Notre-Dame: Wiederaufbau als urbane Farm mit Plusenergie-Standard

Wiederaufbau Notre Dame Entwurf von Vincent Callebaut

Die weltweit renommierten Pariser Architekten vom Büro Vincent Callebaut Architects haben einen „grünen“ Entwurf für den Wiederaufbau von Notre-Dame abgeliefert. Und das sieht ganz schön cool aus. Alle Fotos: © Vincent Callebaut Architectures

Notre-Dame ist sowas wie ein Symbol für die Zivilisation der Menschheit. Der Brand des 800 Jahre alten Prachtbaus schockte viele Menschen. Das renommierte Pariser Architekturbüro Vincent Callebaut legte nun eine richtig gute Idee vor, der Spiritualität, Mensch und Natur unter einen Hut bringt.

Schon viele Bauprojekte auf der ganzen Welt zeugen von der Genialität des Pariser Architekturbüros. Der Plan für den Wiederaufbau des Pariser Wahrzeichens ist nun ein weiterer Vorschlag, der die stark beschädigte Kathedrale Notre-Dame in ein ganz modernes, zukunftsgerichtetes Kleid hüllen würde und symbolisch die in der Kritik stehende katholische Kirche in die Jetztzeit befördern könnte.

Kirche: In vielerlei Hinsicht transparenter und zeitgemäßer

Einer der großen Trends in der modernen Stadtarchitektur ist das Urban Farming. Urban Farming will Obst und Gemüse verbrauchernah direkt in der Stadt produzieren. Auch immer wieder diskutiert wird die schlechte Luft in der Stadt der Liebe, die mit Grünanlagen deutlich verbessert werden könnte. Gerade die Millionenmetropole Paris und deren Bewohner haben sehr unter einer wahren Dunstglocke zu leiden.

In dem als „Widergeburt“ (griechisch Palingenesis) bezeichneten Plan zum Wiederaufbau von Notre-Dame wird vor allem der Dachkonstruktion eine völlig neue Funktion verliehen. Das ehemalige, schwerfällig wirkende Kirchendach soll einer luftig-leicht wirkenden Holz-Glaskonstruktion weichen. Dabei soll der Materialeinsatz derart umgesetzt werden, dass die Konstruktion aus umweltfreundlichen Materialien die Umwelt so wenig wie möglich in ihrer Herstellung belastet.

Transparenz soll das zukünftige Dach ausstrahlen. Symbolisch stünde diese Transparenz laut Architekturbüro für eine neue, modernisierte, ja, lebendige und zeitgemäße Kirche.  Diese Transparenz setze sich fort, in einem lichtdurchlässigen Wald, der das park- oder dachgartenähnliche Areal in luftiger Höhe prägen soll. Doch, die Wiedererrichtungspläne können noch weitaus mehr.

Energetisch kommt Notre-Dame auf dem neuesten Stand

Das so ein großer Bau in Sachen Energiebedarf glänzen kann, das beweist die Planung. So würden die Architekten der wiedererrichteten Notre-Dame einen Plusenergie-Standard verpassen. Das Gebäude würde also mehr Energie produzieren, als es benötigt. Kern des Ganzen sollen die speziellen Glaselemente des Daches sein, die, ähnlich wie Photovoltaikzellen, Energie produzieren. Die gewonnene Energie soll als umweltfreundlich produzierter Wasserstoff gespeichert werden, welcher unabhängig von Sonnenschein Notre Dame mit Energie oder Wärme versorgt.

Um einen Treibhauseffekt mit hohen Temperaturen im Gebäude, auch und gerade unter dem Glasdach, zu vermeiden, wird auf ein ausgeklügeltes Ventilationssystem gesetzt, welches im Sommer durch die Verdunstungskälte der Pflanzen abgerundet wird. Dagegen würde die Dachkonstruktion sich im Winter erwärmen und somit einen Isolationseffekt, verglichen mit der alten Dachkonstruktion erzielen.

Somit würde Notre-Dame ein Paradebeispiel für eine zukunftsweisende, ökologische Bauweise darstellen.

Solidarische, urbane Landwirtschaft

Herzstück des geplanten Wiederaufbaus von Notre-Dame soll ein Obst- und Gemüsegarten in luftiger Höhe sein, der die alte Tradition von ertragreichen Klostergärten aufnimmt. Mittels der modernen Anbautechnik des Aquaponiks (Wasserkreislauf aus Fischzucht und Pflanzen. Die Pflanzen ziehen die Nährstoffe der Fische aus dem Wasser, das gereinigt in den Fischteich zurückfließt) und dem nachhaltigen Anbau in Form der Permakultur könnte die Dachfarm im Jahr pro Quadratmeter 25 Kilo, insgesamt gar 21 Tonnen Obst und Gemüse pro Saison produzieren.

Ganz im Sinne einer gemeinschaftlich orientierten, sich engagierenden Kirche soll das Angebaute sozial benachteiligten und wohnungslosen Menschen zugutekommen. Die Architekten von Vincent Callebaut stellen sich einen wöchentlichen Markt auf dem Platz vor der Kirche hierfür vor. Der öffentlich zugängliche Garten selbst solle seinen Besuchern zur Entspannung in der hektischen Großstadtwelt dienen.

Etwas kirchenuntypisch wären zudem die Lichtverhältnisse im Inneren der Kathedrale. Sie wäre dank Glaselementen in der Decke beziehungsweise dem Boden des Dachgartens hell und einladend.

Notre-Dame: Kirche zeitgemäß gedacht

Jede Epoche hinterlässt an alten Gebäuden ihre Spuren. Im Fall des Wiederaufbaus von Notre-Dame würde eine zukunftsweisende, ökologische und solidarische Stätte neu entstehen, die auf erneuerbare Energien, inklusive soziale Innovation, Kreislaufwirtschaft, urbane Landwirtschaft und den Schutz der Biodiversität setze, ohne auf die Schönheit des jahrhundertealten Gebäudes und seine spirituelle Bedeutung zu verzichten.

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