeschwach und ineffizient. Und weiter heißt es: „Die neue Bundesregierung muss einen Neustart bei der ergänzenden privaten Altersvorsorge angehen.“ Und dies noch in dieser Legislaturperiode. So fordert Finanzwende, dass es eine staatlich organisierte Altersversorgung geben solle, die ohne Gewinninteresse angeboten wird.

Die Verbraucherallianz fordert „eine funktionierende Altersvorsorge – ergänzend zur gesetzlichen Rente – müssen sich die Parteien für eine günstige und einfache Zusatzvorsorge stark machen. Die Organisationen der Verbraucherallianz treten für die Einführung eines öffentlich organisierten Vorsorgeangebots ein.“ So ein Modell gibt es bereits in Schweden.

Schwedische Rente, ein Erfolgsmodell

Riester Rente am Ende kündigen oder stilllegen und warum das schwedische Renten Modell so gut ist

Das schwedische Rentenmodell basiert auf drei Säulen. Eine davon ist die Prämienrente, bei der 2,5 % des Gehaltes in einen Fonds investiert wird. Ein Erfolgsmodell. Foto: Pixabay.com/MLbay

Das schwedische Rentenmodell basiert auf drei Säulen. So gibt es eine übliche Einkommensrente. Daneben ist es üblich, eine Betriebsrente zu haben. Und dann gibt es noch die Prämienrente in Schweden. Diese bereits seit dem Jahr Prämienrente sieht vor, dass 2,5 Prozent des rentenfähigen Einkommens entweder in einen staatlichen Fonds oder einen selbst gewählten Fond eingezahlt werden. Letzteres erscheint weniger sinnvoll, denn der staatlich gemanagte Fond, der AP7-Fonds, ist sehr erfolgreich (siehe Link) und heute einer der größten Aktienfonds Europas.

Weiteres Highlight im schwedischen Rentensystem: Rentner und Rentnerinnen können die Betriebsrente bis zum Tod monatlich beziehen oder sie sich in einem Zeitraum von 5, 10, 15 oder 20 Jahren komplett auszahlen lassen.

  • Die FDP hatte Anfang 2020 eine „Aktien-Rente“ ins Gespräch gebracht, um in Deutschland einen Teil der Altersvorsorge zu finanzieren. Diese Aktien-Rente orientiert sich sehr stark an dem schwedischen Erfolgsmodell.

Riester-Vertrag: Kündigen oder stilllegen?

Einen Riester-Vertrag zu kündigen ist keine gute Idee, denn dann wird die Rückzahlung der staatlichen Förderungen und Steuervorteile fällig. Besser: Riester-Vertrag stilllegen, also beitragsfrei stellen. Die Riester-Rente wird dann ab dem vereinbarten Bezugstermin gezahlt.

Zu Rentenbeginn kann sich der Riester-Beitragszahler bis zu 30 Prozent des angesparten Geldes auszahlen lassen. Dieser Betrag ist allerdings zu versteuern.

Alle möglichen Konstellationen der Auszahlung des Riester-Vertrags lesen Sie hier.

Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales schätzt, dass ein Fünftel der Riester-Verträge stillgelegt wurde. Offizielle Zahlen gibt es nicht. Auch nicht zu den Stornierungen beziehungsweise Kündigungen.

Weitere Alternativen zur privaten Altersvorsorge

Ähnlich kritisch sehen Verbraucherschützer heute Lebensversicherungen und fondgebundene Anlageprodukte für die private Altersvorsorge. Dagegen wird empfohlen, will man für das Alter zusätzlich sparen, in ETFs anzulegen. ETFs sind börsengebundene Indexfonds. Was das genau ist, das erfahren Sie hier.

ETFs eignen sich zur Geldanlage mit Einmalzahlungen, viele bieten auch an, einen Sparplan anzulegen. Die Stiftung Warentest nennt ETF den „Königsweg des Fondsparens“. Kein Wunder, haben die besten darunter in den letzten 20 Jahren durchschnittlich 10 Prozent Rendite gebracht.

Fazit: Letztlich ist es ein Armutszeugnis im wahrsten Wortsinn, dass das staatliche Rentensystem einst fleißig arbeitende Bürger nicht vor einer Altersarmut schützen kann. Dies mit steigender Zahl und trotz zusätzlichem Riester-Vertrag oder privater Altersvorsorge. Das muss sich ändern.

<<<Der Text stellt keine Finanzberatung dar. Er gibt nur allgemeingültige Erkenntnisse wieder.>>>

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